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Aktuelle Preisträger 2009:
Joakim Eskildsen und Cia Rinne

 

Die David-Octavius-Hill-Medaille der Deutschen Fotografischen Akademie
wird 2009 an den dänischen Fotografen Joakim Eskildsen und die finnische Autorin Cia Rinne verliehen. Diese Ehrung ist verbunden mit dem Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen, der mit 5.000,- € dotiert ist und alle 3 Jahre verliehen wird.
Die Preisverleihung wird am 24. April in Leinfelden-Echterdingen stattfinden. Das skandinavische Künstlerpaar wird ausgezeichnet für seine fotografisch-literarischen Projekte. Zuletzt erschien das Buch "Die Roma-Reisen" (Steidl-Verlag), für das Rinne und Eskildsen über einen Zeitraum von sieben Jahren recherchiert haben. Ein Auszug aus diesem Projekt wird als Ausstellung in Leinfelden-Echterdingen gezeigt.
Die Entscheidung für Rinne und Eskildsen fiel auch aufgrund der persönlichen Konsequenz, mit der die Künstler ihre Arbeiten realisieren. "Das Roma-Projekt von Eskildsen und Rinne ist die bravouröse Umsetzung eines schwierigen gesellschaftspolitischen Themas. Diese Auszeichnung ist auch ein Signal für die Offenheit und Toleranz von Leinfelden-Echterdingen", sagte Kulturbürgermeister Alexander Ludwig nach der Entscheidungsfindung.

 

Andreas Langen über Joakim Eskildsen und Cia Rinne: Als Joakim Eskildsen zum ersten Mal das Wunder der Fotografie erblickte, war es um ihn geschehen. Er schaute seinem älteren Bruder über die Schulter, der sich in der verdunkelten Garage ihres Elternhauses über eine Entwicklerschale beugte, und sah, wie auf der weißen Papierfläche allmählich ein Bild entstand. „In diesem Moment hatte ich so etwas wie meine Bestimmung gefunden“, erzählt Eskildsen. Fortan unterschrieb der 13jährige alle Schriftstücke mit „Joakim Eskildsen, Fotograf“. Er begann, seine unmittelbare Umgebung mit der Kamera zu erkunden: Haus und Garten, das Dorf, in dem er aufwuchs, die Natur ringsum, das faltige Gesicht seiner Großmutter. „Auf gewisse Weise habe ich damals schon das Gleiche getan wie heute“, meint Eskildsen, „nämlich erforscht, was draußen in der Welt für mich wichtig ist.“

 

Solch ruhige Selbstgewissheit braucht es wohl, um einen Weg zu gehen wie Eskildsen. Ein paar Jahre nach seinem fotografischen Erweckungserlebnis in der Garage organisierte er sich einen Praktikums-, dann einen Ausbildungsplatz bei Rigmor Mydtskov in Kopenhagen. Dass Mydtskov die offizielle Fotografin des dänischen Königshauses war, er also fortan mit Erlauchten und Prominenten aller Art zu tun hatte – es beeindruckt ihn bis heute nicht. Der Junge vom Land zog in die Hauptstadt, aber statt sich von der Welt der Schönen und Reichen blenden zu lassen, sah er darin nichts weiter als ein Übungsgelände für sein fotografisches Handwerk. Das lernte er gründlich: Klein- und Großbild, printen in Schwarz-Weiß und Farbe, Licht setzen und Umgang mit Menschen vor der Kamera. Nach fünf Jahren kehrte er dem Glamour den Rücken. Eskildsen studierte in Helsinki Fotografie, lernte seine Frau Cia Rinne kennen, eine polyglotte Deutsch-Finnin, und arbeitet seither mit ihr gemeinsam an Projekten in Skandinavien, Portugal, dem Maghreb, Südafrika und Asien. Eines verbindet all diese Arbeiten: höchste Intensität.

 

Deren Entstehen verdankt sich vor allem der Geduld, und der Genügsamkeit. Eskildsen und Rinne verzichten auf Geld, aber nicht auf Gründlichkeit. Sie leben von der Hand in den Mund, aber gestatten sich eine Zeitfülle, als wären sie Entdeckungsreisende aus längst vergangenen Jahrhunderten. Als erstes lernt Cia Rinne, die sich in einem guten dutzend Sprachen verständigen kann, die Sprache der Menschen, um die es geht – mal Portugiesisch, mal ein paar Brocken Zulu, mal Roma, die Sprache der Zigeuner. Dann begeben sie und ihr Mann sich ins Thema, und zwar mit Haut und Haar. Hotels kommen nicht in Frage, schon finanziell. In Afrika schlafen sie in Lehmhütten, bei den Roma in deren Verschlägen auf Müllkippen und in Elendsvierteln. Tagsüber helfen sie beim Kochen, Holzhacken und Wasserholen, abends hören sie Geschichten und Lieder. Sie bleiben Wochen, manchmal Monate. Die Arbeiten am Roma-Projekt erstreckten sich über sieben Jahre, mit Reisen nach Indien, Russland, Finnland, Rumänien, Griechenland und Frankreich.

 

Nebenbei machen Eskildsen und Rinne Bilder, Tonaufnahmen, Notizen. So entstehen Dokumente, die buchstäblich einmalig sind. Der Direktor des Russischen Museums für Ethnologie traute seinen Ohren nicht, als er die CD hörte, die dem Roma-Buch beigefügt ist – für Cia hatten die Musiker Lieder gesungen, die eigentlich nur erklingen, wenn die Roma unter sich sind. Und von Joakims Bildern sehen einen die Fotografierten an, als blickten sie nicht in eine Kamera, sondern einem engen Vertrauten aus nächster Nähe in die Augen. Diese Intimität, kombiniert mit der abstrakten, informativen Ebene von Text und der Sinnlichkeit der Originaltöne, machen die Arbeiten von Joakim Eskildsen und Cia Rinne zu unvergleichlich reichhaltigen Werken. Nur oberflächliche Betrachter werfen Eskildsen manchmal vor, die pure Schönheit seiner Bilder zeuge von unangebrachtem Romantizismus – was soll schön sein am Leben der Roma, die bis auf den heutigen Tag geprügelt, geschunden und verachtet werden?
„Solche Kritik verwechselt Schönheit mit Banalität“, hält Eskildsen dagegen, „ich kann nur zeigen, was ich zutiefst als wahr empfinde – und in den wahren Dingen sehe ich etwas wie ein Leuchten.“
Seinem Buch hat einen Satz vorangestellt, den ihm Romakinder in Russland sagten: „Ce mundró o miró! “ – Wie schön doch die Welt ist!

 

Cia Rinne wurde 1973 in Göteborg, Schweden, geboren, wuchs in West-deutschland auf und studierte Philosophie, Geschichte und Sprachen an Universitäten in Frankfurt, Athen und Helsinki mit einem Abschluss als MA in Philosophie. Seit 1995 arbeitet sie zusammen mit Joakim Eskildsen an gemeinsamen Projekten. Ihre gemeinsamen Publikationen sind u.a.“Bluetide” (1997), “iChickenMoon” (1999), “al-Madina” (2002) und “The Roma Journeys” (2007). Neben diesen dokumentarischen Arbeiten befasst sich Rinne auch mit experimenteller Poesie in Form von Texten, Ausstellungen und Lesungen.

 

Joakim Eskildsen wurde 1971 in Kopenhagen geboren. Seit Mitte der 90er Jahre werden seine fotografischen Arbeiten international in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. im Museet for Fotokunst, Odense 1994, in der Galerie Fotohof, Salzburg 2001, im Kulturhuset, Stockholm 2007 und im Fotomuseum Winterthur 2009.
Sein Werk hat viele Auszeichnungen bekommen, u.a. Erna and Victor Hasselblad’s foundation, Sweden 2001, Nordic Culture Fond 2006, Deutscher Fotobuchpreis (Gold) 2009, Förderpreis der Otto Pankok Stiftung zugunsten des Romavolks 2009


 

 

 

 

Preisträger 2005: Bernhard Prinz

Die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) verleiht in diesem Jahr die David-Octavius-Hill-Medaille an Bernhard Prinz. Die Ehrung findet alle drei Jahre statt und ist verbunden mit dem Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen, der mit 5000 Euro dotiert ist.

Zur Jahrestagung der DFA (15. bis 17. April 2005) wird eine Ausstellung mit Arbeiten unseres Preisträgers im Foyer der MHZ Hachtel GmbH in LE-Musberg gezeigt.

 

Mit Bernhard Prinz hat die Deutsche Fotografische Akademie einen Künstler ausgezeichnet, der konsequent die fiktionalen Aspekte des Mediums auszuloten weiß und damit die künstlerischen Dimensionen der Fotografie erweitert hat. Die meisten seiner Bilder entstehen aus Inszenierungen vor der Kamera. Und ebenso häufig sind diePräsentationen der Bilder Inszenierungen von Inszenierungen. Eine bedeutende Rolle spielt das Verhältnis von Sprache und Bild. Die Titel seiner Bilder suggerieren Kontexte, die Dinge und Menschen alltäglicher Erfahrung entziehen und sie in Symbole oder Allegorien verwandeln. Die Vorbilder zu den Inszenierungen findet Prinz vornehmlich in der Porträt- und Stilllebenmalerei früherer Kunststile. Seine künstlerische Position wird dadurch ambivalent. Prinz konfrontiert Pathosformeln der Vergangenheit mit zeitgenössischen ästhetischen Konzepten, um zu verführen und die Verführung als inszeniert zur Disposition zu stellen. Dabei impliziert der schöne Schein die Strategie seiner Entstehung und seiner Demontage. Auf diese Weise setzt Prinz seine Inszenierungen in Konkurrenz zu Bildern wie wir sie beispielsweise aus der Werbung und Mode kennen, bietet aber im selben Moment die Plattform ihrer kritischen Reflexion.
Seit 2004 hat Bernhard Prinz eine Professur für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel.
(Manfred Schmalriede, Präsident der deutschen Fotografischen Akademie)

 

Anna-Catharina Gebbers über
Bernhard Prinz:
Kühl und ernst scheinen diese erhabenen Geschöpfe dem Betrachter direkt in die Augen zu blicken. Wie Wesen von einem anderen Stern und doch irgendwie vertraut. Die Arbeiten von Bernhard Prinz sind anrührend und abweisend zugleich. Das Licht, die Schönheit der Porträtierten, dieAtmosphäre - alles zeugt hier von Haltung, von Stil, von Glamour, ja von Coolness. Cool ist, was sich stolz und unabhängig präsentiert, kontrolliert, sachlich, ernst, distanziert und trotzdem emotional, aber niemals pompös. Man muß das Spiel der Zeichen beherrschen, um cool zu sein. Stil ist die Kunst der Kombination. Auswählen, Zitieren, Weglassen, Hinzufügen. Stil definiert eine Haltung und kommuniziert sie. Hier gehen Realismus und Abstraktion ineinander über, denn erst die Verdichtung erweckt Interesse und regt an. Was ist schon langweiliger als die Wahrheit?
(Auszug aus einem Text, der zuerst im Artist Magazin Nr. 42 erschienen ist
und jetzt vollständig im Bulletin der deutschen Fotografischen Akademie nachzulesen ist.)

 

Bernhard Prinz wurde 1953 in Fürth geboren. Er studierte Kunstgeschichte an der Uni Erlangen und von 1976 bis 1981 freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Seine künstlerische Arbeit wurde seit 1984 durch viele Stipendien und Preise gefördert, wie z.B. durch das Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium, Bonn und das Villa Massimo Stipendium, Rom.
Nach langer Lehrtätigkeit an der Universität Essen hat Bernhard Prinz seit 2004 eine Professur für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel.
Seine ganz eigenständige fotografische Bildsprache hat er seit den 80er Jahren in vielen nationalen und internationalen Ausstellungen einem breiten Publikum vorstellen können. Schon 1988 zeigte die Serpentine Gallery in London eine Einzelausstellung mit seinen Arbeiten. Präsentationen seiner Fotografie u.a. in der Galerie Sten Eriksson, Stockholm; der Deweer Art Gallery, Eindhoven; der Wiener Secession, der Galerie Thaddaeus Ropac, Paris, der Galerie Franz Paludetto, Turin und Kennedy Boesky Photographs, New York, haben seinen internationalen Ruf begründet.
Kontinuierlich repräsentiert wurde er u.a. von der Produzentengalerie Hamburg, der Galerie Reckermann in Köln und der Galerie Bernhard Knaus in Mannheim.

 

Bernhard Prinz war an ganz bedeutenden Ausstellungen beteiligt, so z.B. bei der Dokumenta 8 in Kassel; bei In Between and Beyond, The Power Plant, Toronto und bei Photography in Contemporary German Art, Walker Art Center, Minneapolis. Das künstlerische Schaffen von Bernhard Prinz gliedert sich in Werkgruppen, wie z.B. „Epidemien“ 1995/2000, „Blessur“ 1996–1999, „Ikonen“ 1996-2001, „Krux“ 1996 – 2002, „Parvenü“ 2000.
Zu vielen von diesen Serien sind auch Publikationen erschienen.

 

 

 

 

 

 

Preisträger 2002: Alex Webb

Die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) verleiht in diesem Jahr die David-Octavius-Hill-Medaille an den Fotografen Alex Webb, New York. Die Ehrung findet alle drei Jahre statt und ist verbunden mit dem Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen, der mit 5 000 Euro dotiert ist.

Zur Jahrestagung der DFA (12. bis 14. April 2002) wird die Ausstellung "The Light of the Street" mit Arbeiten aus verschiedenen Serien der letzten Jahrzehnte in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen eröffnet.Diashow

 

Alex Webb, Mitglied der weltweit renommierten Fotografenagentur Magnum (Veröffentlichungen in Life, Geo, Time, New York Times Magazin, National Geographic) arbeitet seit Mitte der 70er Jahre als Bildjournalist an langfristigen Projekten.

Seine vibrierenden Bildwelten über die Tropen, sein vorrangiges Sujet, fangen das öffentliche Leben auf den Straßen des Südens ein. In intensiv leuchtenden Farben - mit eigentümlich weitgespannten perspektivischen Linien aus Licht und Schatten - tauchen sie in diese Welt ein ohne die Distanz der Betrachtung zu verleugnen. Die Aufnahmen erzählen eindringlich, verwandeln elementare Augenblicke des Alltagslebens und politische Krisenmomente in kühne, halluzinatorische Kompositionen, vielschichtig lesbar in ihrer ungewöhnlichen Dichte. Damit geht er über den herkömmlichen Bildjournalismus hinaus. Durch collagehafte Zerlegungen des Bildraums können sich seine detaillierten Beobachtungen in ihrem Eigenwert entfalten. Ihr Sinn besteht nicht darin, auf eine eindeutige Aussage hinzuwirken. Nie verrät Webb seine Ansichten an folkloristische oder politische Klischees. Wie zufällig werden Momente eingefangen und in ihrem dramatischen Siedepunkt regelrecht eingefroren. Unbarmherzig scheint das "Licht der Straße" gleichzeitig auf Leben und Tod, Gewalt und Zärtlichkeit, Armut und Aufruhr, die im Paradies der Lebendigkeit unmittelbar und übergangslos gegeneinander stehen.

 

Die meisten von Webbs Arbeiten sind als Bücher veröffentlicht, darunter die Serie über das befreite Haiti nach dem Sturz von Duvalier (1986-89): "Under a grudging sun", und das Werk: "Hot light / Half-Made Worlds" über Mittelamerika, Zentralafrika und Indien. "Crossings", ein Buch über die Grenze zwischen USA und Mexiko wird in diesem Frühjahr veröffentlicht.

Weitere Informationen und Bildmaterial können Sie bei Wolfgang Zurborn erhalten.

 

Biografie Alex Webb

1952 geboren in San Francisco, USA
1972 Apeiron Photography Workshop mit Charles Harbutt
1974 Studium der Geschichte und Literatur (Harvard University)
seit 1976 Mitglied von Magnum

Ausstellungen Auswahl

2001 "New York Sept .11th 2001", NY Historical Society
2002 "World Views", Southeast Museum of Photography, Daytona Beach, Florida
2003 "Panama", Leica Gallery, New York
2004 "Under a Grudging Sun and Beyond", 5. Int. Fototage Herten
2005 "Amazon", Sky Harbor Gallery, Phoenix, Arizona
2006 "Caraibes", Cite du Livre, Aix en Provence
1997 "US-Mexico Border", FotoMassan, Göteborg
1997 "Under a Grudging Sun", NTC Köln
1998 "Dislocations", Taranto Gallery, New York
1999 "Picturing the South", High Museum of Art, Atlanta
2000 "Hot Light/Half-Made Worlds", Fotofestival Aubenas, Frankreich
2001 "Mexico", Galerie Lichtblick, Köln
2002 "Under a Grudging Sun", Eye Gallery, San Francisco
2003 " Mexico Through Foreign Eyes", rTamayo Museum, Mexico City
1991 Whitney Museum of American Art, New York
1989 "In Our Time", Centre Nationale de la Photographie, Paris
1990 "In Our Time", ICP, New York
1991 Museum of Contemporary Photography, Chicago
1992 "The Netherlands", Canon Photo Gallery, Amsterdam
1984 The Photographer’s Gallery, London
1983 Galerie Magnum, Paris

Bücher

2002 "Crossings: Photographs from the U.S.-Mexico Border"
1998 "Dislocations"
1996 "Amazon: From the Floodplains to the Clouds"
1996 "From the Sunshine State: Photographs of Florida"
1989 "Under a Grudging Sun: Photographs from Haiti Libéré"
1986 "Hot Light / Half Made Worlds – Photographs from the Tropics"

Preise und Stipendien

2000 Leica Medal of Excellence
1998 Hasselblad Foundation
1990 National Endowment for the Arts Grant
1988 Leopold Godowsky Jr. Color Photography Award
1986 New York State Council on the Arts Grant

 
 

 

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