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Ausstellung zur Tagung
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Jahrestagung der DFA 2009

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 24. – 26. April 2009 statt.
Austragungsort wird auch in diesem Jahr wieder die Zehntscheuer in Echterdingen sein. Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.

 

Preisträger: Joakim Eskildsen und Cia Rinne

In diesem Jahr vergibt die DFA die David-Octavius-Hill-Medaille und die
Stadt Leinfelden-Echterdingen ihren mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis an Joakim Eskildsen und Cia Rinne.

 

 

 


 

 

 

 




Ausstellung des Projektes Die Roma-Reisen
mit Fotografien von Joakim Eskildsen und
Texten von Cia Rinne

24.4. - 10.5.2009

Eröffnung: 24. April 2009, 18 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Alexander Ludwig
Laudator: Andreas Langen
Verleihung des Kunstpreises der Stadt
Leinfelden-Echterdingen durch BM Ludwig an
Joakim Eskildsen und Cia Rinne

Filderhalle
Bahnhofstr. 61
70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–17 Uhr
Sa 25.4.: 12 -17 Uhr, So 26.4.: 11–17 Uhr
und an den anderen Wochenenden
mit vorheriger Anfrage unter 0711/1600-338.

 


 

Ehemalige Preisträger der
David-Octavius-Hill-Medaille

Jürgen Heinemann, Fritz Kempe, Regina Relang

28.4. – 31.07.2009

Eröffnung: Freitag, 24. April 2009, 20 Uhr:
Begrüßung: Bürgermeister Alexander Ludwig
Laudator: Prof. Manfred Schmalriede
Verleihung der David-Octavius-Hill-Medaille der DFA
an Joakim Eskildsen und Cia Rinne
Einführung: Dr. Bernd Klagholz

Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4, Firmengebäude MHZ-Hachtel
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di–Do 8–12 Uhr und 14–17 Uhr, Fr 8–12 Uhr
Telefonische Voranmeldung unter 0711 9975409

 

Seit 1955 hat die Deutsche Fotografische Akademie, ehemals GDL, die David-Oktavius-Hill-Medaille an 35 Persönlichkeiten der Fotografie für herausragende künstlerische oder wissenschaftliche Leistungen vergeben.
Anlässlich der diesjährigen Verleihung dieses Preises an Joakim Eskildsen und Cia Rinne zeigt das Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen einen Rückblick auf drei ehemalige Preisträger aus den Jahren 1972, 1974 und 1994, Portraitfotografien von Fritz Kempe, Modefotografien von Regina Relang und Reportagefotografien von Jürgen Heinemann.

 

Fritz Kempe

 

Das besondere Interesse am Medium Fotografie lag bei Fritz Kempe im Portrait des Menschen. 1970 publizierte er eine seiner bekanntesten Serien Hamburger und ihre Gäste. Neben der Realisierung seiner eigenen Projekte hat er sich in vielfacher Weise um die Vermittlung der Fotografie gekümmert. So hat er 1952 die Hamburgische Sammlung zur Geschich-te der Fotografie gegründet, die er in die Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe eingliederte. Damit legte er den Grundstein für eine der ersten Samm-lungen von Fotografie an einem Kunstmuseum. Im glei-chen Jahr eröffnete Kempe das „Filmseminar Hamburg“, das nach kurzer Zeit auch das Fernsehen integrierte. Als Lehrer und Publizist hatte er die Möglichkeit, seine Ideen zur Fotografie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Durch zahl-reiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Fotografie setzte er sich für die künstlerische Wertschätzung dieses Mediums ein.
Fritz Kempe erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im Jahr 1974.

 

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Regina Relang

 

Regina Relang war eine Modefotografin mit außergewöhnlichen Inszenierungen und Interpretationen. Sie studierte Malerei in Stuttgart (1926-31) und später auch noch in Berlin und Paris, wo sie vor allem von Amédée Ozenfant beein-druckt war. Nach ihrem Examen wandte sie sich dann aber als Autodidaktin der Fotografie zu. Ihr erstes Interesse galt dabei der Reportagefotografie. 1933 begann sie, im südlichen Europa zu reisen. Nach Aufenthalten auf Korsika, in Frankreich, Spanien und der Türkei hatte sie 1935 mit einer Repor-tage über portugiesische Fischer in Not einen ersten Erfolg.
Richtig bekannt wurde sie dann aber mit ihrer Modefotografie. So arbeitete sie u.a. für „Vogue“ Paris, London und New York. Während dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde für den „Deutschen Verlag“ und „Die Dame“ tätig.
In den Nachkriegsjahren eröffnete sie ein Studio in München und kooperierte mit allen führenden Modezeitschriften. In den 70er Jahren widmete sie sich auch freien künstlerischen Projekten. Sie schaffte Inszenierungen, in denen sie mit modisch gekleideten Modellen bekannte Gemälde, wie z.B. von Henri Rousseau, nachstellte.
Regina Relang erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im Jahr 1972.

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Jürgen Heinemann

 

Sein fotografisches Studium absolvierte Jürgen Heinemann bei Otto Steinert, zuerst in Saarbrücken und dann an der Folkwangschule in Essen. Danach arbeitete er freiberuflich als Fotojournalist. Auftragsreisen führten ihn nach Afrika, Asien und Lateinamerika. 1963 erhielt er den 1. Preis beim World Press Photo-Wettbewerb für das künstlerische Pressefoto. Von 1981 bis 1999 hatte er eine Professur für Bildjournalismus und Foto-Design an der Fachhochschule Bielefeld.
„Jürgen Heinemann weist darauf hin, dass die Sachverhalte nicht so einfach sind, wie die gängige Behauptungsfotografie unterstellt. Sie haben stets ihre Vieldeutigkeit Das macht die Suche, die Forschung, die Entdeckung interessant. Sobald man aufdeckt, verschwindet das Klischee.“ Roland Günter in „Dokument und Erfindung -Fotografien aus der Bundesrepublik Deutschland 1945 bis heute“, 1989, herausgegeben von der Fotografischen Akademie GDL und Jörg Boström.
Jürgen Heinemann erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im Jahr 1994 und ist seitdem auch Ehrenmitglied der Deutschen Fotografischen Akademie.

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Schnittstellen des Imaginären

Thomas Anschütz, Dörte Eißfeldt, Sabine Schründer

25.4. – 7.6.2009

Eröffnung: Samstag, 25.4.2009, 18.00 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn

Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 10-18 Uhr, So. ,11-13 Uhr

 

Diese Ausstellung zeigt fotografische Arbeiten, die den Akt der Bildfindung als einen experimentellen Prozess verstehen. Montagetechniken, visuelle Schichtungen, die räumliche und zeitliche Ebenen verschmelzen lassen und mediale Irritationen mit großer assoziativer Wirkung schaffen komplexe Bildwelten, die den Betrachter für eine Welt jenseits des Offensichtlichen sensibilisieren.
Wir werden mit diesen Bildern an die Schnittstellen zwischen dem Reich der Phantasie innerer Visionen und der konkret erfahrbaren, sichtbaren Alltagswelt geführt. Gerade die Reibungsenergie dieser unterschiedlichen Bewusstseinsebenen schafft die poetische Kraft dieser Arbeiten.

 

Dörte Eißfeldt

 

In allen ihren experimentellen Fotoarbeiten seit den 80er Jahren lotet Dörte Eißfeldt Möglichkeiten des Mediums aus, eine Neugier beim Betrachter zu wecken, ein Gefühl für die Sensation des Banalen zu entwickeln. Sie erzeugt Bildwelten, die sich nicht verschwenden an die Motive und an die grenzenlose Unterhaltung, sondern die radikal das Medium selbst befragen. Eißfeldt schreibt dazu: „Die Fotografie metallisiert den Moment, mineralisiert das Licht. Sie stoppt die hysterische Beschleunigung der Bildproduktion, die sie selbst betrieben hat, und geht über zu langen, langsamen Bildprozessen: Die Fotografie ist eine Kunst der drei Kammern und drei Körper, ein prinzipiell mehrstufiger Prozess. Sie lädt die Bilder auf, verdichtet sie; sie schert sich nicht um Gestaltung, die führte nur dazu, Hohlheit und Leere zugleich zu produzieren und zu verbergen.“
In ihrer Arbeit Portrait, 1990 zeigt sie jeweils eine Serie mit geschlossenen und eine mit geöffneten Augen. Dabei wurde jedes Foto dreifach belichtet. Diese Schichtungen schaffen eine starke Präsenz des Antlitzes, das dann aber wieder in der Dunkelheit sich aufzulösen scheint: Anonyme Portraits, die an Ikonen erinnern.
Immer wieder nutzt Dörte Eißfeldt Methoden des Bildschaffens, die konventionell als Fehler, ja als ultimative Katastrophe beim Fotografieren gesehen würden. So öffnete sie für ihre Serie Eißherbst das Kameragehäuse bei vollem Licht, so dass ihre farbigen Herbstlandschaften mit eigenwilligen Farbschleiern überzogen wurden. Damit bezieht sie wie die Dadaisten den Zufall mit in den kreativen Prozess ein.

 

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Thomas Anschütz

 

Thomas Anschütz entwickelt schon seit fast 30 Jahren immer wieder neue Techniken, seine subjektive Sicht auf die Welt in vieldeutige Bilder zu transformieren.
Bilder ganz unterschiedlicher Herkunft, aus verschiedenen Zeiten, mit diversen Techniken geschaffen, überlagern sich zu visuellen Gebilden, die eine hohe assoziative Kraft entwickeln. Es entsteht ein komplexes Spiel von Abstraktion und Wiedererkennung. In einem Moment fühlt man sich durch die kunstvolle Schichtung von Grauwerten, durch die Muster, die durch die Mischung der Bild“wellen“ generiert werden, in eine reine Traumwelt versetzt und dann wachen wir wieder auf und sehen ganz konkrete Bezüge zu unserer Umwelt, in der wir leben. Dieser Wechsel in den Wahrnehmungsebenen sensibilisiert den Betrachter und stimuliert seine Fantasie.
Es werden ihm keine fertigen Wahrheiten geliefert. Die irritierenden Bilder erfordern einen bewussten Prozess des Sehens.

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Sabine Schründer

 

Sabine Schründer zeigt In ihrer Arbeit intrude (into) Instrumente des Sicherheitskonstrukts, Apparaturen der Kontrolle und Spuren der Durchdringung, die in ihrer Losgelöstheit etwas Bedrohliches bekommen. Sie spielt wie Thomas Anschütz mit der Irritation des Betrachters, ist dabei aber konkreter interessiert an der Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftlichen Strukturen. Sie eliminiert Orientierungspunkte, verfremdet Situationen, und schält Gegenstände aus ihrer natürlichen Umgebung heraus. Die einzelnen Bilder leben von einer Klarheit und die fotografischen Motive werden häufig digital oder grafisch überarbeitet. Die Vielschichtigkeit ihrer Arbeit entsteht durch die Installation der Bilder im Raum. Hier entsteht das Labyrinth, in das wir gelockt werden, in dem Assoziationen von Bedrohung und Gefahr ausgelöst werden, die sich bei genauer Betrachtung des Abgebildeten als Täuschung entpuppen.
Wie auch Dörte Eißfeldt und Thomas Anschütz macht Sabine Schründer hiermit deutlich, dass jede fotografische Arbeit eine Konstruktion von Wirklichkeit ist. Vom Anspruch der Fotografie befreit, Abbildungen zu schaffen, die eine eindeutige Interpretation des Wahrgenommenen liefern sollen, geben uns ihre Bilder die Freiheit, unsere eigenen Wahrnehmungsmuster begreifen zu lernen.

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Portraits mit Kopfbedeckungen

Wolfgang Gscheidle

25.4. - 31.7.2009

Eröffnung: Samstag, 25.4.2009, 19.00 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Manfred Schmalriede

Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr. Sa. 7.30-14.00 Uhr

 

 

Seit 20 Jahren fotografiert sich Wolfgang Gscheidle in erfrischend selbstironischer Form mit unterschiedlichsten Kopfbedeckungen. Bei den Inszenierungen seiner Bilder konzentriert sich Gscheidle auf Kopf und Oberkörper und nutzt speziell ein sehr artifizielles Licht um die Wirkung der Kopfbedeckungen hervorzuheben. Diese sind manchmal sehr opulent, fast barock, und dann wieder äußerst sparsam mit einem Humor, der an Karl Valentin erinnert. Meist sind es auch Objekte, die aus ihrer normalen Funktion herausgenommen werden und deshalb eine assoziative Kraft entwickeln. Gerade die Kombination aus der völligen Künstlichkeit der Inszenierung und der Alltäglichkeit der Objekte schafft eine Wahrnehmungsebene zwischen Distanz und Nähe, die uns über unsere täglichen Rollenspiele nachdenken lassen.

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Jahrestagung der DFA 2008

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 25. bis 27. April 2008 statt.

Der Themenschwerpunkt der Ausstellungen in diesem Jahr liegt auf der Portraitfotografie.
Drei aktuelle zeitgenössische Positionen mit Arbeiten von Katharina Bosse, Wiebke Leister und Sike Helmerdig werden in der Galerie Altes Rathaus Musberg gezeigt.

 

 


 

 

 

 

 

 


Wiebke Leister, Through Gritted Teeth (jayne)

 

Mit Fotografien von Fee Schlapper und Kurt Julius werden in der Burg galerie coiffeur Schätze aus dem Archiv der Deutschen Fotografischen Akademie vorgestellt


 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Kurt Julius, Hansi Müller-Schorp

 

 

Das Schauspiel des Authentischen

Katharina Bosse, Wiebke Leister und Silke Helmerdig

26.4.– 1.6.2008

Eröffnung: Samstag, 26.4.2008, 17 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn

Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 16-18, So. 11-13 Uhr

 

Katharina Bosse

 

Katharina Bosse bevorzugt leibliche Signale, die Körpersprache eines prall-sinnlichen Glamours, der in bestimmten Posen, Figuren und zeitlosen Moden der 40er Jahre den schwelgerischen Ausdruckswert erotischen Selbstbewusstseins als Inszenierung von Freiheit und Unabhängigkeit vertritt. Als Eye Catcher und Pin Up mitten im allzu normalen Leben, immer auch mit einem Schuss Distanz und Ironie..

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Wiebke Leister

 

Wiebke Leister liefert ein Wechselspiel der Bilder zwischen Maskierung und Desmaskierung – in enger Kooperation mit ihrer Freundin, die zugleich Vertraute und Schauspielerin ist. Es entsteht eine Serie unterschiedlichster, vom Dramatischen bis ins Lyrische ausgefeilten Expressionen, die einer realen Person, und ihren verschiedenen alltäglichen Zuständen, aber auch diversen fiktiven Figuren zugeordnet werden können.

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Silke Helmerdig

 

Silke Helmerdig setzt
sich mit den medialen Möglichkeiten von Nähe und Distanz im Kontext eines fotografischen Selbstporträts auseinander. Eine Aufnahme in Schwarzweiß, die das Gesicht der Fotografin darstellt und gleichsam „ausweist“, wirkt in identischer Wiederholung zunehmend statisch, wie ein aus dem Kontext gerissenes Passphoto....
Die Wiederholung macht das Bild zur Marke – zum Medienprodukt, zum Artefakt und Konstrukt. Über das Bild wird eine Schrift-Ebene eingeblendet, die in zahlreichen Varianten verschiedene Zitate aus Vilém Flussers Traktat „Jude sein“ anführt.


Die Statements zu den Arbeiten von Katharina Bosse, Wiebke Leister und Silke Helmerdig sind einem Text von Peter V. Brinkemper im Bulletin Nr. 24 der Deutschen Fotografischen Akademie entnommen, das zur Tagung 2008 erscheint

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Potraits aus dem Archiv der DFA

Fee Schlapper und Kurt Julius

26.4. – 28.6.2008

Eröffnung: Samstag, 26.4.2008, 19 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede

Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4, 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr, Sa. 7.30-14 Uhr



Fee Schlapper

 

 

 

 

 

 





Elvis N., geb. 1971, Fotografien 1974 und 1984, aus der Serie Gegenüberstellungen Portäts über die Zeit 1960-1984

 

Kurt Julius

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurt Julius, Porträt Peter Keetman, 1981

 

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Jahrestagung der DFA 2007

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 19 bis 22. Juli 2007 statt.

Sie ist in diesem Jahr eingebettet in das Fotoprojekt der KulturRegion Stuttgart mit dem Titel: „...Und grüßen Sie mir die Welt“ - Fotografierte Heimaten
Vom 24. Juni bis 23. September 2007 zeigen die Mitgliedsstädte der KulturRegion Stuttgart, die 7. Internationale Foto-Triennale Esslingen am Neckar, der Fotosommer Stuttgart und die Deutsche Fotografische Akademie in Leinfelden-Echterdingen Positionen aktueller künstlerischer Fotografie zum Thema “Heimat und Identität”.

 

 


 

 

 

 

 

 


Andreas Herzau, Deutsch Land

 

„Ist Heimat die Antithese zum globalen Tourismus? Um Heimat zu erleben, ist emotionale Identifikation gefragt, geht es doch darum, vergangene Erfahrungen zu aktualisieren. Doch wer nie für längere Zeit seine Heimat verlassen hat, wird sie kaum wahrnehmen. Distanz zu halten, scheint Voraussetzung für ihre Entdeckung zu sein. Die vagen Vorstellungen über Heimat werden unter verschiedenen Bedingungen an unterschiedlichsten Orten konkret.“
Prof. Manfred Schmalriede, Präsident der DFA

An sechs Ausstellungsorten werden sehr unterschiedliche subjektive Annäherungen an diesen so vieldeutigen Begriff der Heimat vorgestellt. Mit geschichtlichem Ballast belegt und durch kitschige Visionen einer heilen Welt verklebt, hat er in Zeiten einer globalisierten Welt wieder eine ganz neue Bedeutung bekommen.


 

“... und grüßen Sie mir die Welt“
fotografierte Heimaten

Peter Bialobrzeski, Jörn Vanhöfen und Andreas Weinand

19.7.– 2.9.2007

Eröffnung: Donnerstag, 19.7.2007, 19 Uhr
Begrüßung: Roland Klenk, Oberbürgermeister Stadt
Leinfelden-Echterdingen und Prof. Georg Fundel,
Geschäftsführer Flughafen Stuttgart GmbH.
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Ab 19.30 Uhr spielt die Brenzband

Flughafen Stuttgart, Terminal 3, Ebene 5

Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet

 

 

 


 

Peter Bialobrzeski

 

Immer bin ich in den Süden gefahren. Später habe ich den Südosten fotografiert, Indien, Nepal, Birma, Thailand und dann die Megastädte der asiatischen Tigerstaaten. Dort traute ich mich, meiner Faszination Ausdruck zu verleihen, ja, auch Dinge schön zu finden. Gleichzeitig entwickelte sich zu Hause eine deutsche Fotografie, die Garagentore, Pappkartons und bleiche picklige Jungmanager in scheinbar kritischer Distanz aufzeichnete. Diese Bilder gaben vor, dokumentarisch zu sein, zu objektivieren. Ihren Fürsprechern war jede Emotionalität suspekt, jede Assoziation von Schönheit war Verrat an der angeblich so neuen deutschen Fotografie...
Ich wollte mein Verhältnis zu meinem Deutschlandbild klären, zu einem Land, das für mich emotional und kulturell prägend ist, also Heimat.

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Jörn Vanhöfen

 

Die Elbe „Kein anderer Fluss symbolisiert deutsche Geschichte beziehungsweise die Geschichte der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn einprägsamer als die Elbe. Ein Gebiet von landschaftlicher Schönheit, die doch eine verwundete, vom Menschen und seiner Industrie gefährdeten Schönheit ist; ein Grenzfluss, an dem Ost- und Westeuropa und ihre verschiedenen politischen Entwicklungen sich berühren...“
(Die Elbe, Leipzig 2000)
Jörn Vanhöfen lenkt unsere Aufmerksamkeit auf unattraktive Orte. Es sind Orte, die wir auf Reisen gerne übersehen. Und dennoch sind es Orte, an denen Menschen leben und arbeiten: Orte und Momente ihrer Konstruktion von Identität.

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Andreas Weinand

 

Seit Jahren ist die Suche des Menschen nach Identität und deren Ausdruck wichtiger Bestandteil meiner Fotografie. Innerhalb dieses Spannungsfeldes befasse ich mich schwerpunktmäßig mit der Darstellung der Menschen in ihren Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt. Der Zyklus acker*arable reflektiert das Verhältnis des Menschen zur Natur. Es ist eine ermutigende Auseinandersetzung mit dem Alter und versinnbildlicht einen organischen Lebens- und Arbeitsprozess, der durch den Rhythmus der Jahreszeiten strukturiert wird. Die Bilder sind in den Jahren 1999-2004 auf einem Demeter-Gemüsebetrieb im Ruhrgebiet entstanden.

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Sehnsucht und Vertrautheit

Wolfgang Bellwinkel, Wiebke Loeper und Andreas Mader

21.7. – 26.8.2007

Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 17 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn

Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 16-18, So. 11-13 Uhr


In einer globalisierten Welt bekommt der Wunsch nach Identität stiftender Einbindung in eine vertraute Umgebung wieder ein neues Gewicht. Wir können in fast alle Länder dieser Erde zu einem Spottpreis fliegen und werden permanent mit News aus den letzten Ecken dieses Planeten beliefert. In unserer Vorstellung könnten wir uns eigentlich schon auf der ganzen Welt heimisch fühlen, da wir das Bild von ihr ununterbrochen in allen Medien konsumieren. Susan Sontag schrieb aber schon in ihren frühen kritischen Texten zur Fotografie darüber, dass diese Bilder eher den Blick auf die Welt verstellen, da sie keine Zusammenhänge zeigen, sondern eher ein Rauschen erzeugen, das unsere Wahrnehmungsfähigkeit vernebelt.
Die fotografischen Positionen dieser Ausstellung „Sehnsucht und Vertrautheit“ schärfen dagegen unser Verständnis davon, wie sehr der Mensch von seinem persönlichen, vertrauten Umfeld geprägt ist, wie auch seine Sehnsüchte und Wunschvorstellungen davon bestimmt sind

 

Wolfgang Bellwinkel

 

Wolfgang Bellwinkel,
als permanent Reisender zwischen den Kontinenten Asien und Europa, ein typischer Weltbürger eines zusammenrückenden Globus, geht mit seiner Serie Heimat II auf die Suche nach dem Idyll in der deutschen Provinz. Die intensive Erfahrung einer anderen Kultur ermöglicht ihm dabei erst den Blick auf dieses schwer zu fassende Thema, das voller Klischeefallen steckt. Der distanzierte Blick macht es möglich. Seine Fotografien befassen sich mit den Lebensentwürfen und Sehnsüchten moderner Menschen, die der Stadt entfliehen und auf dem Land ihr Glück suchen.

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Wiebke Loeper

 

Wiebke Loeper zeigt mit ihrem Ausstellungs- und Buchprojekt Hello from Bloomer. Viele Grüße aus Wismar, wie sehr die frühen Prägungen eines Menschen ihren Ausdruck auch in einer völlig neuen Umgebung behalten.
Sie beschreibt die Lebenswege ihres Großvaters Willi und dessen Cousin mit gleichem Namen. Beide wuchsen in Pommern auf und lernten den Beruf des Fleischers. Durch den Krieg getrennt, ließ sich der eine in den USA, der andere in der späteren DDR nieder. Mit einer Kombination von gesammeltem Bildmaterial aus den Familienalben und eigenen Fotografien schafft sie eine sehr subtile Dokumentation der verschiedenen Biografien, die überraschende Parallelen besonders in der Gestaltung des eigenen Lebensraumes offen legt.

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Andreas Mader

 

Andreas Mader macht in seiner Arbeit Die Tage Das Leben deutlich, dass es die privaten Beziehungen sind, die für ihn das Empfinden von Vertrautheit erst ermöglichen. Über einen langen Zeitraum hinweg fotografierte er unprätentiöse und unsentimentale aber gleichzeitig intime Porträts von Menschen aus seinem Freundeskreis. Als er 1988 mit dieser Arbeit anfing, waren es noch situative Bilder von gemeinsamen Erlebnissen, die für ihn den stärksten Ausdruck einer authentischen Wahrnehmung darstellten. In einem langen Arbeitsprozess entwickelte er für sich dann einen ganz eigenen Portraitstil, der sich der Inszenierung der Aufnahmesituation mit der Großbildkamera sehr bewusst ist, dabei aber den Personen genügend Raum lässt, etwas von sich zu erzählen. Die Klarheit und Intensität der Fotografien entrückt die Bilder ihrer rein privaten Sphäre und lässt beim Betrachter Erinnerungen an eigene und universelle Lebenserfahrungen aufkommen.

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Deutsch Land

Andreas Herzau

22.6. – 2.9.2007

Eröffnung: Freitag, 22.6.2007, 20 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Andreas Herzau

Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4, 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr, Sa. 7.30-14 Uhr



 

Dieses Projekt ist eine Bilderreise, eine subjektive Bestandsaufnahme über Deutschland 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und gut 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Andreas Herzaus Plan war es, keinen Plan zu haben, keiner „Story“, keinem Plot zu folgen. Bei dieser Arbeit ging es ihm darum, Bilder und Geschichten zu finden, statt diese zu suchen und sich die Freiheit zu nehmen, kleine Dinge zu entdecken, die durchaus die Kraft haben, vom großen Ganzen zu erzählen. Es werden die flüchtigen Dinge und Eindrücke festgehalten, die viel über die Stimmung in Deutschland erzählen können und vor denen letztlich die Sprache versagt. Seine Arbeitsweise ist ein Vagabundieren und Flanieren im Visuellen: subjektive Skizzen und Notizen, kleine Ausschnitte des deutschen Alltags und der deutschen Kultur. Anknüpfend an seine früheren Arbeiten über New York (2000 – 2002) oder die Durchquerung des indischen Subkontinents (2004) schneidet er diese fotografischen Eindrücke assoziativ an- und gegeneinander. So entstehen einzelne Kurzgeschichten und gefühlvolle Einblicke in die heutige deutsche Normalität.

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heimat.de

Emanuel Raab

21.7. – 17.8.2007

Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 18 Uhr
Begrüßung: BM Alexander Ludwig

Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Mo. Di. Do. 14-17 Uhr Mi. 14-18 Uhr,
telefonische Voranmeldung erbeten (0711 / 997 54 09)



 

Heimat – was ist das? Welche Rolle spielt der Ort, an dem wir leben, an dem wir Zuhause sind? Wie gestalten, wie empfinden wir diese Orte in einer Zeit, in der die Authentizität von Lebensräumen immer stärker einem weltumspannenden Einheitsgesicht mit Lokalkolorit weicht?
Vor dem Hintergrund zunehmender Verflüchtigung der Orte beschreibt das Projekt die Suche nach einem emotionalen Raum, der Identität, Geborgenheit, Sicherheit und Vertrautheit schafft. Es geht darum, Heimat nicht nur als topografischen, sondern auch als metaphysischen Raum visuell zu erkunden, der da beginnt, wo das Denken aufhört. Gestalterisch und inhaltlich sehr unterschiedliche Bildlösungen dokumentieren und reflektieren heutige Lebensräume, die durch wachsende Urbanisierung, das Zusammentreffen verschiedener Ethnien und gleichzeitig dem individuellen Wunsch, Privatheit und Zugehörigkeit zu schaffen, gekennzeichnet sind.

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Ansichten aus Leinfelden-Echterdingen

Die arge lola (Kai Loges und Andreas Langen),
und der Fotoclub Leinfelden-Echterdingen

20.7. – 02.9.2007

Eröffnung: Feitag, 20.7.2007, 20 Uhr
Begrüßung: BM Alexander Ludwig
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede

Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen
Hauptstraße 79, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: So. 10.30-12.30 Uhr und 14.30-17.30 Uhr



 

Kai Loges (*1954) und
Andreas Langen
(*1964) lernten sich beim gemeinsamen Fotografie-Studium Mitte der 80er Jahre in Bielefeld kennen. Sie arbeiten zusammen unter dem Namen die arge lola mit Firmensitz in Stuttgart. Ihre Auftragsarbeiten, die vorwiegend im Bereich von Industrie, Arbeitsprozessen, Porträt und Sachdarstellung liegen, inspirieren häufig auch ihre freien Bildserien.
Dies gilt auch für die Aufnahmen aus Leinfelden-Echterdingen. Eigens für die Ausstellung der Kulturregion entstand ihre Bildserie, die sich mit visuellen und sonstigen Peripherien befasst - neue Blicke auf die unbemerkten Ränder eines Ortes.

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secret gardens

Sophie Schmalriede

21.7. – 2.9.2007

Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 10 Uhr
Begrüßung: Fried Peter Bourseaux
Einführung: Dr. Eva Mahn

vhs Leinfelden-Echterdingen
Neuer Markt 1, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-12 Uhr und 19-22 Uhr



 

Es gibt etwas, das der Mensch von klein auf mit sich herumträgt. Auch dann noch, wenn er entwurzelt ist. Und das ist seine Herkunft. Sie ist ein Mosaiksteinchen unserer Identität, ein Rädchen in unserer Persönlichkeit. Sie ist stets in uns, wo immer wir sind. Die Düsseldorfer Fotografin Sophie Schmalriede hat dieses Stückchen, das in uns allen verborgen ist, sichtbar gemacht. In ihrer Serie secret gardens ist sie mit befreundeten Männern und Frauen an die Orte ihrer Kindheit zurückgekehrt.

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Jahrestagung der DFA 2006

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 28. – 30. April 2006 statt.
Austragungsort wird auch in diesem Jahr wieder die Zehntscheuer in Echterdingen sein.
Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.

Mit den Ausstellungen zur Jahrestagung greifen wir das Thema
„Kommen und Gehen
“ auf, das die Kulturregion Stuttgart für das
Jahr 2006 an verschiedenen Orten realisiert.
Industrialisierung und prosperierende Wirtschaft haben eine große Fluktuation und Internationalität unter den Menschen zur Folge. Doch dieser Internationalität und Mobilität steht eine überraschend stark ausgeprägte Verbundenheit mit der Heimat gegenüber. Die allgemeinen Aspekte dieser Thematik in unterschiedlichen Interpretationen sollen Gegenstand unserer Ausstellungen sein.

 

 




 

 


 

 

 

 


 



Eva Mahn, Maasdam im Hafen



Kommen und Gehen

Jörg Boström, Kai-Olaf Hesse, David Klammer,
Bertram Kober, Eva Mahn, Ulrich Mertens,
Luzia Simons, Wolfgang Zurborn

30.4. – 21.5.2006

Eröffnung: Freitag, 28.4.2006, 20 Uhr
Begrüßung: Erster Bürgermeister Ignac Vamos
Einführung: Dr. Eva Mahn

Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen
Hauptstr. 79
70771 LE-Echterdingen
Öffnungszeiten: So 10.30 – 12.30 Uhr und 14.30 – 17.30 Uhr




Kommen, Ankommen, zur Ruhe kommen, zu sich kommen, auskommen, zurechtkommen, das klingt nach Sicherheit, Zufriedenheit, Stabilität, Heimat, Familie und Tradition. Heimat ist der Ort und die Landschaft unserer Kindheit, das Vertraute, das Trauliche, Gemütliche („trautes Heim, Glück allein“), die Zeit der Geborgenheit in der Familie, die aber auch eine Zeit der Unmündigkeit war.

„Damit etwas kommt, muss etwas gehen. Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht. Die erste Erscheinung des Neuen ist der Schrecken“, schrieb Heiner Müller.

Gehen, das ist Verlassen, Verlieren, manchmal auch Flucht und deshalb immer mit Angst besetzt. Gehen ist aber auch Veränderung, Neuanfang, Erwartung, Neugier, Hoffnung, Mut und Zuversicht, Loslassen, um die Hände freizubekommen, alles hinter sich lassen, um Neues aufzubauen, Türen zuschlagen, um neue – zu öffnen, das Risiko eingehen, viel oder alles zu verlieren, den Partner, die Arbeit, den Besitz und sogar die Heimat.

Aus dem Text zur Ausstellung von Eva Mahn im Bulletin der DFA

 

Luzia Simons

 

Die eigene Identität im Zustand der Mobilität behandelt Luzia Simons in ihrer 32-teiligen Installation Transit in ganz unmittelbarer Form. Sie thematisiert ihren Pass und da ein Pass in den Ländern Europas, in denen die Künstlerin lebte, seit 1987, der neuen EU-Pass-Einführung, so viele Seiten hat, bezieht sich jede einzelne auf eine Seite des staatsbürgerlichen Dokuments. Für den Kontext der Installation „Transit“ hat die Künstlerin die Sicherheitsstrukturen des sogenannten Identigrams im Pass im Ausschnittfragment gescannt und daraufhin vergrössert. Die einzelnen Elemente hat sie dann am Computer zu einer Patchwork-Collage frappanter Ornamentdetails mit fragmentierten Teilen ihres Gesichts verflochten. Somit entstehen Selbstportraits, die die Eigenständigkeit eines Menschen verkörpern, der nicht mehr fest an einen Ort gebunden ist.

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Eva Mahn

 

Eva Mahn befasst sich in ihrer Serie Traumschiff mit den Mythen von Freiheit und Abenteuer bei einer Reise mit einem riesigen Ozeandampfer. Ein Plakat der Zwanzigerjahre mit der Maasdam III, einem Schiff der „Holland-Amerika-Lijn“, lockte sie schon lange, eine Seefahrt zu machen und so landete sie schließlich auf der Maasdam V, die in der Karibik, vor Kanada und Neuengland kreuzt.
„Die Reise auf dem Schiff übertraf meine kühnsten Erwartungen: Ich war in einen modernen Sklavenhalterstaat geraten und die Sklaven waren Philippiner und Balinesen. Auf 1.260 Passagiere kamen 560 Crew-Mitglieder. Jeder noch so absurde Wunsch wurde den Gästen erfüllt. 50 Dining Room Stewards und 25 Assistent Stewards arbeiteten in zwei Durchgängen im Speisesaal, drei Stewards für jeden Tisch.“ Ihre Bilder erzählen von ihren ambivalenten Gefühlen, von der Faszination des Reisens in ferne Länder, die sich mischt mit der Abscheu vor dem dekadenten Leben auf dem Schiff.

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Kai-Olaf Hesse

 

In der Arbeit von Kai Olaf Hesse wird der Aspekt des „Kommen und Gehens“ in einen komplexen historischen Kontext gestellt. In seinem fotografischen Projekt über die ehemalige Bergbau- und Schwerindustriestadt Ostrava in Tschechien stellt Hesse diesen Ort als Sinnbild europäischer Prozesse nach 1989 dar. Diese Stadt erlebt nach dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem Niedergang der Schwerindustrie gegenwärtig einen dramatischen Wandel. War ihre Identität zuvor tief in einem sozialistischen Realismus verankert, weicht dieser einer globalisierten Formensprache, den Corporate Idendities der Konzerne, Handels-, Hotel- und Fastfoodketten.
Dies geschieht nicht ohne dramatische Auswirkungen auf das Leben der Bewohner der Stadt. Und es geschieht – auch unter dem ökonomischen Druck hoher Arbeitslosigkeit – radikaler und schneller, als es in vergleichbaren westlichen Städten der Fall war und ist.

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David Klammer

 

Die Protagonisten der Bildserie untitled von David Klammer bewegen sich in den Straßen dieser westlichen Ballungszentren, die wie ein seltsam somnambules und anonymisiertes Umfeld wirken. In den Bildern wird der öffentliche Raum zur theatralischen Schaubühne von Eitelkeiten und Kurzgeschichten. Es sind Schnappschüsse, die durch ihre Lichtinszenierung die Selbstinszenierung deutlich machen. Gestik und Habitus der von Klammer fotografierten Menschen werden als einstudierte und oft geübte Kopien von Idealismen einer Gesellschaft entlarvt, welche die industrielle Individualisierung als erstrebenswerten Maßstab ansieht. Klammer löst die Menschen mit seiner Blitztechnik aus dem Kontext der realen Szenerie heraus und macht das „Kommen und Gehen“ als Ritual ohne konkretes Ziel zum Thema seiner Serie.

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Jörg Boström

 

Mit dem Strom der Menschen in den Straßen beschäftigt sich auch Jörg Boström. In seinen Fotografien gibt es aber keinen Blitz, der die Szenerie erhellt. Die Menschen werden nicht zu den Hauptdarstellern der eingefrorenen Momente. Boström ist an den ganz elementaren Wirkungen der Schwarz/Weiß-Fotografie interessiert, an der Darstellung von Licht und Schatten und einer daraus resultierenden Abstraktion, die viel Raum für die Phantasie des Betrachters lässt. Schattenspiele auf Asphalt und Pflastersteinen erzählen in sehr reduzierter Form von der Choreografie der alltäglichen Bewegungen im öffentlichen Raum.

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Ulrich Mertens

 

Auf sehr symbolische Art und Weise behandelt Ulrich Mertens das Thema der Ausstellung. Er möchte mit seinem Beitrag darauf aufmerksam machen, dass jedes Kommen auch ein Gehen, jedes Ankommen auch einen Abschied beinhaltet. Ihm geht es um die Frage der Perspektive, die unmittelbar mit diesem Sujet verbunden ist. Mit dem Medium "Fotografie" lassen sich besonders gut unterschiedliche Standorte einnehmen, die neue Sichtweisen auf das Thema ermöglichen. Fußspuren im Schnee, aufgenommen auf einem zugefrorenen See, einem scheinbar statischen Ort zwischen Zufluss und Abfluss, versinnbildlichen das Kommen und Gehen als immer wiederkehrenden Prozess.

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Bertram Kober

 

In menschenleeren Landschaften findet auch Bertram Kober seine Motive. Seine Sicht auf die Dinge ist dagegen wesentlich sachlicher. Er interessiert sich für Hochsitze, ihre Unterschiedlichkeit und ihre Ausstrahlungen, die sowohl Stärke wie auch Brüchigkeit vermitteln. Die genau kalkulierte Auswahl der Bildausschnitte und das gleichartige Licht während der Aufnahmen ermöglichen es dem Betrachter, in einer vergleichenden Wahrnehmung die unterschiedliche Architektur dieser oft kurios anmutenden, selbstgebauten Beobachtungstürme zu studieren. Es macht sich aber auch bedrohlich wirkende Ungemütlichkeit breit, da man vergeblich nach den Spuren des Wildes sucht und sich schließlich selbst an dessen Platz gestellt fühlt. Das „Kommen und Gehen“ mit all seinen ambivalenten Empfindungen entsteht bei diesen Bildern komplett in der Imagination des Betrachters.

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Wolfgang Zurborn

 

In den Fotografien von Wolfgang Zurborn lösen sich die realen Orte unserer urbanen Umwelt immer mehr auf in einer Collage von Zeichen, architektonischen Details und Körperfragmenten. Er lässt sich ein auf eine Drift im Fluss der uns täglich umgebenden Reize und konstruiert mit dem Zusammenspiel der Bilder ein komplexes Netz von Assoziationen, die den Betrachter sensibilisiert für subtile Veränderungen von Wahrnehmungszuständen. Lebenswelten und mediale Welten sind in seinen Fotografien kaum mehr zu unterscheiden und so interpretiert er das „Kommen und Gehen“ nicht mehr in Hinsicht auf einen konkreten Ort, sondern vielmehr in der Sehnsucht des zeitgenössischen Menschen im Meer der Zeichen und Bilder einzutauchen.

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Zwischen Obsession und Konstruktion
Dimensionen inszenierter Identität

Ingo Taubhorn, Sibylle Fendt,
Simone Demandt, Delia Keller

30.4. – 28.5.2006

Eröffnung: Samstag, 29.4.2006, 17.00 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn


Galerie Altes Rathaus Musberg

Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 10.00 – 18.00 Uhr, So 11.00 – 13.00 Uhr

Die Ausstellung Zwischen Obsession und Konstruktion - Dimensionen inszenierter Identität führt sehr unterschiedliche Ansätze von Konstruktionen der eigenen Identität zusammen. Die Rolle der Fotografie in diesem Zusammenhang reicht vom Glauben an das Authentische, über die Inszenierung und die installative Kontextualisierung bis hin zur modellhaften Stilisierung. Gerade das Aufeinanderstoßen dieser so divergierenden künstlerischen Strategien ermöglicht es den Betrachtern, sich auf die unterschiedlichen Verfahren und Dimensionen, Ansprüche und Verstiegenheiten eigener und fremder Lebensentwürfe einzulassen.

 

Ingo Taubhorn

 

Mit seiner Arbeit VaterMutterIch macht Ingo Taubhorn deutlich, welch wesentlichen Faktor in seiner Persönlichkeitsbildung die prägende Macht der Kindheit darstellt. Er fotografiert die eigene Familie, die biologische Familie, der er entwachsen ist und findet in seinen Eltern bereitwillige Akteure in diesen aus dem alltäglichen Leben herausgegriffenen Inszenierungen des Privaten. In seiner Fotoinstallation kontrastiert er diese Einblicke in kleinstädtisches Leben mit Bildern von seinem schwulen Freundeskreis in Berlin, seiner Wahlfamilie. Gerade in der Gegenüberstellung dieser sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe, werden aber auch sehr ähnliche alltägliche Riten sichtbar.

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Sibylle Fendt

 

Sibylle Fendts fotografische Haltung geht über einen privaten Ansatz hinaus. Sie richtet ihren Blick nicht auf Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld. Die Protagonisten verschiedener Serien der letzten Jahre verbindet das Leiden an psychosomatischen Krankheiten. Durch eine sehr intensive Zusammenarbeit mit den Fotografierten erarbeitet Fendt sich eine Vertrauensebene, die Portraits von spürbarer emotionaler Nähe ermöglicht und zugleich der je besonderen Befindlichkeit der Portraitierten Ausdruck verleiht, aber auch die verschobene Wahrnehmung der realen gesellschaftlichen Zusammenhänge dokumentiert. Die Serie Ana mit Fotografien von jungen Frauen, die an Magersucht leiden, entstand in zwei psychosomatischen Kliniken in Deutschland.

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Simone Demandt

 

In ihrem Fotoprojekt Blamage befasst sich Simone Demandt mit einem Ort, in dem Euphorie und Peinlichkeit gleichermaßen zuhause sind: der Schulturnhalle. Ihre Arbeit basiert auf Texten ihrer Freunde, die angefüllt sind mit Erinnerungen an diesen Raum voller kollektiver körperlicher Grenzerfahrungen. Diese erzählen von Schönheit und Eleganz, aber auch von Hässlichkeit und Ungeschicklichkeit.
Auch wenn ihre Bilder die Anmutung von Dokumentarfotografie haben, glaubt sie nicht an den rein abbildenden Charakter der Fotografie. Im installativen Zusammenhang mit Objekten und Texten werden existentielle Fragen evoziert, die über das unmittelbar Sichtbare hinausgehen.

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Delia Keller

 

Die Serie La Dame en Blue von Delia Keller wirkt geheimnisvoll. Wie in einem Tagtraum wandelt eine junge Frau in blauem Kleid durch räumliche Szenarien, zwischen Architektur und natürlichen Formationen. Der Gang der Protagonistin bleibt ambivalent und ergibt für den Betrachter keinen eindeutig nachvollziehbaren narrativen Zusammenhang. Dargestellt von der Fotografin selbst, lockt die Figur trotz ihrer gestischen Statik den Betrachter in den Sog eines quasi filmischen Zusammenspiels der acht Motive. Die ausgeklügelte Inszenierung jeder einzelnen Aufnahme friert die visuelle Dynamik des Einzelbildes und die Bewegung in der Abfolge ein. Delia Kellers Arbeit verweist in ihrer abstrahierenden Dimension auf das Unsichtbare, das vielleicht Inexistente, das die Dame in Blau auf den Spuren von Jean Cocteau gleichwohl heroisch verfolgt.

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Märchen

Ute Behrend

29.4. – 30.6.2006

Eröffnung: Samstag, 29.4.2006, 19.00 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Wolfgang Zurborn

Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di – Fr 8.00 – 18.00 Uhr, Sa 7.30 - 14.00 Uhr Mo geschlossen

 

 

Ute Behrend stellt Bildpaare vor, die auf die kindliche Phantasiewelt verweisen, an geträumte und erinnerte Szenerien aus allseits bekannten Märchen anknüpfen. Die fragmentierten Aufnahmen verstärken den Aspekt von Unglück und Verlorenheit, der in den Märchenszenerien vorherrscht: Reminiszenzen an keineswegs idyllische Verhältnisse und kindliche Erlebnisse, die retrospektiv zumeist von Erinnerungen an familiäre Behausungen und Geborgenheit überdeckt werden.
Sie spürt Orte und Zeichen auf, sucht Signale und scheinbare Zufälligkeiten. Jede Arbeit besteht aus zwei gleichformatigen Bildern. Das Bildmaterial ist assoziativ und dokumentarisch zugleich. Durch die präzise ausgewählten und dialogisch festgelegten Bildpaare gerät Behrend zu einer Spurenlegerin, deren fiktive Erzählweise zum Schlüssel für die Vorstellungskraft des Betrachters wird.

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In der Reihe: Schätze aus dem Archiv
der deutschen Fotografischen Akademie

Türken in Deutschland

Henning Christoph

30.4. – 30.7.06

Eröffnung: 29.4.06, 18.00 Uhr
Begrüßung: OB Roland Klenk / Dr. Bernd Klagholz

Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: So 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Voranmeldung (0711 / 997 54 09)

 

 

Die sozialdokumentarische und journalistische Fotografie spielt in der Deutschen Fotografischen Akademie eine sehr gewichtige Rolle und so hatte sie diese im Jahr 2004 unter dem Titel „Fremde Nähe“ zum Schwerpunkt ihrer Jahrestagung gemacht. In diesem Rahmen hatte die DFA schon Fotografien von Henning Christoph über die traditionellen Riten des Voodoo im Benin gezeigt, einem Thema, dem er sich seit 1993 ausschließlicht widmete.
Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Schätze aus dem DFA-Archiv“ können wir jetzt einen Einblick in sein früheres Schaffen gewinnen. Schwarz/Weiß-Fotografien von türkischen Familien im Ruhrgebiet erzählen mit detailreichen Beschreibungen von ihren religiösen und kulturellen Ritualen in einer fremden Umgebung. Man spürt Christophs tiefes Interesse für die Lebensbedingungen dieser Menschen, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind.

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Jahrestagung der DFA 2005

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 15. – 17. April 2004 statt.
Austragungsort wird auch in diesem Jahr wieder die Zehntscheuer in Echterdingen sein. Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.

 

Preisträger Bernhard Prinz

In diesem Jahr vergibt die DFA die David-Octavius-Hill-Medaille und die
Stadt Leinfelden-Echterdingen ihren mit 5000 Euro dotierten
Kunstpreis an Bernhard Prinz.

Mit Bernhard Prinz hat die Deutsche Fotografische Akademie einen Künstler ausgezeichnet, der konsequent die fiktionalen Aspekte des Mediums auszuloten weiß und damit die künstlerischen Dimensionen der Fotografie erweitert hat.

 

 

 


 

 

 

 



 

 

Bernhard Prinz, Ohne Titel aus BLESSUR, 1996

 

Ausstellung mit Arbeiten von Bernhard Prinz
15.4.–13.5.2005
Eröffnung mit Preisverleihung: Freitag, 15.4.2005, 18 Uhr
Begrüßung: Oberbürgermeister Roland Klenk
Laudatio: Anna-Catharina Gebbers

Öffnungszeiten: Mo -Fr 10-17 Uhr

MHZ Hachtel GmbH,
Sindelfinger Str.21
70771 LE-Musberg

 


 

"SehBad"

Peter Granser, Haubitz + Zoche, Marc Volk, Thomas Zika


16.4. – 29.5.2005
Eröffnung: Samstag, 16.4.2005, 18 Uhr
Einführung: Wolfgang Zurborn

Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 16-18, So 11-13 Uhr

Das verbindende Element der fotografischen Arbeiten in der Ausstellung SehBad ist das Wasser. Es taucht in unterschiedlicher medialer Form auf, als visuelles Rauschen, in dem sich die Mythen der Tourismusindustrie auflösen, wie auch als hyperreale Abbildung, die ein Sprungbecken in einen lichtdurchfluteten Raumkörper transformiert.
Das Auge des Betrachters geht baden und stößt dabei oft an die Grenzen der medialen Wahrnehmung. Dieser Verlust der Orientierung kann als Akt verstanden werden, der dem Zustand des Schwimmers ähnlich ist, der die Kontrolle über seinen Körper aufgibt, um sich in die Fluten zu stürzen. Das Erlebnis des Wassers ist dabei immer zweiseitig konnotiert, als Labsal aber auch als lebensbedrohliches Element, wie es die Flutkatastrophe wieder in unser Bewusstsein rückte.

 

Thomas Zika

 

Für seine Serie "bathers" bearbeitet Thomas Zika Fotos aus Reisekatalogen und Reiseprospekten mit Strandansichten aus aller Welt. Die grellbunten Vorlagen werden von ihm bearbeitet, indem er Ausschnitte von Luftaufnahmen mit offener Blende und geringster Schärfe reproduziert und dabei den Horizont eliminiert. Diese Fotografien werden dann digital bearbeitet bis farblich fast völlig entsättigte Bilder entstehen. Das Medium wird zum Fluidum der Unschärfen, der Wellen und Interferenzen. Sichtbar bleiben nur noch einige menschliche Figuren, die aus ihrem Raum und Zeit-Kontinuum herausgelöst worden sind.
Zika schafft Abstraktionen, die sich von den gängigen Ansichten und Hyperzeichen der Orte, Badestrände und Hotelanlagen völlig abgelöst haben. Partiell in aller Schärfe auftauchendes Druckraster desillusioniert diese Werbewelt, während in den Partien einer rasterlosen Unschärfe die visuellen Elemente übergehen in den Schein einer flüssigen, kontinuierlichen Vision von Meer und Strand.

 

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Peter Granser

 

In ganz anderer Form begegnet Peter Granser den Mythen der Freizeitindustrie. In Coney Island, New Yorks einstiger luxuriöser Flanier- und Amüsiermeile an der Altantikküste, findet er Bilder, die für ihn sinnbildlich für Amerikas Konsumverhalten sind. Eingebunden in Meeresrauschen und Möwengeschrei rattern die hölzernen Achterbahnen und Riesenräder der Vergangenheit, bietet der, insbesondere in den Sommermonaten gnadenlos überfüllte Strand jedem eine einzigartige Freizeit- und Selbstinszenierungs-Plattform. Coney Island ist aufdringlich, schrill und billig, aber sie ist „die Spielwiese der Nation - wer sie nicht gesehen hat, hat nichts vom Land gesehen“ behauptete Reginald Wright Kauffmann bereits 1909.
Granser entwirft ein Bild vom Strandleben, in dem der Betrachter in einem Meer von Zeichen versinkt. Das reale Meer erscheint nur noch als Schaum der Wellen zwischen Coladosen, Melonenstücken und weggeschwemmten Schuhen. Den Menschen auf seinen Bildern scheint jeder Sinn dafür verloren gegangen, die See selbst als eine Attraktion zu verstehen, so sehr sind sie eingetaucht in die Verlockungen von Luna Park und Dreamland.

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Marc Volk

 

Das Chaos der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Handlungsebenen an einem belebten Strand ist das Thema der Arbeit "SameTime/SamePlace" von Marc Volk. Mit dem Medium der Fotografie löst er dieses Chaos auf und wandelt es in ein Nebeneinander um. So können gleichzeitig
getätigte Aufnahmen in eine direkte Beziehung gebracht werden, die ein ruhiges Betrachten ermöglichen. Sehen ist Vergleichen!
Von einem erhöhten Standpunkt fertigt Marc Volk ein Übersichtsfoto von dem Treiben am Strand an, das als Ausgangsmaterial für Ausschnittsvergrößerungen dient. Diese Vergrößerungen zeigen verschiedene einzelne Situationen, die
zwar gleichzeitig stattgefunden haben, aber erst durch die Anordnung in einem Tableau nebeneinander wahrgenommen werden können.
In der Abstraktion der Darstellung, forciert durch eine digitale Bearbeitung, die die Pixel sichtbar werden lässt, sind die Menschen auf den Bildern nicht mehr als Individuen erkenntlich, sie werden zu Bestandteilen eines Musters immer wiederkehrender täglicher Rituale.

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Haubitz + Zoche

 

Mit einem radikalen Perspektivwechsel tauchen wir buchstäblich ein in die Bildwelten des Künstlerduos
Haubitz + Zoche. Die Unterwasserräume der Werkgruppe "Wasserspiegel" vermitteln in ihrer Bewegungslosigkeit eine fast kontemplative Ruhe. Die fotografische Belichtung als Verdichtung von Zeit, die sich im Sammeln von Licht im Blau der unbewegten Wasserräume abbildet, zeigt klare Spiegelungen an der Unterseite der Wasseroberfläche. Die Transformation in lichtdurchflutete Raumkörper erfolgt dabei nicht nur durch die Aufnahmen selbst, sondern wird signifikant durch die Präsentation der Fotos als Leuchtkästen unterstrichen.
Durch die ungewöhnliche Perspektive und das Fehlen jeglichen Lebenszeichens erscheinen die Schwimmbecken nicht in ihrem funktionalen Zusammenhang sondern mutieren zu einer phantastisch anmutenden architektonischen Situation, die dem Betrachter das Erlebnis des Mediums Wasser in sehr ambivalenter Weise ermöglicht. Es wird für uns zu einer Materie, die uns das Gefühl gibt, nach dem Licht greifen zu können und gleichzeitig umhüllt es uns so vollständig, dass wir uns bei aller Weite des Blicks bedrohlich eingeengt fühlen.

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"La Scultura"

Bertram Kober

16.4. – 18.6.2005
Preview: Samstag, 16.4.2005, 19 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Eröffnung: Sonntag, 17.4.2005, 11 Uhr

Galerie Coiffeur Burg
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-14 Uhr, Mo geschlossen

 

 

Was den Touristen wie das Eldorado ihrer Einkaufslüste erscheint, stellt sich in den Augen von Bertram Kober als absurdes Theater dar. Schauplatz sind die überquellenden Schaufenster und Regale der Läden im Grödnertal. Die südtiroler Scultori sind durch ihre Schnitzkunst seit vielen Jahrzehnten in ganz Europa bekannt. Ihre Madonnen, Herrgottfiguren und Heiligen haben Markencharakter. Einzeln erworben, dienen sie der ganz privaten Andacht. Ausgestellt werden sie jedoch als Massenware, häufig über- und nebeneinander. Auch Klimtsche Liebespaare, Putti, Wurzelzwerge und Pinoccios werden untergemischt und erweitern so das käufliche Gemenge.
Über Jahre schon hat Bertram Kober bei seinen Besuchen in den Orten des Tales diese Konstellationen wahr- und aufgenommen. Der Fotograf erweist sich, wie schon in früheren Arbeiten (z.B. "Kulpoche" und "Legitime Aspekte des Alltags") als wacher Beobachter kultureller Verwerfungen. Er erfaßt Schnittstellen zwischen schlichter Realität und tiefer Sehnsucht in wohl formulierten fotografischen Bildern. In ihnen fließen Komponenten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen.

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In der Reihe: Schätze aus dem Archiv
der deutschen Fotografischen Akademie

Deutsche

Stefan Moses


17.4. – 17.7.2005
Eröffnung: Freitag, 15.4.2005, 19.30 Uhr
Begrüßung: Prof. Manfred Schmalriede
Einführung: Dr. Bernd Klagholz

Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: So 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Voranmeldung

 

 

In seinem Porträtzyklus "Deutsche", den Stefan Moses seit 1963 auf Reisen in der Bundesrepublik realisierte, durchbricht er die übliche Fotoästhetik der 60er Jahre und deren Vorstellungen einer tradierten Reportage mit einer konzeptionellen Strategie. Mit einem als Hintergrund aufgespanntem Tuch löst er die abgebildeten Menschen, Deutsche aus allen Gesellschaftsschichten – bekannt ebenso wie unbekannte Zeitgenossen, aus dem alltäglichen Kontext heraus. Man sieht den porträtierten aber an, dass der Fotograf zu ihnen gekommen ist, sie in ihrem Umfeld aufgesucht hat und sie nicht in sein Studio bestellt hat. Ihr Lebensraum ist zwar nicht sichtbar, aber ihre natürliche Gestik und Mimik und der Humor, der in vielen Bildern durchschimmert, macht ihn spürbar.
Anders als bei August Sander scharf analysierendem Blick auf die Menschen, definiert Stefan Moses dieses nicht als Teil einer gesellschaftlichen Klasse. Er glaubt eher an das Individuum und lässt den Abgebildeten daher viel Raum für Ihre Selbstinszenierung und die Identifizierung über ihren Beruf.
Nach dem Fall der Mauer 1989 konnte Stefan Moses seine Porträt-Serie in den östlichen Teilen Deutschlands fortsetzen.
Abbildung: aus der Serie Deutsche: Rollmopspackerinnen, Büsum

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Jahrestagung der DFA 2004

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 23.4. – 25.4.2004 statt.
Neuer Austragungsort ist in diesem Jahr die Zehntscheuer in Echterdingen, Maiergasse 5. Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.
Der Schwerpunkt der Ausstellungen zur Jahrestagung liegt in diesem Jahr auf der journalistischen Fotografie.

 

Fremde Nähe

Journalistische Fotografie in der DFA



 

 


 

 

 

 



Roman Bezjak, Kabul 1993

 

Hanns-Jörg Anders
Roman Bezjak
Jürgen Escher

23.4. - 28.5.2004
Eröffnung: Freitag, 23.4.2004, 20 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Dr. Gerhard Haag
Einführung: Peter V. Brinkemper
Foyer der MHZ Hachtel GmbH
Sindelfinger Str.21
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17 Uhr


Henning Christoph
André Lützen
und als Gäste die Künstler der Galerie
Jörg Winde
Alexander von Reiswitz

24.4. - 13.6.2004
Eröffnung: Samstag, 24.4.2004, 18 Uhr
Einführung: Uwe J. Reinhardt und Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 16-18, So 11-13 Uhr


Dirk Reinartz
24.4. – 25.5.2004
Preview: Samstag, 24.4.2004, 19 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 25.4.2004, 11 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
galerie coiffeur, Burg
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-14 Uhr, Mo geschlossen


Peter Thomann
23.4. – 21.5.2004
Eröffnung: Freitag, 23.4.2004, 18 Uhr
VHS Leinfelden
Neuer Markt 1
70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17 Uhr



Die journalistische Fotografie hat in der letzten Zeit wieder sehr stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Ihr Wirkungskreis bleibt nicht auf die Printmedien beschränkt. Immer mehr taucht sie in Museen und Galerien auf. Die Sehnsucht, in Fotografien konkrete Bezüge zu Lebenszusammenhängen zu finden wächst in Zeiten, in denen diese durch die höhere Wahrscheinlichkeit von globalen Katastrophen bedroht sind.
In „Fremde Nähe“, der Ausstellung zur journalistischen Fotografie innerhalb der DFA, stellen die Bildautoren sehr unterschiedliche Annäherungen an ihre Themen vor. Der entscheidende Impuls für ihre Neugier hat ganz verschiedene Quellen. .

 

Jürgen Escher

 

Jürgen Escher identifiziert sich völlig mit den Menschen, die er in Afrika fotografiert hat, und wünscht sich das auch für den Betrachter. Dieser hat keine Möglichkeit, sich der Intensität dieser Porträts zu entziehen, mit denen er förmlich in die Gesichter eintaucht. Orientierung geben dann die mit den Bildern kombinierten Interviews, die Christian Frevel mit den Männern, Frauen und Kindern aus dem von Bürgerkriegen gezeichneten Kongo geführt hat. Die fremde Welt löst sich auf in der Präsenz der Individuen, die mit persönlichen Aussagen zu ihrem Alltagsleben einen Schlüssel zum Verständnis liefern. Mit ihrem Buch- und Ausstellungsprojekt „Hautnah-Berührungen mit Menschen im Herzen Afrikas“ holen Escher und Frevel ihre Protagonisten aus der Anonymität der Masse heraus.

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Dirk Reinartz

 

Die „Inneren Angelegenheiten“ von Dirk Reinartz kehren diesen Wahrnehmungs-
prozeß um. Farbfotografien von menschenleeren Straßen und Plätzen in Deutschland lassen eine Fremdheit in allzu vertrauter Umgebung spüren. Öffentliches Leben findet kaum mehr statt, da sich jeder sein „individuelles“ Refugium schafft. Die vielen kleinen Details in seinen Bildern entwickeln ein Eigenleben und erzählen von begrabenen Sehnsüchten und gescheiterten Illusionen. In strengen Kompositionen skizziert er das Bild einer ordentlichen Republik, die möglichst alles unter Kontrolle haben will. Die subtilen ironischen Brüche in dieser aufgeräumten Welt sind es, die uns die Hoffnung geben, dass noch Leben hinter den Fassaden schlummert.

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André Lützen

 

André Lützen sprengt den Rahmen des Bildjournalismus. Die eindeutige Botschaft und die sachliche Dokumentation interessieren ihn nicht. In seiner Arbeit „Generation Boule Fale“ über die Rapszene zwischen Marseille und Dakar entwickelt er eine ganz eigene Bildsprache, die nicht den „fruchtbaren Moment“ auswählt, sondern die Aufnahme, die den Rhythmus komplettiert. Er setzt nicht auf das Authentische, da er sich des Fiktionalen jeder Erzählung bewusst ist. Aus der Hand fotografierte Schwarz-Weiß-Fotografien und farbige Videostills zu fast filmisch wirkenden Sequenzen montiert, zeigen eine Seelenverwandtschaft mit der Musikszene, die er fasziniert erkundet und schaffen komplexe Bezüge zu politischen und musikhistorischen Zusammenhängen.

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Henning Christoph

 

Die traditionellen Riten des „Voodoo“ im Benin sind es, die den Foto-Journalisten und Ethnologen Henning Christoph bei einer Auftragsproduktion für das Magazin „Geo“ 1988 so faszinierten, dass er sich 1993 entschloss, seine ganze Arbeit nur noch dieser für uns Europäer so exotischen Welt zu widmen. “Mein Traum war, einmal nicht an der Oberfläche eines Themas zu bleiben, sondern hinter seine Geheimnisse zu kommen.“ Im schnelllebigen Geschäft des Bildjournalismus, in dem der Fotograf oft zum Supertouristen zwischen allen Krisenherden der Welt wird, stellt das einen wirklichen Luxus dar. Christoph versteht sich als Chronist, der einen Zugang zu der für ihn sehr toleranten Glaubensform des Voodoo schafft und dabei alle blutgetränkten Hollywood-Klischees aus dem Weg räumt. Er beschränkt sich nicht auf seine eigene Fotografie, sondern betreibt auch eine Fotoagentur, die sich auf Bilder vom schwarzen Kontinent spezialisiert, und hat ein Voodoo-Museum in Essen eingerichtet. Als einziges seiner Art in Europa führt es seine Besucher in die geheimnisvolle Welt des „Soul of Africa“ ein.

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Roman Bezjak

 

Als klassischer Bildjournalist erzählt Roman Bezjak authentische Geschichten aus Osteuropa. Er komponiert traumhaft wirkende Szenarien. Die Perspektive wechselt zwischen Nahaufnahmen und dem weiten Blick in die Landschaft, zwischen Einzel- und Gruppenporträts. Aus dem Stoff des gesellschaftlichen Alltags und der politischen Wirklichkeit schafft er bühnenreife Darstellungen von bemerkenswerter Suggestion. Fremde Orte in Zeiten des Umbruchs und der Bewegung üben den filmischen Sog des scheinbar Bekannten aus. Der distanzierte Betrachter wird zum imaginativen Teilnehmer, der die Signale der Hoffnung und die Spuren der Enttäuschung, die Symbole der Macht und die Symptome der Ohnmacht zu lesen versteht. Bezjak war zwischen 1991 und 2001 unterwegs, in Bukarest und Baku, Bischkek und Berg-Karabach, Eriwan und Etschmiadsin, Kabul und Kostroma, Sofia, Tiraspol, Duschanbe, Buchara und Kattowitz.

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Hanns-Jörg Anders

 

Jörg Anders macht in seinen Porträtaufnahmen keinen Unterschied zwischen gesellschaftlichen Außenseitern und anerkannten Persönlichkeiten. Leitmotiv ist für Anders das Studium des sich selbst erforschenden Blicks kreativer Menschen, in denen die Kategorien der Vertrautheit und Fremdheit ineinander umschlagen. Die Kamera verfolgt Augenpaare, die sich auf ein Werk oder ein Gegenüber richten. Schwarz-weiße Nahaufnahmen arbeiten aus Joseph Beuys’ horchender Mimik die Physiognomie hochkonzentrierter Präsenz und Aufmerksamkeit heraus. Auf den Porträts von nervenkranken Art-Brut-Schaffenden findet sich ein anderer und doch ähnlicher Blick: Der Blick, der berührt ist von der Verstörung des eigenen Ichs, um sich auf die Odyssee eines riskanten persönlichen Kunstschaffens zu begeben.

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Peter Thomann

 

Auf „heimischem Boden“ inszeniert
Peter Thomann in seiner Serie „Deutschland Spiegel Verkehrt“ den ästhetischen Reiz von Spiegelwelten. Die Ausgangsbilder der vertrauten Umgebung werden dem Spiel von Umkehrung und Verdopplung unterzogen. So mutieren bekannte Motive zu gegenläufigen architektonischen Strukturen und Kulissen. Bildinhalte werden verfremdet, verzerrt und aus ihrem Kontext herausgelöst. Sie werden zu Projektionen, die in imaginäre Richtungen umgelenkt werden. Die endlose Vervielfältigung der Realität schlägt um in die Virtualität des Irrealen.

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Alexander von Reiswitz und Jörg Winde

 

Als Gäste nehmen bei der Ausstellung die beiden Künstler der Galerie Altes Rathaus Musberg Alexander von Reiswitz und Jörg Winde teil.
Die Inspiration für seine Reise nach Mexiko nahm von Reiswitz von den Büchern Carlos Castanedas, die in der mexikanischen Somora-Wüste von indianischen Zauberern handeln. Mit klassischer S/W-Fotografie lädt er den Betrachter ein zu einer "Wahrnehmung-Reise" nach den fremden Kulten der Huicholes-Indianer.

 

Jörg Winde schildert in seiner Arbeit
Shivas Land. Götter, Tempel und Mythen in Südindien seine Eindrücke von dieser für uns Europäer so exotischen Kultur. Fabfotografien voller narrativer Details lassen uns das öffentliche Leben Indiens in komplexer Dichte nachempfinden und bieten einen Zugang zu anderen Religionen.

 

 

 

Das Aufeinanderprallen dieser sehr unterschiedlichen Weltsichten macht deutlich, wie sehr jede fotografische Arbeit definiert ist durch die subjektiven Intentionen des Fotografen und seine ästhetischen Kriterien und wie sehr wir deshalb skeptisch sein sollten gegenüber dem, was uns täglich als scheinbar neutrale und sachliche Nachricht durch die Medienwelt vermittelt wird.
Die Unterschiede von Fremdem und Nahem zerfließen in der Omnipräsenz der Bilder, die längst alle Grenzen überschritten haben. Darin besteht aber auch eine Chance, bewusst zu machen, dass die bisherigen Schranken und Orientierungsmuster nicht länger haltbar sind. Zukünftig sind verantwortbare Konstruktionen der Zugehörigkeit nur in dynamischen Beziehungen und nicht mehr absolut zu sehen.

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Weitere Ausstellung zur Jahrestagung der DFA

 

Charles Compère

Reservate - Landschaften in Ausschnitten
23. April bis 25. Juli 2004

Eröffnung: 23.4.04, 19.00 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede, Pforzheim/Berlin
Stadtarchiv, Stadtteil Musberg, Schönaicher Sträßle 4,
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
Öffnungszeiten: So 14-17 sowie nach telefonischer Vereinbarung
(Tel. 0711/9975409).

 

Charles Compère konfrontiert die Gebirgslandschaft des Tessin mit seiner Großbildkamera. Eine Herausforderung der Bergwelt, wenn man bedenkt, wie gigantisch sie erscheint, angesichts eines Fotografen, der diese Größe über Bilder begreifen möchte und dabei ganz wesentlich auf Ideen und Technik setzt. Die technische Qualität der Kamera, des Objektivs und nicht zuletzt des Filmmaterials machen es möglich, weite Räume zu erfassen und selbst bei großer Distanz die vielfältigen Phänomene differenziert vorzuführen. Wo das Auge nur punktuell Details wahrnimmt, breitet das Bild sie scheinbar ohne Grenzen aus, so dass der Eindruck entsteht, die Berge, Bäume, Sträucher, Gräser und Moose werden fotografisch zu Texturen abstrahiert, auf eine transparente Schicht übertragen und auf die Oberfläche der Berge, Bäume etc. zurückprojiziert. (Prof. Manfred Schmalriede)


 

 


Jahrestagung 2003

Verheißung des Individuellen

Ausstellungsdauer: 2.5. – 25.5.2003, Rundgang
Eröffnung: Freitag, 2.5.2003, 20 Uhr

Teilnehmende Künstler:
Axel Boesten, Wolfgang Bellwinkel, Peter Bialobrzeski, Andreas Gefeller, Göran Gnaudschun, Kai-Olaf Hesse, Claudio Hils, Zoltan Jokay, Wiebke Leister, Eva Mahn, Hartmut Nägele, Marc Räder.

Es sprechen:
Roland Klenk, Oberbürgermeister der Stadt Leinfelden Echterdingen
Prof. Manfred Schmalriede, Präsident der DFA

Städtische Galerie Filderhalle, Leinfelden, Bahnhofstr. 61
Dienstag bis Freitag 16-19 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Montag und Samstag geschlossen


Unter dem Titel "Verheißung des Individuellen" präsentiert die Ausstellung zur Jahrestagung der DFA mit den Arbeiten neuer Mitglieder zwei motivische Schwerpunkte: Ansätze der Porträtfotografie werden mit Arbeiten kombiniert, die sich mit dem öffentlichen und halböffentlichen Raum auseinandersetzen.
Das Spannungsfeld zwischen der Individualität und Nähe bei den Porträts und der Anonymisierung, die bei den Kontext-Ansichten vorherrscht, kann das Verständnis vom Individuellen in der modernen Gesellschaft schärfen.

In seinem Buch "Die Tyrannei der Intimität" hat Richard Sennett den Verlust und Niedergang des öffentlichen Lebens gerade durch den Rückzug des Menschen auf den geschützten Raum des Privaten erklärt.
Sind somit fortschreitende Individualisierung und Anonymisierung kein Gegensatzpaar? Begründen sie sich vielleicht sogar gegenseitig? Die Ausstellung soll darauf keine eindeutige Antwort liefern, sondern durch Gegenüberstellung und Kontrastierung unterschiedlicher Positionen ein möglichst komplexes Bild der Verheißungen des Individuellen in der modernen Zivilisation liefern.

 

Peter Bialobrzeski

 

 

Die utopisch wirkende Megastadt, die Peter Bialobrzeski mit seiner Arbeit „Neon Tigers“ - großformatigen Farbfotografien aus den asiatischen Metropolen Bangkok, Kuala Lumpur, Hongkong, Shanghai, Jakarta und Shenzhen - entstehen lässt, hat wirklich nichts mehr mit dem Bild überschaubarer alteuropäischer Städte zu tun, deren Straßen und Plätze die Bühnen des öffentlichen Lebens aller Bürger waren. Deren nivellierte Individualität wurde in den modernen Industriegesellschaften zum Mythos verkaufbarer Moden. Der Mythos treibt die Menschen in die Schutzzonen privater Isolation oder fordert sie zu ständig neuen Selbstinszenierungen heraus, um sich von der Menge abzuheben. So finden wir in Peter Bialobrzeskis Visionen einer ausufernden Zivilisation kaum mehr reale Erfahrungswelten, wir fühlen uns in die Filmszenarien von „Blade Runner“ versetzt.

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Wolfgang Bellwinkel

 

Diese Dynamik der Entwicklung, die in Süd-Ost-Asien zu beobachten ist, ist auch für Wolfgang Bellwinkel ein zentrales Thema. Schon seit den späten 70er Jahren fühlt er sich von dieser Region angezogen und hat in mehreren Reisen ein präzises Gespür für den Wandel dort entwickelt. Sein Blick auf diese Welt verlässt die Perspektive der Totale und widmet sich in fragmentarischen Beobachtungen zur Diskrepanz zwischen affirmativer Ästhetik und gesellschaftlicher Realität. Die Fotografien seiner Serie „Beyond Paradise“ handeln von den Illusionen und Sehnsüchten einer Welt, die völlig auf den Konsum abzielt. So taucht der Mensch in seinen Bildern nur noch als Ikone der Jugend und Schönheit in Form von monumentalen Werbeflächen auf.

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Kai-Olaf Hesse

 

Mit Fassaden ganz anderer Art beschäftigt sich Kai-Olaf Hesse in seiner Serie „Bilder in Berlin“. Seine Aufnahmen fahnden nach der konkreten Arbeit am Mythos Berlin, den Bauplätzen als Schauplätzen, in denen sich die neue Hauptstadt mit dem Umpflügen und Umgestalten ihres historisch aufgeladenen Untergrunds in Szene setzt, um den Status einer Metropole des 21. Jahrhunderts zu erringen. Hesse legt den chimärischen Charakter der vermeintlichen architektonischen Sinnstiftungen, die Fassadenhaftigkeit und Austauschbarkeit der Bauten frei, die gerade auch in ihrer perfektionistischen Glätte oder in ihrer historischen Rückwärtsgewandtheit als halbfertige, nicht-individuelle Lösungen auftreten.

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Axel Boesten

 

Axel Boesten geht in seiner Arbeit „traffic island“, die er in Irland realisiert hat, der Fragestellung nach, inwieweit Natur- und Wirtschaftsräume sich im postindustriellen Zeitalter zu gleichförmigen Parklandschaften verbinden. In einer Serie von formal strengen Farbfotografien schafft er subtile assoziative Bezüge zwischen distanzierten Portraits, die eine Begegnung mit Individuen im Vorübergehen evozieren, und den umweltfreundlichen industriellen Kontexten, die die Natur als gepflegtes Reservat integrieren. Der sozioökomische Raum der Gesellschaft erscheint als ein unsichtbares Netz, das unsere Wahrnehmung von Mensch und Natur, Individualität und Stereotyp vorfiltert.

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Marc Räder

 

Bei der Arbeit „Mallorca / island in progress“ von Marc Räder fühlt sich der Betrachter in eine Katalog-Landschaft aus Pappmaché versetzt. Doch er täuscht sich, die Bilder sind wirklich im Ferienparadies entstanden. Es ist zunächst nur die Aufnahmetechnik mit einer Verlagerung der Schärfenebene, die die Illusion entstehen lässt, wir schauten auf kleine Plastikfigürchen in einer Spielzeugwelt. Reisen als Erfahrung des Fremden und Anderen, als Erweiterung des Horizonts und zur Überwindung der persönlichen Provinzialität? Nein, in diesen Fotografien wirken die Touristen wie passive Statisten in einem medialen Guckkasten, dessen globale Nähe jeden Hauch von großer weiter Welt erstickt.

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Hartmut Nägele

 

Wie sollten wir aber auch beim Reisen die Fähigkeit entwickeln können, uns auf das Unerwartete einzulassen, wenn unsere alltägliche Wahrnehmung zu Hause am Arbeitsplatz so geprägt ist von Anonymität und Austauschbarkeit, wie in den Bildern von Hartmut Nägele. Seine Fotografien zeigen moderne Räume – Büros, Geschäftsgebäude und deren Fassaden. Sie untersuchen die Materialität ihrer Oberflächen und beschreiben die Unwirklichkeit der dort geschaffenen Öffentlichkeit. Warum ertragen die Menschen die Kälte dieser von allen Spuren ihrer eigenen Existenz bereinigten Orte? Die perfekte Gestaltung gibt ein Gefühl der Unangreifbarkeit, schützt vor der Empfindung der eigenen Schwächen.

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Andreas Gefeller

 

Einen ganz anderen Blick auf die Büroetage wirft Andreas Gefeller mit seiner Arbeit „Supervisions“. Auch hier sehen wir keine Menschen, aber können ihre Anwesenheit förmlich spüren. Wir verfolgen die tagtäglichen Wege, die die Mitarbeiter in den Räumen zurücklegen. Die Rituale der immer gleichen Handlungen und Begegnungen sind geradezu fühlbar. Dabei zeigt er uns nur eine Oberfäche aus ungewohnter, ja unmöglicher Perspektive. Hunderte von Kleinbildaufnahmen, jeweils aus zwei Meter Höhe fotografiert, setzt Gefeller am Computer zu einem einzigen nahtlosen Bild zusammen. Der Boden wirkt wie von einem Satelliten aufgenommen. Die Kartographie macht Details sichtbar, die unseren detektivischen Spürsinn herausfordern.

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Claudio Hils

 

Mit der Arbeit „Red Land, Blue Land“ von Claudio Hils beschreiten wir einen völligen Szenenwechsel. Eine merkwürdige Typologie des Zivilen wird vor unseren Augen ausgebreitet. Attrappen und Figuren werden scheinbar deplaziert und beziehungslos in Szene gesetzt. Die Wahrnehmung wird zur militärischen Logistik hochgerüstet. Wir befinden uns im Sennelager Training Center, einem militärischen Sperrgebiet, das als Schauplatz für echte Kriegsspiele dient. Auf dem nach außen abgeschotteten Nahkampfgelände wird zur Einübung des sekundenschnellen Ratespiels „Feind oder Nicht-Feind?“ das Individuum als Zielscheibe aufgestellt. Die individuelle Identität einer lebendigen Geschichte wird verpuppt und zerlegt in den Ensembles grotesker Accessoirs, deren uniforme Typologie ein militärisches Navigationssystem für die kulturelle Barbarei des Sichtens und Vernichtens abgibt.

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Wiebke Leister

 

Wiebke Leister beschäftigt sich mit der grenzwertigen Darstellbarkeit von Emotionen. Dabei untersucht sie, wie man auf der Grundlage des sichtbaren, physischen Gesichtsausdrucks auf dahinter verborgene, psychische Zustände verweisen kann. Die Collage-Serie "Broken Promises" (2003) ist Teil dieses Zyklus. Das Ursprungsmaterial besteht aus den visuellen Versprechen von Hochglanzmagazinen. In diesen Bildern versucht uns die ewig vergnügte Konsumwelt mit reinweißem Grinsen zu Empathie und Mimesis zu verführen. Indem Fragmente dieser Bilder zusammenmontiert werden, entstehen neue, in sich heterogene, medusenhafte „Lachgesichter“, die als Zeichensysteme lesbar werden. Dem Kontext ihres eindeutigen Lächelns entzogen fragen sie danach, ob unser Lachen bereits zu einer medialen, in sich gebrochenen Maskerade verkommen ist.

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Eva Mahn

 

Den Spielraum von individuellen Lebensentwürfen und familiär-kultureller Prägung behandelt Eva Mahn auf heiter-ironische Weise in ihrem Projekt „Heilige Familie“. Dies ist der zweite Teil eines Langzeitprojektes, das 1992/93 mit der Arbeit „Aufbruch in die Freiheit“ begonnen wurde. Damals waren es noch Schwarzweißportraits, aufgenommen in der unsanierten Häuserkulisse von Halle. Heute paradieren auf Einzeltafeln und Familienaltären munter die gleichen jungen Kids mit Haustier, Nachwuchs, Eltern und Geschwistern in Farbe vor blauem Fond im Studio. Die Kostüme haben gewechselt, die Szenerien sind geblieben. Die Archetypen von Leben (Teufel), Liebe (Engel und Schlange), Macht (König) oder Mütterlichkeit (Madonna) haben noch immer Gültigkeit, weil sie mit prallem modernem Leben erfüllt werden.

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Göran Gnaudschun und Zoltán Jokay

 
 
   

Die Auseinandersetzung mit dem Individuum vor dem Hintergrund der zunehmend sichtbar werdenden Isolation des Menschen im beginnenden 21. Jahrhundert prägt auch die Arbeiten von Göran Gnaudschun und Zoltán Jokay. Die „Verheißung des Individuellen“ ist vielleicht nirgends so stark wie bei diesen beiden Fotografen. Dabei ist die große Nähe ihrer Aufnahmen zum Menschen recht unterschiedlich bedingt. Göran Gnaudschun hat in einem vertrauten Kreis von Freunden und Gleichgesinnten in zunehmender Distanz fotografiert, während Zoltán Jokáys Bilder der subjektive Ausdruck intensiver Begegnungen mit Menschen außerhalb seines privaten Umfeldes sind.

Die Arbeit „Portraits“ von Göran Gnaudschun ist ursprünglich aus der Serie „Vorher müsst ihr uns erschießen“ über das Leben in besetzten Häusern hervorgegangen. Den Kreis der Portraitierten hat er jetzt auf die gesamte autonome Szene ausgedehnt. Identität schöpfen die Personen aus dem Widerstand gegen die herrschenden Rechtsnormen der Gesellschaft. Diese resistente Individualität will der Fotograf „unversehrt“ dokumentieren. Anders als in seinen frühen Arbeiten, löst er die Menschen immer stärker aus ihrer Umgebung heraus, der Hintergrund verschwimmt, der Kontext bleibt bewusst verdeckt. Auf den Gesichtern zeigt sich eine „Entleerung der Szenerie“, um die Andersheit und Unbegreifbarkeit der lebensgeschichtlichen Identität hervorzuheben. Die fotografierte Individualität verschanzt sich hinter der Tyrannei der Intimität.

Bei den Bildern von Zoltán Jokáy spielt eine andere Form der individuellen Inszenierung eine wesentliche Rolle: das Medium des subjektiven Erlebens, der Erinnerung und der Imagination. Als Flaneur, der durch das urbane Umfeld streift, stößt er eher unwillkürlich auf Situationen, in denen die Gegenwart des erlebten Momentes gegebenenfalls in tiefere Schichten des Bewusstseins und der eigenen Vergangenheit führt. So folgen seine Fotografien dieser Korrespondenz von Begegnung und Einbildungskraft. Die Porträts unterliegen keinem strengen objektivierenden Konzept, sondern leben von dem „Punktum“, dem scheinbar zufälligen Impuls, der aus der Szenerie selbst auf den Betrachter trifft: „Diese Bilder haben mir viel über mich erzählt, über meine Kindheit, über Erfahrungen und Gefühle, an die ich mich nicht mehr erinnern wollte. Sie haben mir geholfen bei dem Versuch, meine Sicht auf die Welt zu verstehen und auch mein Leben in der Gegenwart.“ (Zoltán Jokáy)

 
 

 

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