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Ausstellung des Projektes Die Roma-Reisen Filderhalle
Ehemalige Preisträger der
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Das besondere Interesse am Medium Fotografie lag bei Fritz Kempe
im Portrait des Menschen. 1970 publizierte er eine seiner bekanntesten
Serien Hamburger und ihre Gäste. Neben der Realisierung seiner
eigenen Projekte hat er sich in vielfacher Weise um die Vermittlung
der Fotografie gekümmert. So hat er 1952 die Hamburgische Sammlung
zur Geschich-te der Fotografie gegründet, die er in die Sammlung
des Museum für Kunst und Gewerbe eingliederte. Damit legte
er den Grundstein für eine der ersten Samm-lungen von Fotografie
an einem Kunstmuseum. Im glei-chen Jahr eröffnete Kempe das
Filmseminar Hamburg, das nach kurzer Zeit auch das Fernsehen
integrierte. Als Lehrer und Publizist hatte er die Möglichkeit,
seine Ideen zur Fotografie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich
zu machen. Durch zahl-reiche Veröffentlichungen zur Geschichte
der Fotografie setzte er sich für die künstlerische Wertschätzung
dieses Mediums ein.
Fritz Kempe erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im Jahr 1974.
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Regina Relang war eine Modefotografin mit außergewöhnlichen
Inszenierungen und Interpretationen. Sie studierte Malerei in Stuttgart
(1926-31) und später auch noch in Berlin und Paris, wo sie
vor allem von Amédée Ozenfant beein-druckt war. Nach
ihrem Examen wandte sie sich dann aber als Autodidaktin der Fotografie
zu. Ihr erstes Interesse galt dabei der Reportagefotografie. 1933
begann sie, im südlichen Europa zu reisen. Nach Aufenthalten
auf Korsika, in Frankreich, Spanien und der Türkei hatte sie
1935 mit einer Repor-tage über portugiesische Fischer in Not
einen ersten Erfolg.
Richtig bekannt wurde sie dann aber mit ihrer Modefotografie. So
arbeitete sie u.a. für Vogue Paris, London und
New York. Während dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück
und wurde für den Deutschen Verlag und Die
Dame tätig.
In den Nachkriegsjahren eröffnete sie ein Studio in München
und kooperierte mit allen führenden Modezeitschriften. In den
70er Jahren widmete sie sich auch freien künstlerischen Projekten.
Sie schaffte Inszenierungen, in denen sie mit modisch gekleideten
Modellen bekannte Gemälde, wie z.B. von Henri Rousseau, nachstellte.
Regina Relang erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im Jahr 1972.
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Sein fotografisches Studium absolvierte Jürgen Heinemann bei
Otto Steinert, zuerst in Saarbrücken und dann an der Folkwangschule
in Essen. Danach arbeitete er freiberuflich als Fotojournalist.
Auftragsreisen führten ihn nach Afrika, Asien und Lateinamerika.
1963 erhielt er den 1. Preis beim World Press Photo-Wettbewerb für
das künstlerische Pressefoto. Von 1981 bis 1999 hatte er eine
Professur für Bildjournalismus und Foto-Design an der Fachhochschule
Bielefeld.
Jürgen Heinemann weist darauf hin, dass die Sachverhalte
nicht so einfach sind, wie die gängige Behauptungsfotografie
unterstellt. Sie haben stets ihre Vieldeutigkeit Das macht die Suche,
die Forschung, die Entdeckung interessant. Sobald man aufdeckt,
verschwindet das Klischee. Roland Günter in Dokument
und Erfindung -Fotografien aus der Bundesrepublik Deutschland 1945
bis heute, 1989, herausgegeben von der Fotografischen Akademie
GDL und Jörg Boström.
Jürgen Heinemann erhielt die David-Octavius-Hill-Medaille im
Jahr 1994 und ist seitdem auch Ehrenmitglied der Deutschen Fotografischen
Akademie.
Thomas Anschütz, Dörte Eißfeldt, Sabine Schründer
25.4. 7.6.2009
Eröffnung: Samstag, 25.4.2009, 18.00 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 10-18 Uhr, So. ,11-13 Uhr
Diese Ausstellung zeigt fotografische Arbeiten, die den Akt der
Bildfindung als einen experimentellen Prozess verstehen. Montagetechniken,
visuelle Schichtungen, die räumliche und zeitliche Ebenen verschmelzen
lassen und mediale Irritationen mit großer assoziativer Wirkung
schaffen komplexe Bildwelten, die den Betrachter für eine Welt
jenseits des Offensichtlichen sensibilisieren.
Wir werden mit diesen Bildern an die Schnittstellen zwischen dem
Reich der Phantasie innerer Visionen und der konkret erfahrbaren,
sichtbaren Alltagswelt geführt. Gerade die Reibungsenergie
dieser unterschiedlichen Bewusstseinsebenen schafft die poetische
Kraft dieser Arbeiten.
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In allen ihren experimentellen Fotoarbeiten seit den 80er Jahren
lotet Dörte Eißfeldt Möglichkeiten des Mediums aus,
eine Neugier beim Betrachter zu wecken, ein Gefühl für
die Sensation des Banalen zu entwickeln. Sie erzeugt Bildwelten,
die sich nicht verschwenden an die Motive und an die grenzenlose
Unterhaltung, sondern die radikal das Medium selbst befragen. Eißfeldt
schreibt dazu: Die Fotografie metallisiert den Moment, mineralisiert
das Licht. Sie stoppt die hysterische Beschleunigung der Bildproduktion,
die sie selbst betrieben hat, und geht über zu langen, langsamen
Bildprozessen: Die Fotografie ist eine Kunst der drei Kammern und
drei Körper, ein prinzipiell mehrstufiger Prozess. Sie lädt
die Bilder auf, verdichtet sie; sie schert sich nicht um Gestaltung,
die führte nur dazu, Hohlheit und Leere zugleich zu produzieren
und zu verbergen.
In ihrer Arbeit Portrait, 1990 zeigt sie jeweils eine Serie mit
geschlossenen und eine mit geöffneten Augen. Dabei wurde jedes
Foto dreifach belichtet. Diese Schichtungen schaffen eine starke
Präsenz des Antlitzes, das dann aber wieder in der Dunkelheit
sich aufzulösen scheint: Anonyme Portraits, die an Ikonen erinnern.
Immer wieder nutzt Dörte Eißfeldt Methoden des Bildschaffens,
die konventionell als Fehler, ja als ultimative Katastrophe beim
Fotografieren gesehen würden. So öffnete sie für
ihre Serie Eißherbst das Kameragehäuse bei vollem Licht,
so dass ihre farbigen Herbstlandschaften mit eigenwilligen Farbschleiern
überzogen wurden. Damit bezieht sie wie die Dadaisten den Zufall
mit in den kreativen Prozess ein.
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Thomas Anschütz entwickelt schon seit fast 30 Jahren immer
wieder neue Techniken, seine subjektive Sicht auf die Welt in vieldeutige
Bilder zu transformieren.
Bilder ganz unterschiedlicher Herkunft, aus verschiedenen Zeiten,
mit diversen Techniken geschaffen, überlagern sich zu visuellen
Gebilden, die eine hohe assoziative Kraft entwickeln. Es entsteht
ein komplexes Spiel von Abstraktion und Wiedererkennung. In einem
Moment fühlt man sich durch die kunstvolle Schichtung von Grauwerten,
durch die Muster, die durch die Mischung der Bildwellen
generiert werden, in eine reine Traumwelt versetzt und dann wachen
wir wieder auf und sehen ganz konkrete Bezüge zu unserer Umwelt,
in der wir leben. Dieser Wechsel in den Wahrnehmungsebenen sensibilisiert
den Betrachter und stimuliert seine Fantasie.
Es werden ihm keine fertigen Wahrheiten geliefert. Die irritierenden
Bilder erfordern einen bewussten Prozess des Sehens.
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Sabine Schründer zeigt In ihrer Arbeit intrude (into) Instrumente
des Sicherheitskonstrukts, Apparaturen der Kontrolle und Spuren
der Durchdringung, die in ihrer Losgelöstheit etwas Bedrohliches
bekommen. Sie spielt wie Thomas Anschütz mit der Irritation
des Betrachters, ist dabei aber konkreter interessiert an der Auseinandersetzung
mit sozialen und gesellschaftlichen Strukturen. Sie eliminiert Orientierungspunkte,
verfremdet Situationen, und schält Gegenstände aus ihrer
natürlichen Umgebung heraus. Die einzelnen Bilder leben von
einer Klarheit und die fotografischen Motive werden häufig
digital oder grafisch überarbeitet. Die Vielschichtigkeit ihrer
Arbeit entsteht durch die Installation der Bilder im Raum. Hier
entsteht das Labyrinth, in das wir gelockt werden, in dem Assoziationen
von Bedrohung und Gefahr ausgelöst werden, die sich bei genauer
Betrachtung des Abgebildeten als Täuschung entpuppen.
Wie auch Dörte Eißfeldt und Thomas Anschütz macht
Sabine Schründer hiermit deutlich, dass jede fotografische
Arbeit eine Konstruktion von Wirklichkeit ist. Vom Anspruch der
Fotografie befreit, Abbildungen zu schaffen, die eine eindeutige
Interpretation des Wahrgenommenen liefern sollen, geben uns ihre
Bilder die Freiheit, unsere eigenen Wahrnehmungsmuster begreifen
zu lernen.
Wolfgang Gscheidle
25.4. - 31.7.2009
Eröffnung: Samstag, 25.4.2009, 19.00 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Manfred Schmalriede
Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr. Sa. 7.30-14.00 Uhr
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Seit 20 Jahren fotografiert sich Wolfgang Gscheidle in erfrischend selbstironischer Form mit unterschiedlichsten Kopfbedeckungen. Bei den Inszenierungen seiner Bilder konzentriert sich Gscheidle auf Kopf und Oberkörper und nutzt speziell ein sehr artifizielles Licht um die Wirkung der Kopfbedeckungen hervorzuheben. Diese sind manchmal sehr opulent, fast barock, und dann wieder äußerst sparsam mit einem Humor, der an Karl Valentin erinnert. Meist sind es auch Objekte, die aus ihrer normalen Funktion herausgenommen werden und deshalb eine assoziative Kraft entwickeln. Gerade die Kombination aus der völligen Künstlichkeit der Inszenierung und der Alltäglichkeit der Objekte schafft eine Wahrnehmungsebene zwischen Distanz und Nähe, die uns über unsere täglichen Rollenspiele nachdenken lassen.
Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 25. bis 27. April 2008 statt.
Der Themenschwerpunkt der Ausstellungen in diesem Jahr liegt auf
der Portraitfotografie.
Drei aktuelle zeitgenössische Positionen mit Arbeiten von Katharina
Bosse, Wiebke Leister und Sike Helmerdig werden
in der Galerie Altes Rathaus Musberg gezeigt.
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Wiebke Leister, Through Gritted Teeth (jayne)
Mit Fotografien von Fee Schlapper und Kurt Julius werden in der Burg galerie coiffeur Schätze aus dem Archiv der Deutschen Fotografischen Akademie vorgestellt
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Kurt Julius, Hansi Müller-Schorp
Katharina Bosse, Wiebke Leister und Silke Helmerdig
26.4. 1.6.2008
Eröffnung: Samstag, 26.4.2008, 17 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 16-18, So. 11-13 Uhr
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Katharina Bosse bevorzugt leibliche Signale, die Körpersprache eines prall-sinnlichen Glamours, der in bestimmten Posen, Figuren und zeitlosen Moden der 40er Jahre den schwelgerischen Ausdruckswert erotischen Selbstbewusstseins als Inszenierung von Freiheit und Unabhängigkeit vertritt. Als Eye Catcher und Pin Up mitten im allzu normalen Leben, immer auch mit einem Schuss Distanz und Ironie..
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Wiebke Leister liefert ein Wechselspiel der Bilder zwischen Maskierung und Desmaskierung in enger Kooperation mit ihrer Freundin, die zugleich Vertraute und Schauspielerin ist. Es entsteht eine Serie unterschiedlichster, vom Dramatischen bis ins Lyrische ausgefeilten Expressionen, die einer realen Person, und ihren verschiedenen alltäglichen Zuständen, aber auch diversen fiktiven Figuren zugeordnet werden können.
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Silke Helmerdig setzt
sich mit den medialen Möglichkeiten von Nähe und Distanz
im Kontext eines fotografischen Selbstporträts auseinander.
Eine Aufnahme in Schwarzweiß, die das Gesicht der Fotografin
darstellt und gleichsam ausweist, wirkt in identischer
Wiederholung zunehmend statisch, wie ein aus dem Kontext gerissenes
Passphoto....
Die Wiederholung macht das Bild zur Marke zum Medienprodukt,
zum Artefakt und Konstrukt. Über das Bild wird eine Schrift-Ebene
eingeblendet, die in zahlreichen Varianten verschiedene Zitate aus
Vilém Flussers Traktat Jude sein anführt.
Die Statements zu den Arbeiten von Katharina Bosse, Wiebke Leister und Silke Helmerdig sind einem Text von Peter V. Brinkemper im Bulletin Nr. 24 der Deutschen Fotografischen Akademie entnommen, das zur Tagung 2008 erscheint
Fee Schlapper und Kurt Julius
26.4. 28.6.2008
Eröffnung: Samstag, 26.4.2008, 19 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4, 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr, Sa. 7.30-14 Uhr
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Elvis N., geb. 1971, Fotografien 1974 und 1984, aus der Serie Gegenüberstellungen
Portäts über die Zeit 1960-1984
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Kurt Julius, Porträt Peter Keetman, 1981
Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 19 bis 22. Juli 2007 statt.
Sie ist in diesem Jahr eingebettet in das Fotoprojekt der KulturRegion
Stuttgart mit dem Titel: ...Und grüßen Sie mir
die Welt - Fotografierte Heimaten
Vom 24. Juni bis 23. September 2007 zeigen die Mitgliedsstädte
der KulturRegion Stuttgart, die 7. Internationale Foto-Triennale
Esslingen am Neckar, der Fotosommer Stuttgart und die Deutsche Fotografische
Akademie in Leinfelden-Echterdingen Positionen aktueller künstlerischer
Fotografie zum Thema Heimat und Identität.
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Andreas Herzau, Deutsch Land
Ist Heimat die Antithese zum globalen Tourismus? Um Heimat
zu erleben, ist emotionale Identifikation gefragt, geht es doch
darum, vergangene Erfahrungen zu aktualisieren. Doch wer nie für
längere Zeit seine Heimat verlassen hat, wird sie kaum wahrnehmen.
Distanz zu halten, scheint Voraussetzung für ihre Entdeckung
zu sein. Die vagen Vorstellungen über Heimat werden unter verschiedenen
Bedingungen an unterschiedlichsten Orten konkret.
Prof. Manfred Schmalriede, Präsident der DFA
An sechs Ausstellungsorten werden sehr unterschiedliche subjektive Annäherungen an diesen so vieldeutigen Begriff der Heimat vorgestellt. Mit geschichtlichem Ballast belegt und durch kitschige Visionen einer heilen Welt verklebt, hat er in Zeiten einer globalisierten Welt wieder eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Peter Bialobrzeski, Jörn Vanhöfen und Andreas Weinand
19.7. 2.9.2007
Eröffnung: Donnerstag, 19.7.2007, 19 Uhr
Begrüßung: Roland Klenk, Oberbürgermeister Stadt
Leinfelden-Echterdingen und Prof. Georg Fundel,
Geschäftsführer Flughafen Stuttgart GmbH.
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Ab 19.30 Uhr spielt die Brenzband
Flughafen Stuttgart, Terminal
3, Ebene 5
Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet
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Immer bin ich in den Süden gefahren. Später habe ich
den Südosten fotografiert, Indien, Nepal, Birma, Thailand und
dann die Megastädte der asiatischen Tigerstaaten. Dort traute
ich mich, meiner Faszination Ausdruck zu verleihen, ja, auch Dinge
schön zu finden. Gleichzeitig entwickelte sich zu Hause eine
deutsche Fotografie, die Garagentore, Pappkartons und bleiche picklige
Jungmanager in scheinbar kritischer Distanz aufzeichnete. Diese
Bilder gaben vor, dokumentarisch zu sein, zu objektivieren. Ihren
Fürsprechern war jede Emotionalität suspekt, jede Assoziation
von Schönheit war Verrat an der angeblich so neuen deutschen
Fotografie...
Ich wollte mein Verhältnis zu meinem Deutschlandbild klären,
zu einem Land, das für mich emotional und kulturell prägend
ist, also Heimat.
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Die Elbe Kein anderer Fluss symbolisiert deutsche
Geschichte beziehungsweise die Geschichte der Deutschen und ihrer
östlichen Nachbarn einprägsamer als die Elbe. Ein Gebiet
von landschaftlicher Schönheit, die doch eine verwundete, vom
Menschen und seiner Industrie gefährdeten Schönheit ist;
ein Grenzfluss, an dem Ost- und Westeuropa und ihre verschiedenen
politischen Entwicklungen sich berühren...
(Die Elbe, Leipzig 2000)
Jörn Vanhöfen lenkt unsere Aufmerksamkeit auf unattraktive
Orte. Es sind Orte, die wir auf Reisen gerne übersehen. Und
dennoch sind es Orte, an denen Menschen leben und arbeiten: Orte
und Momente ihrer Konstruktion von Identität.
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Seit Jahren ist die Suche des Menschen nach Identität und deren Ausdruck wichtiger Bestandteil meiner Fotografie. Innerhalb dieses Spannungsfeldes befasse ich mich schwerpunktmäßig mit der Darstellung der Menschen in ihren Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt. Der Zyklus acker*arable reflektiert das Verhältnis des Menschen zur Natur. Es ist eine ermutigende Auseinandersetzung mit dem Alter und versinnbildlicht einen organischen Lebens- und Arbeitsprozess, der durch den Rhythmus der Jahreszeiten strukturiert wird. Die Bilder sind in den Jahren 1999-2004 auf einem Demeter-Gemüsebetrieb im Ruhrgebiet entstanden.
Wolfgang Bellwinkel, Wiebke Loeper und Andreas Mader
21.7. 26.8.2007
Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 17 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa. 16-18, So. 11-13 Uhr
In einer globalisierten Welt bekommt der Wunsch nach Identität
stiftender Einbindung in eine vertraute Umgebung wieder ein neues
Gewicht. Wir können in fast alle Länder dieser Erde zu
einem Spottpreis fliegen und werden permanent mit News aus den letzten
Ecken dieses Planeten beliefert. In unserer Vorstellung könnten
wir uns eigentlich schon auf der ganzen Welt heimisch fühlen,
da wir das Bild von ihr ununterbrochen in allen Medien konsumieren.
Susan Sontag schrieb aber schon in ihren frühen kritischen
Texten zur Fotografie darüber, dass diese Bilder eher den Blick
auf die Welt verstellen, da sie keine Zusammenhänge zeigen,
sondern eher ein Rauschen erzeugen, das unsere Wahrnehmungsfähigkeit
vernebelt.
Die fotografischen Positionen dieser Ausstellung Sehnsucht
und Vertrautheit schärfen dagegen unser Verständnis
davon, wie sehr der Mensch von seinem persönlichen, vertrauten
Umfeld geprägt ist, wie auch seine Sehnsüchte und Wunschvorstellungen
davon bestimmt sind
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Wolfgang Bellwinkel,
als permanent Reisender zwischen den Kontinenten Asien und Europa,
ein typischer Weltbürger eines zusammenrückenden Globus,
geht mit seiner Serie Heimat II auf die Suche nach dem Idyll
in der deutschen Provinz. Die intensive Erfahrung einer anderen
Kultur ermöglicht ihm dabei erst den Blick auf dieses schwer
zu fassende Thema, das voller Klischeefallen steckt. Der distanzierte
Blick macht es möglich. Seine Fotografien befassen sich mit
den Lebensentwürfen und Sehnsüchten moderner Menschen,
die der Stadt entfliehen und auf dem Land ihr Glück suchen.
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Wiebke Loeper zeigt mit ihrem Ausstellungs- und Buchprojekt
Hello from Bloomer. Viele Grüße aus Wismar, wie
sehr die frühen Prägungen eines Menschen ihren Ausdruck
auch in einer völlig neuen Umgebung behalten.
Sie beschreibt die Lebenswege ihres Großvaters Willi und dessen
Cousin mit gleichem Namen. Beide wuchsen in Pommern auf und lernten
den Beruf des Fleischers. Durch den Krieg getrennt, ließ sich
der eine in den USA, der andere in der späteren DDR nieder.
Mit einer Kombination von gesammeltem Bildmaterial aus den Familienalben
und eigenen Fotografien schafft sie eine sehr subtile Dokumentation
der verschiedenen Biografien, die überraschende Parallelen
besonders in der Gestaltung des eigenen Lebensraumes offen legt.
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Andreas Mader macht in seiner Arbeit Die Tage Das Leben deutlich, dass es die privaten Beziehungen sind, die für ihn das Empfinden von Vertrautheit erst ermöglichen. Über einen langen Zeitraum hinweg fotografierte er unprätentiöse und unsentimentale aber gleichzeitig intime Porträts von Menschen aus seinem Freundeskreis. Als er 1988 mit dieser Arbeit anfing, waren es noch situative Bilder von gemeinsamen Erlebnissen, die für ihn den stärksten Ausdruck einer authentischen Wahrnehmung darstellten. In einem langen Arbeitsprozess entwickelte er für sich dann einen ganz eigenen Portraitstil, der sich der Inszenierung der Aufnahmesituation mit der Großbildkamera sehr bewusst ist, dabei aber den Personen genügend Raum lässt, etwas von sich zu erzählen. Die Klarheit und Intensität der Fotografien entrückt die Bilder ihrer rein privaten Sphäre und lässt beim Betrachter Erinnerungen an eigene und universelle Lebenserfahrungen aufkommen.
Andreas Herzau
22.6. 2.9.2007
Eröffnung: Freitag, 22.6.2007, 20 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Andreas Herzau
Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4, 70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 8-18 Uhr, Sa. 7.30-14 Uhr
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Dieses Projekt ist eine Bilderreise, eine subjektive Bestandsaufnahme über Deutschland 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und gut 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Andreas Herzaus Plan war es, keinen Plan zu haben, keiner Story, keinem Plot zu folgen. Bei dieser Arbeit ging es ihm darum, Bilder und Geschichten zu finden, statt diese zu suchen und sich die Freiheit zu nehmen, kleine Dinge zu entdecken, die durchaus die Kraft haben, vom großen Ganzen zu erzählen. Es werden die flüchtigen Dinge und Eindrücke festgehalten, die viel über die Stimmung in Deutschland erzählen können und vor denen letztlich die Sprache versagt. Seine Arbeitsweise ist ein Vagabundieren und Flanieren im Visuellen: subjektive Skizzen und Notizen, kleine Ausschnitte des deutschen Alltags und der deutschen Kultur. Anknüpfend an seine früheren Arbeiten über New York (2000 2002) oder die Durchquerung des indischen Subkontinents (2004) schneidet er diese fotografischen Eindrücke assoziativ an- und gegeneinander. So entstehen einzelne Kurzgeschichten und gefühlvolle Einblicke in die heutige deutsche Normalität.
Emanuel Raab
21.7. 17.8.2007
Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 18 Uhr
Begrüßung: BM Alexander Ludwig
Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Mo. Di. Do. 14-17 Uhr Mi. 14-18 Uhr,
telefonische Voranmeldung erbeten (0711 / 997 54 09)
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Heimat was ist das? Welche Rolle spielt der Ort, an dem
wir leben, an dem wir Zuhause sind? Wie gestalten, wie empfinden
wir diese Orte in einer Zeit, in der die Authentizität von
Lebensräumen immer stärker einem weltumspannenden Einheitsgesicht
mit Lokalkolorit weicht?
Vor dem Hintergrund zunehmender Verflüchtigung der Orte beschreibt
das Projekt die Suche nach einem emotionalen Raum, der Identität,
Geborgenheit, Sicherheit und Vertrautheit schafft. Es geht darum,
Heimat nicht nur als topografischen, sondern auch als metaphysischen
Raum visuell zu erkunden, der da beginnt, wo das Denken aufhört.
Gestalterisch und inhaltlich sehr unterschiedliche Bildlösungen
dokumentieren und reflektieren heutige Lebensräume, die durch
wachsende Urbanisierung, das Zusammentreffen verschiedener Ethnien
und gleichzeitig dem individuellen Wunsch, Privatheit und Zugehörigkeit
zu schaffen, gekennzeichnet sind.
Die arge lola (Kai Loges und Andreas Langen),
und der Fotoclub Leinfelden-Echterdingen
20.7. 02.9.2007
Eröffnung: Feitag, 20.7.2007, 20 Uhr
Begrüßung: BM Alexander Ludwig
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen
Hauptstraße 79, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: So. 10.30-12.30 Uhr und 14.30-17.30 Uhr
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Kai Loges (*1954) und
Andreas Langen (*1964) lernten sich beim gemeinsamen Fotografie-Studium
Mitte der 80er Jahre in Bielefeld kennen. Sie arbeiten zusammen
unter dem Namen die arge lola mit Firmensitz in Stuttgart.
Ihre Auftragsarbeiten, die vorwiegend im Bereich von Industrie,
Arbeitsprozessen, Porträt und Sachdarstellung liegen, inspirieren
häufig auch ihre freien Bildserien.
Dies gilt auch für die Aufnahmen aus Leinfelden-Echterdingen.
Eigens für die Ausstellung der Kulturregion entstand ihre Bildserie,
die sich mit visuellen und sonstigen Peripherien befasst - neue
Blicke auf die unbemerkten Ränder eines Ortes.
Sophie Schmalriede
21.7. 2.9.2007
Eröffnung: Samstag, 21.7.2007, 10 Uhr
Begrüßung: Fried Peter Bourseaux
Einführung: Dr. Eva Mahn
vhs Leinfelden-Echterdingen
Neuer Markt 1, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-12 Uhr und 19-22 Uhr
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Es gibt etwas, das der Mensch von klein auf mit sich herumträgt. Auch dann noch, wenn er entwurzelt ist. Und das ist seine Herkunft. Sie ist ein Mosaiksteinchen unserer Identität, ein Rädchen in unserer Persönlichkeit. Sie ist stets in uns, wo immer wir sind. Die Düsseldorfer Fotografin Sophie Schmalriede hat dieses Stückchen, das in uns allen verborgen ist, sichtbar gemacht. In ihrer Serie secret gardens ist sie mit befreundeten Männern und Frauen an die Orte ihrer Kindheit zurückgekehrt.
Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 28. 30. April 2006 statt.
Austragungsort wird auch in diesem Jahr wieder die Zehntscheuer
in Echterdingen sein.
Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen
am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen
über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.
Mit den Ausstellungen zur Jahrestagung greifen wir das Thema
Kommen und Gehen auf, das die Kulturregion Stuttgart
für das
Jahr 2006 an verschiedenen Orten realisiert.
Industrialisierung und prosperierende Wirtschaft haben eine große
Fluktuation und Internationalität unter den Menschen zur Folge.
Doch dieser Internationalität und Mobilität steht eine
überraschend stark ausgeprägte Verbundenheit mit der Heimat
gegenüber. Die allgemeinen Aspekte dieser Thematik in unterschiedlichen
Interpretationen sollen Gegenstand unserer Ausstellungen sein.
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Eva Mahn, Maasdam im Hafen
Jörg Boström, Kai-Olaf Hesse, David Klammer,
Bertram Kober, Eva Mahn, Ulrich Mertens,
Luzia Simons, Wolfgang Zurborn
30.4. 21.5.2006
Eröffnung: Freitag, 28.4.2006, 20 Uhr
Begrüßung: Erster Bürgermeister Ignac Vamos
Einführung: Dr. Eva Mahn
Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen
Hauptstr. 79
70771 LE-Echterdingen
Öffnungszeiten: So 10.30 12.30 Uhr und 14.30
17.30 Uhr
Kommen, Ankommen, zur Ruhe kommen, zu sich kommen, auskommen, zurechtkommen,
das klingt nach Sicherheit, Zufriedenheit, Stabilität, Heimat,
Familie und Tradition. Heimat ist der Ort und die Landschaft unserer
Kindheit, das Vertraute, das Trauliche, Gemütliche (trautes
Heim, Glück allein), die Zeit der Geborgenheit in der
Familie, die aber auch eine Zeit der Unmündigkeit war.
Damit etwas kommt, muss etwas gehen. Die erste Gestalt
der Hoffnung ist die Furcht. Die erste Erscheinung des Neuen ist
der Schrecken, schrieb Heiner Müller.
Gehen, das ist Verlassen, Verlieren, manchmal auch Flucht und deshalb
immer mit Angst besetzt. Gehen ist aber auch Veränderung, Neuanfang,
Erwartung, Neugier, Hoffnung, Mut und Zuversicht, Loslassen, um
die Hände freizubekommen, alles hinter sich lassen, um Neues
aufzubauen, Türen zuschlagen, um neue zu öffnen,
das Risiko eingehen, viel oder alles zu verlieren, den Partner,
die Arbeit, den Besitz und sogar die Heimat.
Aus dem Text zur Ausstellung von Eva Mahn im Bulletin der DFA
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Die eigene Identität im Zustand der Mobilität behandelt Luzia Simons in ihrer 32-teiligen Installation Transit in ganz unmittelbarer Form. Sie thematisiert ihren Pass und da ein Pass in den Ländern Europas, in denen die Künstlerin lebte, seit 1987, der neuen EU-Pass-Einführung, so viele Seiten hat, bezieht sich jede einzelne auf eine Seite des staatsbürgerlichen Dokuments. Für den Kontext der Installation Transit hat die Künstlerin die Sicherheitsstrukturen des sogenannten Identigrams im Pass im Ausschnittfragment gescannt und daraufhin vergrössert. Die einzelnen Elemente hat sie dann am Computer zu einer Patchwork-Collage frappanter Ornamentdetails mit fragmentierten Teilen ihres Gesichts verflochten. Somit entstehen Selbstportraits, die die Eigenständigkeit eines Menschen verkörpern, der nicht mehr fest an einen Ort gebunden ist.
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Eva Mahn befasst sich in ihrer Serie Traumschiff mit den
Mythen von Freiheit und Abenteuer bei einer Reise mit einem riesigen
Ozeandampfer. Ein Plakat der Zwanzigerjahre mit der Maasdam III,
einem Schiff der Holland-Amerika-Lijn, lockte sie schon
lange, eine Seefahrt zu machen und so landete sie schließlich
auf der Maasdam V, die in der Karibik, vor Kanada und Neuengland
kreuzt.
Die Reise auf dem Schiff übertraf meine kühnsten
Erwartungen: Ich war in einen modernen Sklavenhalterstaat geraten
und die Sklaven waren Philippiner und Balinesen. Auf 1.260 Passagiere
kamen 560 Crew-Mitglieder. Jeder noch so absurde Wunsch wurde den
Gästen erfüllt. 50 Dining Room Stewards und 25 Assistent
Stewards arbeiteten in zwei Durchgängen im Speisesaal, drei
Stewards für jeden Tisch. Ihre Bilder erzählen von
ihren ambivalenten Gefühlen, von der Faszination des Reisens
in ferne Länder, die sich mischt mit der Abscheu vor dem dekadenten
Leben auf dem Schiff.
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In der Arbeit von Kai Olaf Hesse wird der Aspekt des Kommen
und Gehens in einen komplexen historischen Kontext gestellt.
In seinem fotografischen Projekt über die ehemalige Bergbau-
und Schwerindustriestadt Ostrava in Tschechien stellt Hesse
diesen Ort als Sinnbild europäischer Prozesse nach 1989 dar.
Diese Stadt erlebt nach dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem
Niedergang der Schwerindustrie gegenwärtig einen dramatischen
Wandel. War ihre Identität zuvor tief in einem sozialistischen
Realismus verankert, weicht dieser einer globalisierten Formensprache,
den Corporate Idendities der Konzerne, Handels-, Hotel- und Fastfoodketten.
Dies geschieht nicht ohne dramatische Auswirkungen auf das Leben
der Bewohner der Stadt. Und es geschieht auch unter dem ökonomischen
Druck hoher Arbeitslosigkeit radikaler und schneller, als
es in vergleichbaren westlichen Städten der Fall war und ist.
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Die Protagonisten der Bildserie untitled von David Klammer bewegen sich in den Straßen dieser westlichen Ballungszentren, die wie ein seltsam somnambules und anonymisiertes Umfeld wirken. In den Bildern wird der öffentliche Raum zur theatralischen Schaubühne von Eitelkeiten und Kurzgeschichten. Es sind Schnappschüsse, die durch ihre Lichtinszenierung die Selbstinszenierung deutlich machen. Gestik und Habitus der von Klammer fotografierten Menschen werden als einstudierte und oft geübte Kopien von Idealismen einer Gesellschaft entlarvt, welche die industrielle Individualisierung als erstrebenswerten Maßstab ansieht. Klammer löst die Menschen mit seiner Blitztechnik aus dem Kontext der realen Szenerie heraus und macht das Kommen und Gehen als Ritual ohne konkretes Ziel zum Thema seiner Serie.
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Mit dem Strom der Menschen in den Straßen beschäftigt sich auch Jörg Boström. In seinen Fotografien gibt es aber keinen Blitz, der die Szenerie erhellt. Die Menschen werden nicht zu den Hauptdarstellern der eingefrorenen Momente. Boström ist an den ganz elementaren Wirkungen der Schwarz/Weiß-Fotografie interessiert, an der Darstellung von Licht und Schatten und einer daraus resultierenden Abstraktion, die viel Raum für die Phantasie des Betrachters lässt. Schattenspiele auf Asphalt und Pflastersteinen erzählen in sehr reduzierter Form von der Choreografie der alltäglichen Bewegungen im öffentlichen Raum.
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Auf sehr symbolische Art und Weise behandelt Ulrich Mertens das Thema der Ausstellung. Er möchte mit seinem Beitrag darauf aufmerksam machen, dass jedes Kommen auch ein Gehen, jedes Ankommen auch einen Abschied beinhaltet. Ihm geht es um die Frage der Perspektive, die unmittelbar mit diesem Sujet verbunden ist. Mit dem Medium "Fotografie" lassen sich besonders gut unterschiedliche Standorte einnehmen, die neue Sichtweisen auf das Thema ermöglichen. Fußspuren im Schnee, aufgenommen auf einem zugefrorenen See, einem scheinbar statischen Ort zwischen Zufluss und Abfluss, versinnbildlichen das Kommen und Gehen als immer wiederkehrenden Prozess.
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In menschenleeren Landschaften findet auch Bertram Kober seine Motive. Seine Sicht auf die Dinge ist dagegen wesentlich sachlicher. Er interessiert sich für Hochsitze, ihre Unterschiedlichkeit und ihre Ausstrahlungen, die sowohl Stärke wie auch Brüchigkeit vermitteln. Die genau kalkulierte Auswahl der Bildausschnitte und das gleichartige Licht während der Aufnahmen ermöglichen es dem Betrachter, in einer vergleichenden Wahrnehmung die unterschiedliche Architektur dieser oft kurios anmutenden, selbstgebauten Beobachtungstürme zu studieren. Es macht sich aber auch bedrohlich wirkende Ungemütlichkeit breit, da man vergeblich nach den Spuren des Wildes sucht und sich schließlich selbst an dessen Platz gestellt fühlt. Das Kommen und Gehen mit all seinen ambivalenten Empfindungen entsteht bei diesen Bildern komplett in der Imagination des Betrachters.
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In den Fotografien von Wolfgang Zurborn lösen sich die realen Orte unserer urbanen Umwelt immer mehr auf in einer Collage von Zeichen, architektonischen Details und Körperfragmenten. Er lässt sich ein auf eine Drift im Fluss der uns täglich umgebenden Reize und konstruiert mit dem Zusammenspiel der Bilder ein komplexes Netz von Assoziationen, die den Betrachter sensibilisiert für subtile Veränderungen von Wahrnehmungszuständen. Lebenswelten und mediale Welten sind in seinen Fotografien kaum mehr zu unterscheiden und so interpretiert er das Kommen und Gehen nicht mehr in Hinsicht auf einen konkreten Ort, sondern vielmehr in der Sehnsucht des zeitgenössischen Menschen im Meer der Zeichen und Bilder einzutauchen.
Ingo Taubhorn, Sibylle Fendt,
Simone Demandt, Delia Keller
30.4. 28.5.2006
Eröffnung: Samstag, 29.4.2006, 17.00 Uhr
Begrüßung: Katharina Goldbeck-Hörz
Einführung: Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 10.00 18.00 Uhr, So 11.00
13.00 Uhr
Die Ausstellung Zwischen Obsession und Konstruktion - Dimensionen
inszenierter Identität führt sehr unterschiedliche
Ansätze von Konstruktionen der eigenen Identität zusammen.
Die Rolle der Fotografie in diesem Zusammenhang reicht vom Glauben
an das Authentische, über die Inszenierung und die installative
Kontextualisierung bis hin zur modellhaften Stilisierung. Gerade
das Aufeinanderstoßen dieser so divergierenden künstlerischen
Strategien ermöglicht es den Betrachtern, sich auf die unterschiedlichen
Verfahren und Dimensionen, Ansprüche und Verstiegenheiten eigener
und fremder Lebensentwürfe einzulassen.
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Mit seiner Arbeit VaterMutterIch macht Ingo Taubhorn deutlich, welch wesentlichen Faktor in seiner Persönlichkeitsbildung die prägende Macht der Kindheit darstellt. Er fotografiert die eigene Familie, die biologische Familie, der er entwachsen ist und findet in seinen Eltern bereitwillige Akteure in diesen aus dem alltäglichen Leben herausgegriffenen Inszenierungen des Privaten. In seiner Fotoinstallation kontrastiert er diese Einblicke in kleinstädtisches Leben mit Bildern von seinem schwulen Freundeskreis in Berlin, seiner Wahlfamilie. Gerade in der Gegenüberstellung dieser sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe, werden aber auch sehr ähnliche alltägliche Riten sichtbar.
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Sibylle Fendts fotografische Haltung geht über einen privaten Ansatz hinaus. Sie richtet ihren Blick nicht auf Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld. Die Protagonisten verschiedener Serien der letzten Jahre verbindet das Leiden an psychosomatischen Krankheiten. Durch eine sehr intensive Zusammenarbeit mit den Fotografierten erarbeitet Fendt sich eine Vertrauensebene, die Portraits von spürbarer emotionaler Nähe ermöglicht und zugleich der je besonderen Befindlichkeit der Portraitierten Ausdruck verleiht, aber auch die verschobene Wahrnehmung der realen gesellschaftlichen Zusammenhänge dokumentiert. Die Serie Ana mit Fotografien von jungen Frauen, die an Magersucht leiden, entstand in zwei psychosomatischen Kliniken in Deutschland.
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In ihrem Fotoprojekt Blamage befasst sich Simone Demandt
mit einem Ort, in dem Euphorie und Peinlichkeit gleichermaßen
zuhause sind: der Schulturnhalle. Ihre Arbeit basiert auf Texten
ihrer Freunde, die angefüllt sind mit Erinnerungen an diesen
Raum voller kollektiver körperlicher Grenzerfahrungen. Diese
erzählen von Schönheit und Eleganz, aber auch von Hässlichkeit
und Ungeschicklichkeit.
Auch wenn ihre Bilder die Anmutung von Dokumentarfotografie haben,
glaubt sie nicht an den rein abbildenden Charakter der Fotografie.
Im installativen Zusammenhang mit Objekten und Texten werden existentielle
Fragen evoziert, die über das unmittelbar Sichtbare hinausgehen.
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Die Serie La Dame en Blue von Delia Keller wirkt geheimnisvoll.
Wie in einem Tagtraum wandelt eine junge Frau in blauem Kleid durch
räumliche Szenarien, zwischen Architektur und natürlichen
Formationen. Der Gang der Protagonistin bleibt ambivalent und ergibt
für den Betrachter keinen eindeutig nachvollziehbaren narrativen
Zusammenhang. Dargestellt von der Fotografin selbst, lockt die Figur
trotz ihrer gestischen Statik den Betrachter in den Sog eines quasi
filmischen Zusammenspiels der acht Motive. Die ausgeklügelte
Inszenierung jeder einzelnen Aufnahme friert die visuelle Dynamik
des Einzelbildes und die Bewegung in der Abfolge ein. Delia Kellers
Arbeit verweist in ihrer abstrahierenden Dimension auf das Unsichtbare,
das vielleicht Inexistente, das die Dame in Blau auf den Spuren
von Jean Cocteau gleichwohl heroisch verfolgt.
Ute Behrend
29.4. 30.6.2006
Eröffnung: Samstag, 29.4.2006, 19.00 Uhr
Begrüßung: Roland Burg
Einführung: Wolfgang Zurborn
Burg galerie coiffeur
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di Fr 8.00 18.00 Uhr, Sa 7.30
- 14.00 Uhr Mo geschlossen
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Ute Behrend stellt Bildpaare vor, die auf die kindliche
Phantasiewelt verweisen, an geträumte und erinnerte Szenerien
aus allseits bekannten Märchen anknüpfen. Die fragmentierten
Aufnahmen verstärken den Aspekt von Unglück und Verlorenheit,
der in den Märchenszenerien vorherrscht: Reminiszenzen an keineswegs
idyllische Verhältnisse und kindliche Erlebnisse, die retrospektiv
zumeist von Erinnerungen an familiäre Behausungen und Geborgenheit
überdeckt werden.
Sie spürt Orte und Zeichen auf, sucht Signale und scheinbare
Zufälligkeiten. Jede Arbeit besteht aus zwei gleichformatigen
Bildern. Das Bildmaterial ist assoziativ und dokumentarisch zugleich.
Durch die präzise ausgewählten und dialogisch festgelegten
Bildpaare gerät Behrend zu einer Spurenlegerin, deren fiktive
Erzählweise zum Schlüssel für die Vorstellungskraft
des Betrachters wird.
In der Reihe: Schätze aus dem Archiv
der deutschen Fotografischen Akademie
Henning Christoph
30.4. 30.7.06
Eröffnung: 29.4.06, 18.00 Uhr
Begrüßung: OB Roland Klenk / Dr. Bernd Klagholz
Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: So 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Voranmeldung (0711 / 997 54 09)
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Die sozialdokumentarische und journalistische Fotografie spielt
in der Deutschen Fotografischen Akademie eine sehr gewichtige Rolle
und so hatte sie diese im Jahr 2004 unter dem Titel Fremde
Nähe zum Schwerpunkt ihrer Jahrestagung gemacht. In diesem
Rahmen hatte die DFA schon Fotografien von Henning Christoph über
die traditionellen Riten des Voodoo im Benin gezeigt, einem Thema,
dem er sich seit 1993 ausschließlicht widmete.
Im Rahmen der Ausstellungsreihe Schätze aus dem DFA-Archiv
können wir jetzt einen Einblick in sein früheres Schaffen
gewinnen. Schwarz/Weiß-Fotografien von türkischen Familien
im Ruhrgebiet erzählen mit detailreichen Beschreibungen von
ihren religiösen und kulturellen Ritualen in einer fremden
Umgebung. Man spürt Christophs tiefes Interesse für die
Lebensbedingungen dieser Menschen, die als Gastarbeiter nach Deutschland
gekommen sind.
Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 15. 17. April 2004 statt.
Austragungsort wird auch in diesem Jahr wieder die Zehntscheuer
in Echterdingen sein. Bildpräsentationen und Vorträge
von Mitgliedern und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein
Forum zur Auseinandersetzungen über die Möglichkeiten
der zeitgenössischen Fotografie.
In diesem Jahr vergibt die DFA die David-Octavius-Hill-Medaille
und die
Stadt Leinfelden-Echterdingen ihren mit 5000 Euro dotierten
Kunstpreis an Bernhard Prinz.
Mit Bernhard Prinz hat die Deutsche Fotografische Akademie einen Künstler ausgezeichnet, der konsequent die fiktionalen Aspekte des Mediums auszuloten weiß und damit die künstlerischen Dimensionen der Fotografie erweitert hat.
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Bernhard Prinz, Ohne Titel aus BLESSUR, 1996
Ausstellung mit Arbeiten von Bernhard Prinz
15.4.13.5.2005
Eröffnung mit Preisverleihung: Freitag, 15.4.2005, 18 Uhr
Begrüßung: Oberbürgermeister Roland Klenk
Laudatio: Anna-Catharina Gebbers
Öffnungszeiten: Mo -Fr 10-17 Uhr
MHZ Hachtel GmbH,
Sindelfinger Str.21
70771 LE-Musberg
Peter Granser, Haubitz + Zoche, Marc Volk, Thomas Zika
16.4. 29.5.2005
Eröffnung: Samstag, 16.4.2005, 18 Uhr
Einführung: Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 16-18, So 11-13 Uhr
Das verbindende Element der fotografischen Arbeiten in der Ausstellung
SehBad ist das Wasser. Es taucht in unterschiedlicher medialer
Form auf, als visuelles Rauschen, in dem sich die Mythen der Tourismusindustrie
auflösen, wie auch als hyperreale Abbildung, die ein Sprungbecken
in einen lichtdurchfluteten Raumkörper transformiert.
Das Auge des Betrachters geht baden und stößt dabei oft
an die Grenzen der medialen Wahrnehmung. Dieser Verlust der Orientierung
kann als Akt verstanden werden, der dem Zustand des Schwimmers ähnlich
ist, der die Kontrolle über seinen Körper aufgibt, um
sich in die Fluten zu stürzen. Das Erlebnis des Wassers ist
dabei immer zweiseitig konnotiert, als Labsal aber auch als lebensbedrohliches
Element, wie es die Flutkatastrophe wieder in unser Bewusstsein
rückte.
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Für seine Serie "bathers" bearbeitet
Thomas Zika Fotos aus Reisekatalogen und Reiseprospekten
mit Strandansichten aus aller Welt. Die grellbunten Vorlagen werden
von ihm bearbeitet, indem er Ausschnitte von Luftaufnahmen mit offener
Blende und geringster Schärfe reproduziert und dabei den Horizont
eliminiert. Diese Fotografien werden dann digital bearbeitet bis
farblich fast völlig entsättigte Bilder entstehen. Das
Medium wird zum Fluidum der Unschärfen, der Wellen und Interferenzen.
Sichtbar bleiben nur noch einige menschliche Figuren, die aus ihrem
Raum und Zeit-Kontinuum herausgelöst worden sind.
Zika schafft Abstraktionen, die sich von den gängigen Ansichten
und Hyperzeichen der Orte, Badestrände und Hotelanlagen völlig
abgelöst haben. Partiell in aller Schärfe auftauchendes
Druckraster desillusioniert diese Werbewelt, während in den
Partien einer rasterlosen Unschärfe die visuellen Elemente
übergehen in den Schein einer flüssigen, kontinuierlichen
Vision von Meer und Strand.
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In ganz anderer Form begegnet Peter Granser den Mythen der
Freizeitindustrie. In Coney Island, New Yorks einstiger luxuriöser
Flanier- und Amüsiermeile an der Altantikküste, findet
er Bilder, die für ihn sinnbildlich für Amerikas Konsumverhalten
sind. Eingebunden in Meeresrauschen und Möwengeschrei rattern
die hölzernen Achterbahnen und Riesenräder der Vergangenheit,
bietet der, insbesondere in den Sommermonaten gnadenlos überfüllte
Strand jedem eine einzigartige Freizeit- und Selbstinszenierungs-Plattform.
Coney Island ist aufdringlich, schrill und billig, aber sie ist
die Spielwiese der Nation - wer sie nicht gesehen hat, hat
nichts vom Land gesehen behauptete Reginald Wright Kauffmann
bereits 1909.
Granser entwirft ein Bild vom Strandleben, in dem der Betrachter
in einem Meer von Zeichen versinkt. Das reale Meer erscheint nur
noch als Schaum der Wellen zwischen Coladosen, Melonenstücken
und weggeschwemmten Schuhen. Den Menschen auf seinen Bildern scheint
jeder Sinn dafür verloren gegangen, die See selbst als eine
Attraktion zu verstehen, so sehr sind sie eingetaucht in die Verlockungen
von Luna Park und Dreamland.
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Das Chaos der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Handlungsebenen
an einem belebten Strand ist das Thema der Arbeit "SameTime/SamePlace"
von Marc Volk. Mit dem Medium der Fotografie löst er dieses
Chaos auf und wandelt es in ein Nebeneinander um. So können
gleichzeitig
getätigte Aufnahmen in eine direkte Beziehung gebracht werden,
die ein ruhiges Betrachten ermöglichen. Sehen ist Vergleichen!
Von einem erhöhten Standpunkt fertigt Marc Volk ein Übersichtsfoto
von dem Treiben am Strand an, das als Ausgangsmaterial für
Ausschnittsvergrößerungen dient. Diese Vergrößerungen
zeigen verschiedene einzelne Situationen, die
zwar gleichzeitig stattgefunden haben, aber erst durch die Anordnung
in einem Tableau nebeneinander wahrgenommen werden können.
In der Abstraktion der Darstellung, forciert durch eine digitale
Bearbeitung, die die Pixel sichtbar werden lässt, sind die
Menschen auf den Bildern nicht mehr als Individuen erkenntlich,
sie werden zu Bestandteilen eines Musters immer wiederkehrender
täglicher Rituale.
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Mit einem radikalen Perspektivwechsel tauchen wir buchstäblich
ein in die Bildwelten des Künstlerduos
Haubitz + Zoche. Die Unterwasserräume der Werkgruppe
"Wasserspiegel" vermitteln in ihrer Bewegungslosigkeit
eine fast kontemplative Ruhe. Die fotografische Belichtung als Verdichtung
von Zeit, die sich im Sammeln von Licht im Blau der unbewegten Wasserräume
abbildet, zeigt klare Spiegelungen an der Unterseite der Wasseroberfläche.
Die Transformation in lichtdurchflutete Raumkörper erfolgt
dabei nicht nur durch die Aufnahmen selbst, sondern wird signifikant
durch die Präsentation der Fotos als Leuchtkästen unterstrichen.
Durch die ungewöhnliche Perspektive und das Fehlen jeglichen
Lebenszeichens erscheinen die Schwimmbecken nicht in ihrem funktionalen
Zusammenhang sondern mutieren zu einer phantastisch anmutenden architektonischen
Situation, die dem Betrachter das Erlebnis des Mediums Wasser in
sehr ambivalenter Weise ermöglicht. Es wird für uns zu
einer Materie, die uns das Gefühl gibt, nach dem Licht greifen
zu können und gleichzeitig umhüllt es uns so vollständig,
dass wir uns bei aller Weite des Blicks bedrohlich eingeengt fühlen.
Bertram Kober
16.4. 18.6.2005
Preview: Samstag, 16.4.2005, 19 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
Eröffnung: Sonntag, 17.4.2005, 11 Uhr
Galerie Coiffeur Burg
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-14 Uhr, Mo geschlossen
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Was den Touristen wie das Eldorado ihrer Einkaufslüste erscheint,
stellt sich in den Augen von Bertram Kober als absurdes Theater
dar. Schauplatz sind die überquellenden Schaufenster und Regale
der Läden im Grödnertal. Die südtiroler Scultori
sind durch ihre Schnitzkunst seit vielen Jahrzehnten in ganz Europa
bekannt. Ihre Madonnen, Herrgottfiguren und Heiligen haben Markencharakter.
Einzeln erworben, dienen sie der ganz privaten Andacht. Ausgestellt
werden sie jedoch als Massenware, häufig über- und nebeneinander.
Auch Klimtsche Liebespaare, Putti, Wurzelzwerge und Pinoccios werden
untergemischt und erweitern so das käufliche Gemenge.
Über Jahre schon hat Bertram Kober bei seinen Besuchen in den
Orten des Tales diese Konstellationen wahr- und aufgenommen. Der
Fotograf erweist sich, wie schon in früheren Arbeiten (z.B.
"Kulpoche" und "Legitime Aspekte des Alltags")
als wacher Beobachter kultureller Verwerfungen. Er erfaßt
Schnittstellen zwischen schlichter Realität und tiefer Sehnsucht
in wohl formulierten fotografischen Bildern. In ihnen fließen
Komponenten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen.
In der Reihe: Schätze aus dem Archiv
der deutschen Fotografischen Akademie
Stefan Moses
17.4. 17.7.2005
Eröffnung: Freitag, 15.4.2005, 19.30 Uhr
Begrüßung: Prof. Manfred Schmalriede
Einführung: Dr. Bernd Klagholz
Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
Schönaicher Sträßle 4
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: So 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Voranmeldung
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In seinem Porträtzyklus "Deutsche", den Stefan
Moses seit 1963 auf Reisen in der Bundesrepublik realisierte,
durchbricht er die übliche Fotoästhetik der 60er Jahre
und deren Vorstellungen einer tradierten Reportage mit einer konzeptionellen
Strategie. Mit einem als Hintergrund aufgespanntem Tuch löst
er die abgebildeten Menschen, Deutsche aus allen Gesellschaftsschichten
bekannt ebenso wie unbekannte Zeitgenossen, aus dem alltäglichen
Kontext heraus. Man sieht den porträtierten aber an, dass der
Fotograf zu ihnen gekommen ist, sie in ihrem Umfeld aufgesucht hat
und sie nicht in sein Studio bestellt hat. Ihr Lebensraum ist zwar
nicht sichtbar, aber ihre natürliche Gestik und Mimik und der
Humor, der in vielen Bildern durchschimmert, macht ihn spürbar.
Anders als bei August Sander scharf analysierendem Blick auf die
Menschen, definiert Stefan Moses dieses nicht als Teil einer gesellschaftlichen
Klasse. Er glaubt eher an das Individuum und lässt den Abgebildeten
daher viel Raum für Ihre Selbstinszenierung und die Identifizierung
über ihren Beruf.
Nach dem Fall der Mauer 1989 konnte Stefan Moses seine Porträt-Serie
in den östlichen Teilen Deutschlands fortsetzen.
Abbildung: aus der Serie Deutsche: Rollmopspackerinnen,
Büsum
Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie
findet vom 23.4. 25.4.2004 statt.
Neuer Austragungsort ist in diesem Jahr die Zehntscheuer in Echterdingen,
Maiergasse 5. Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern
und Gästen am Samstag und Sonntag bieten ein Forum zur Auseinandersetzungen
über die Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie.
Der Schwerpunkt der Ausstellungen zur Jahrestagung liegt in diesem
Jahr auf der journalistischen Fotografie.
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Roman Bezjak, Kabul 1993
Hanns-Jörg Anders
Roman Bezjak
Jürgen Escher
23.4. - 28.5.2004
Eröffnung: Freitag, 23.4.2004, 20 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Dr. Gerhard Haag
Einführung: Peter V. Brinkemper
Foyer der MHZ Hachtel GmbH
Sindelfinger Str.21
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17 Uhr
Henning Christoph
André Lützen
und als Gäste die Künstler der Galerie
Jörg Winde
Alexander von Reiswitz
24.4. - 13.6.2004
Eröffnung: Samstag, 24.4.2004, 18 Uhr
Einführung: Uwe J. Reinhardt und Wolfgang Zurborn
Galerie Altes Rathaus Musberg
Filderstr. 44
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Sa 16-18, So 11-13 Uhr
Dirk Reinartz
24.4. 25.5.2004
Preview: Samstag, 24.4.2004, 19 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 25.4.2004, 11 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede
galerie coiffeur, Burg
Friedrichstr. 4
70771 LE-Musberg
Öffnungszeiten: Di-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-14 Uhr, Mo geschlossen
Peter Thomann
23.4. 21.5.2004
Eröffnung: Freitag, 23.4.2004, 18 Uhr
VHS Leinfelden
Neuer Markt 1
70771 Leinfelden-Echterdingen
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17 Uhr
Die journalistische Fotografie hat in der letzten Zeit wieder sehr
stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Ihr Wirkungskreis bleibt nicht
auf die Printmedien beschränkt. Immer mehr taucht sie in Museen
und Galerien auf. Die Sehnsucht, in Fotografien konkrete Bezüge
zu Lebenszusammenhängen zu finden wächst in Zeiten, in
denen diese durch die höhere Wahrscheinlichkeit von globalen
Katastrophen bedroht sind.
In Fremde Nähe, der Ausstellung zur journalistischen
Fotografie innerhalb der DFA, stellen die Bildautoren sehr unterschiedliche
Annäherungen an ihre Themen vor. Der entscheidende Impuls für
ihre Neugier hat ganz verschiedene Quellen. .
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Jürgen Escher identifiziert sich völlig mit den Menschen, die er in Afrika fotografiert hat, und wünscht sich das auch für den Betrachter. Dieser hat keine Möglichkeit, sich der Intensität dieser Porträts zu entziehen, mit denen er förmlich in die Gesichter eintaucht. Orientierung geben dann die mit den Bildern kombinierten Interviews, die Christian Frevel mit den Männern, Frauen und Kindern aus dem von Bürgerkriegen gezeichneten Kongo geführt hat. Die fremde Welt löst sich auf in der Präsenz der Individuen, die mit persönlichen Aussagen zu ihrem Alltagsleben einen Schlüssel zum Verständnis liefern. Mit ihrem Buch- und Ausstellungsprojekt Hautnah-Berührungen mit Menschen im Herzen Afrikas holen Escher und Frevel ihre Protagonisten aus der Anonymität der Masse heraus.
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Die Inneren Angelegenheiten von Dirk Reinartz
kehren diesen Wahrnehmungs-
prozeß um. Farbfotografien von menschenleeren Straßen
und Plätzen in Deutschland lassen eine Fremdheit in allzu vertrauter
Umgebung spüren. Öffentliches Leben findet kaum mehr statt,
da sich jeder sein individuelles Refugium schafft. Die
vielen kleinen Details in seinen Bildern entwickeln ein Eigenleben
und erzählen von begrabenen Sehnsüchten und gescheiterten
Illusionen. In strengen Kompositionen skizziert er das Bild einer
ordentlichen Republik, die möglichst alles unter Kontrolle
haben will. Die subtilen ironischen Brüche in dieser aufgeräumten
Welt sind es, die uns die Hoffnung geben, dass noch Leben hinter
den Fassaden schlummert.
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André Lützen sprengt den Rahmen des Bildjournalismus. Die eindeutige Botschaft und die sachliche Dokumentation interessieren ihn nicht. In seiner Arbeit Generation Boule Fale über die Rapszene zwischen Marseille und Dakar entwickelt er eine ganz eigene Bildsprache, die nicht den fruchtbaren Moment auswählt, sondern die Aufnahme, die den Rhythmus komplettiert. Er setzt nicht auf das Authentische, da er sich des Fiktionalen jeder Erzählung bewusst ist. Aus der Hand fotografierte Schwarz-Weiß-Fotografien und farbige Videostills zu fast filmisch wirkenden Sequenzen montiert, zeigen eine Seelenverwandtschaft mit der Musikszene, die er fasziniert erkundet und schaffen komplexe Bezüge zu politischen und musikhistorischen Zusammenhängen.
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Die traditionellen Riten des Voodoo im Benin sind es, die den Foto-Journalisten und Ethnologen Henning Christoph bei einer Auftragsproduktion für das Magazin Geo 1988 so faszinierten, dass er sich 1993 entschloss, seine ganze Arbeit nur noch dieser für uns Europäer so exotischen Welt zu widmen. Mein Traum war, einmal nicht an der Oberfläche eines Themas zu bleiben, sondern hinter seine Geheimnisse zu kommen. Im schnelllebigen Geschäft des Bildjournalismus, in dem der Fotograf oft zum Supertouristen zwischen allen Krisenherden der Welt wird, stellt das einen wirklichen Luxus dar. Christoph versteht sich als Chronist, der einen Zugang zu der für ihn sehr toleranten Glaubensform des Voodoo schafft und dabei alle blutgetränkten Hollywood-Klischees aus dem Weg räumt. Er beschränkt sich nicht auf seine eigene Fotografie, sondern betreibt auch eine Fotoagentur, die sich auf Bilder vom schwarzen Kontinent spezialisiert, und hat ein Voodoo-Museum in Essen eingerichtet. Als einziges seiner Art in Europa führt es seine Besucher in die geheimnisvolle Welt des Soul of Africa ein.
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Als klassischer Bildjournalist erzählt Roman Bezjak authentische Geschichten aus Osteuropa. Er komponiert traumhaft wirkende Szenarien. Die Perspektive wechselt zwischen Nahaufnahmen und dem weiten Blick in die Landschaft, zwischen Einzel- und Gruppenporträts. Aus dem Stoff des gesellschaftlichen Alltags und der politischen Wirklichkeit schafft er bühnenreife Darstellungen von bemerkenswerter Suggestion. Fremde Orte in Zeiten des Umbruchs und der Bewegung üben den filmischen Sog des scheinbar Bekannten aus. Der distanzierte Betrachter wird zum imaginativen Teilnehmer, der die Signale der Hoffnung und die Spuren der Enttäuschung, die Symbole der Macht und die Symptome der Ohnmacht zu lesen versteht. Bezjak war zwischen 1991 und 2001 unterwegs, in Bukarest und Baku, Bischkek und Berg-Karabach, Eriwan und Etschmiadsin, Kabul und Kostroma, Sofia, Tiraspol, Duschanbe, Buchara und Kattowitz.
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Jörg Anders macht in seinen Porträtaufnahmen keinen Unterschied zwischen gesellschaftlichen Außenseitern und anerkannten Persönlichkeiten. Leitmotiv ist für Anders das Studium des sich selbst erforschenden Blicks kreativer Menschen, in denen die Kategorien der Vertrautheit und Fremdheit ineinander umschlagen. Die Kamera verfolgt Augenpaare, die sich auf ein Werk oder ein Gegenüber richten. Schwarz-weiße Nahaufnahmen arbeiten aus Joseph Beuys horchender Mimik die Physiognomie hochkonzentrierter Präsenz und Aufmerksamkeit heraus. Auf den Porträts von nervenkranken Art-Brut-Schaffenden findet sich ein anderer und doch ähnlicher Blick: Der Blick, der berührt ist von der Verstörung des eigenen Ichs, um sich auf die Odyssee eines riskanten persönlichen Kunstschaffens zu begeben.
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Auf heimischem Boden inszeniert
Peter Thomann in seiner Serie Deutschland Spiegel
Verkehrt den ästhetischen Reiz von Spiegelwelten.
Die Ausgangsbilder der vertrauten Umgebung werden dem Spiel von
Umkehrung und Verdopplung unterzogen. So mutieren bekannte Motive
zu gegenläufigen architektonischen Strukturen und Kulissen.
Bildinhalte werden verfremdet, verzerrt und aus ihrem Kontext herausgelöst.
Sie werden zu Projektionen, die in imaginäre Richtungen umgelenkt
werden. Die endlose Vervielfältigung der Realität schlägt
um in die Virtualität des Irrealen.
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Als Gäste nehmen bei der Ausstellung die beiden Künstler
der Galerie Altes Rathaus Musberg Alexander von Reiswitz und
Jörg Winde teil.
Die Inspiration für seine Reise nach Mexiko nahm von
Reiswitz von den Büchern Carlos Castanedas, die in der
mexikanischen Somora-Wüste von indianischen Zauberern handeln.
Mit klassischer S/W-Fotografie lädt er den Betrachter ein zu
einer "Wahrnehmung-Reise" nach den fremden Kulten der
Huicholes-Indianer.
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Jörg Winde schildert in seiner Arbeit
Shivas Land. Götter, Tempel und Mythen in Südindien
seine Eindrücke von dieser für uns Europäer
so exotischen Kultur. Fabfotografien voller narrativer Details lassen
uns das öffentliche Leben Indiens in komplexer Dichte nachempfinden
und bieten einen Zugang zu anderen Religionen.
Das Aufeinanderprallen dieser sehr unterschiedlichen Weltsichten
macht deutlich, wie sehr jede fotografische Arbeit definiert ist
durch die subjektiven Intentionen des Fotografen und seine ästhetischen
Kriterien und wie sehr wir deshalb skeptisch sein sollten gegenüber
dem, was uns täglich als scheinbar neutrale und sachliche Nachricht
durch die Medienwelt vermittelt wird.
Die Unterschiede von Fremdem und Nahem zerfließen in der Omnipräsenz
der Bilder, die längst alle Grenzen überschritten haben.
Darin besteht aber auch eine Chance, bewusst zu machen, dass die
bisherigen Schranken und Orientierungsmuster nicht länger haltbar
sind. Zukünftig sind verantwortbare Konstruktionen der Zugehörigkeit
nur in dynamischen Beziehungen und nicht mehr absolut zu sehen.
Weitere Ausstellung zur Jahrestagung der DFA
Reservate - Landschaften in Ausschnitten
23. April bis 25. Juli 2004
Eröffnung: 23.4.04, 19.00 Uhr
Einführung: Prof. Manfred Schmalriede, Pforzheim/Berlin
Stadtarchiv, Stadtteil Musberg, Schönaicher Sträßle
4,
Firmengebäude MHZ-Hachtel.
Öffnungszeiten: So 14-17 sowie nach telefonischer Vereinbarung
(Tel. 0711/9975409).
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Charles Compère konfrontiert die Gebirgslandschaft des Tessin mit seiner Großbildkamera. Eine Herausforderung der Bergwelt, wenn man bedenkt, wie gigantisch sie erscheint, angesichts eines Fotografen, der diese Größe über Bilder begreifen möchte und dabei ganz wesentlich auf Ideen und Technik setzt. Die technische Qualität der Kamera, des Objektivs und nicht zuletzt des Filmmaterials machen es möglich, weite Räume zu erfassen und selbst bei großer Distanz die vielfältigen Phänomene differenziert vorzuführen. Wo das Auge nur punktuell Details wahrnimmt, breitet das Bild sie scheinbar ohne Grenzen aus, so dass der Eindruck entsteht, die Berge, Bäume, Sträucher, Gräser und Moose werden fotografisch zu Texturen abstrahiert, auf eine transparente Schicht übertragen und auf die Oberfläche der Berge, Bäume etc. zurückprojiziert. (Prof. Manfred Schmalriede)
Ausstellungsdauer: 2.5. – 25.5.2003,
Rundgang
Eröffnung: Freitag, 2.5.2003, 20 Uhr
Teilnehmende Künstler:
Axel Boesten, Wolfgang Bellwinkel, Peter Bialobrzeski, Andreas Gefeller,
Göran Gnaudschun, Kai-Olaf Hesse, Claudio Hils, Zoltan Jokay,
Wiebke Leister, Eva Mahn, Hartmut Nägele, Marc Räder.
Es sprechen:
Roland Klenk, Oberbürgermeister der Stadt Leinfelden Echterdingen
Prof. Manfred Schmalriede, Präsident der DFA
Städtische Galerie Filderhalle, Leinfelden, Bahnhofstr. 61
Dienstag bis Freitag 16-19 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Montag und Samstag geschlossen
Unter dem Titel "Verheißung des Individuellen" präsentiert
die Ausstellung zur Jahrestagung der DFA mit den Arbeiten neuer
Mitglieder zwei motivische Schwerpunkte: Ansätze der Porträtfotografie
werden mit Arbeiten kombiniert, die sich mit dem öffentlichen
und halböffentlichen Raum auseinandersetzen.
Das Spannungsfeld zwischen der Individualität und Nähe
bei den Porträts und der Anonymisierung, die bei den Kontext-Ansichten
vorherrscht, kann das Verständnis vom Individuellen in der
modernen Gesellschaft schärfen.
In seinem Buch "Die Tyrannei der Intimität" hat
Richard Sennett den Verlust und Niedergang des öffentlichen
Lebens gerade durch den Rückzug des Menschen auf den geschützten
Raum des Privaten erklärt.
Sind somit fortschreitende Individualisierung und Anonymisierung
kein Gegensatzpaar? Begründen sie sich vielleicht sogar gegenseitig?
Die Ausstellung soll darauf keine eindeutige Antwort liefern, sondern
durch Gegenüberstellung und Kontrastierung unterschiedlicher
Positionen ein möglichst komplexes Bild der Verheißungen
des Individuellen in der modernen Zivilisation liefern.
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Die utopisch wirkende Megastadt, die Peter Bialobrzeski mit seiner Arbeit „Neon Tigers“ - großformatigen Farbfotografien aus den asiatischen Metropolen Bangkok, Kuala Lumpur, Hongkong, Shanghai, Jakarta und Shenzhen - entstehen lässt, hat wirklich nichts mehr mit dem Bild überschaubarer alteuropäischer Städte zu tun, deren Straßen und Plätze die Bühnen des öffentlichen Lebens aller Bürger waren. Deren nivellierte Individualität wurde in den modernen Industriegesellschaften zum Mythos verkaufbarer Moden. Der Mythos treibt die Menschen in die Schutzzonen privater Isolation oder fordert sie zu ständig neuen Selbstinszenierungen heraus, um sich von der Menge abzuheben. So finden wir in Peter Bialobrzeskis Visionen einer ausufernden Zivilisation kaum mehr reale Erfahrungswelten, wir fühlen uns in die Filmszenarien von „Blade Runner“ versetzt.
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Diese Dynamik der Entwicklung, die in Süd-Ost-Asien zu beobachten ist, ist auch für Wolfgang Bellwinkel ein zentrales Thema. Schon seit den späten 70er Jahren fühlt er sich von dieser Region angezogen und hat in mehreren Reisen ein präzises Gespür für den Wandel dort entwickelt. Sein Blick auf diese Welt verlässt die Perspektive der Totale und widmet sich in fragmentarischen Beobachtungen zur Diskrepanz zwischen affirmativer Ästhetik und gesellschaftlicher Realität. Die Fotografien seiner Serie „Beyond Paradise“ handeln von den Illusionen und Sehnsüchten einer Welt, die völlig auf den Konsum abzielt. So taucht der Mensch in seinen Bildern nur noch als Ikone der Jugend und Schönheit in Form von monumentalen Werbeflächen auf.
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Mit Fassaden ganz anderer Art beschäftigt sich Kai-Olaf Hesse in seiner Serie „Bilder in Berlin“. Seine Aufnahmen fahnden nach der konkreten Arbeit am Mythos Berlin, den Bauplätzen als Schauplätzen, in denen sich die neue Hauptstadt mit dem Umpflügen und Umgestalten ihres historisch aufgeladenen Untergrunds in Szene setzt, um den Status einer Metropole des 21. Jahrhunderts zu erringen. Hesse legt den chimärischen Charakter der vermeintlichen architektonischen Sinnstiftungen, die Fassadenhaftigkeit und Austauschbarkeit der Bauten frei, die gerade auch in ihrer perfektionistischen Glätte oder in ihrer historischen Rückwärtsgewandtheit als halbfertige, nicht-individuelle Lösungen auftreten.
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Axel Boesten geht in seiner Arbeit „traffic island“, die er in Irland realisiert hat, der Fragestellung nach, inwieweit Natur- und Wirtschaftsräume sich im postindustriellen Zeitalter zu gleichförmigen Parklandschaften verbinden. In einer Serie von formal strengen Farbfotografien schafft er subtile assoziative Bezüge zwischen distanzierten Portraits, die eine Begegnung mit Individuen im Vorübergehen evozieren, und den umweltfreundlichen industriellen Kontexten, die die Natur als gepflegtes Reservat integrieren. Der sozioökomische Raum der Gesellschaft erscheint als ein unsichtbares Netz, das unsere Wahrnehmung von Mensch und Natur, Individualität und Stereotyp vorfiltert.
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Bei der Arbeit „Mallorca / island in progress“ von Marc Räder fühlt sich der Betrachter in eine Katalog-Landschaft aus Pappmaché versetzt. Doch er täuscht sich, die Bilder sind wirklich im Ferienparadies entstanden. Es ist zunächst nur die Aufnahmetechnik mit einer Verlagerung der Schärfenebene, die die Illusion entstehen lässt, wir schauten auf kleine Plastikfigürchen in einer Spielzeugwelt. Reisen als Erfahrung des Fremden und Anderen, als Erweiterung des Horizonts und zur Überwindung der persönlichen Provinzialität? Nein, in diesen Fotografien wirken die Touristen wie passive Statisten in einem medialen Guckkasten, dessen globale Nähe jeden Hauch von großer weiter Welt erstickt.
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Wie sollten wir aber auch beim Reisen die Fähigkeit entwickeln können, uns auf das Unerwartete einzulassen, wenn unsere alltägliche Wahrnehmung zu Hause am Arbeitsplatz so geprägt ist von Anonymität und Austauschbarkeit, wie in den Bildern von Hartmut Nägele. Seine Fotografien zeigen moderne Räume – Büros, Geschäftsgebäude und deren Fassaden. Sie untersuchen die Materialität ihrer Oberflächen und beschreiben die Unwirklichkeit der dort geschaffenen Öffentlichkeit. Warum ertragen die Menschen die Kälte dieser von allen Spuren ihrer eigenen Existenz bereinigten Orte? Die perfekte Gestaltung gibt ein Gefühl der Unangreifbarkeit, schützt vor der Empfindung der eigenen Schwächen.
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Einen ganz anderen Blick auf die Büroetage wirft Andreas Gefeller mit seiner Arbeit „Supervisions“. Auch hier sehen wir keine Menschen, aber können ihre Anwesenheit förmlich spüren. Wir verfolgen die tagtäglichen Wege, die die Mitarbeiter in den Räumen zurücklegen. Die Rituale der immer gleichen Handlungen und Begegnungen sind geradezu fühlbar. Dabei zeigt er uns nur eine Oberfäche aus ungewohnter, ja unmöglicher Perspektive. Hunderte von Kleinbildaufnahmen, jeweils aus zwei Meter Höhe fotografiert, setzt Gefeller am Computer zu einem einzigen nahtlosen Bild zusammen. Der Boden wirkt wie von einem Satelliten aufgenommen. Die Kartographie macht Details sichtbar, die unseren detektivischen Spürsinn herausfordern.
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Mit der Arbeit „Red Land, Blue Land“ von Claudio Hils beschreiten wir einen völligen Szenenwechsel. Eine merkwürdige Typologie des Zivilen wird vor unseren Augen ausgebreitet. Attrappen und Figuren werden scheinbar deplaziert und beziehungslos in Szene gesetzt. Die Wahrnehmung wird zur militärischen Logistik hochgerüstet. Wir befinden uns im Sennelager Training Center, einem militärischen Sperrgebiet, das als Schauplatz für echte Kriegsspiele dient. Auf dem nach außen abgeschotteten Nahkampfgelände wird zur Einübung des sekundenschnellen Ratespiels „Feind oder Nicht-Feind?“ das Individuum als Zielscheibe aufgestellt. Die individuelle Identität einer lebendigen Geschichte wird verpuppt und zerlegt in den Ensembles grotesker Accessoirs, deren uniforme Typologie ein militärisches Navigationssystem für die kulturelle Barbarei des Sichtens und Vernichtens abgibt.
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Wiebke Leister beschäftigt sich mit der grenzwertigen Darstellbarkeit von Emotionen. Dabei untersucht sie, wie man auf der Grundlage des sichtbaren, physischen Gesichtsausdrucks auf dahinter verborgene, psychische Zustände verweisen kann. Die Collage-Serie "Broken Promises" (2003) ist Teil dieses Zyklus. Das Ursprungsmaterial besteht aus den visuellen Versprechen von Hochglanzmagazinen. In diesen Bildern versucht uns die ewig vergnügte Konsumwelt mit reinweißem Grinsen zu Empathie und Mimesis zu verführen. Indem Fragmente dieser Bilder zusammenmontiert werden, entstehen neue, in sich heterogene, medusenhafte „Lachgesichter“, die als Zeichensysteme lesbar werden. Dem Kontext ihres eindeutigen Lächelns entzogen fragen sie danach, ob unser Lachen bereits zu einer medialen, in sich gebrochenen Maskerade verkommen ist.
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Den Spielraum von individuellen Lebensentwürfen und familiär-kultureller Prägung behandelt Eva Mahn auf heiter-ironische Weise in ihrem Projekt „Heilige Familie“. Dies ist der zweite Teil eines Langzeitprojektes, das 1992/93 mit der Arbeit „Aufbruch in die Freiheit“ begonnen wurde. Damals waren es noch Schwarzweißportraits, aufgenommen in der unsanierten Häuserkulisse von Halle. Heute paradieren auf Einzeltafeln und Familienaltären munter die gleichen jungen Kids mit Haustier, Nachwuchs, Eltern und Geschwistern in Farbe vor blauem Fond im Studio. Die Kostüme haben gewechselt, die Szenerien sind geblieben. Die Archetypen von Leben (Teufel), Liebe (Engel und Schlange), Macht (König) oder Mütterlichkeit (Madonna) haben noch immer Gültigkeit, weil sie mit prallem modernem Leben erfüllt werden.
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Die Auseinandersetzung mit dem Individuum vor dem Hintergrund der zunehmend sichtbar werdenden Isolation des Menschen im beginnenden 21. Jahrhundert prägt auch die Arbeiten von Göran Gnaudschun und Zoltán Jokay. Die „Verheißung des Individuellen“ ist vielleicht nirgends so stark wie bei diesen beiden Fotografen. Dabei ist die große Nähe ihrer Aufnahmen zum Menschen recht unterschiedlich bedingt. Göran Gnaudschun hat in einem vertrauten Kreis von Freunden und Gleichgesinnten in zunehmender Distanz fotografiert, während Zoltán Jokáys Bilder der subjektive Ausdruck intensiver Begegnungen mit Menschen außerhalb seines privaten Umfeldes sind.
Die Arbeit „Portraits“ von Göran Gnaudschun ist ursprünglich aus der Serie „Vorher müsst ihr uns erschießen“ über das Leben in besetzten Häusern hervorgegangen. Den Kreis der Portraitierten hat er jetzt auf die gesamte autonome Szene ausgedehnt. Identität schöpfen die Personen aus dem Widerstand gegen die herrschenden Rechtsnormen der Gesellschaft. Diese resistente Individualität will der Fotograf „unversehrt“ dokumentieren. Anders als in seinen frühen Arbeiten, löst er die Menschen immer stärker aus ihrer Umgebung heraus, der Hintergrund verschwimmt, der Kontext bleibt bewusst verdeckt. Auf den Gesichtern zeigt sich eine „Entleerung der Szenerie“, um die Andersheit und Unbegreifbarkeit der lebensgeschichtlichen Identität hervorzuheben. Die fotografierte Individualität verschanzt sich hinter der Tyrannei der Intimität.
Bei den Bildern von Zoltán Jokáy spielt eine andere Form der individuellen Inszenierung eine wesentliche Rolle: das Medium des subjektiven Erlebens, der Erinnerung und der Imagination. Als Flaneur, der durch das urbane Umfeld streift, stößt er eher unwillkürlich auf Situationen, in denen die Gegenwart des erlebten Momentes gegebenenfalls in tiefere Schichten des Bewusstseins und der eigenen Vergangenheit führt. So folgen seine Fotografien dieser Korrespondenz von Begegnung und Einbildungskraft. Die Porträts unterliegen keinem strengen objektivierenden Konzept, sondern leben von dem „Punktum“, dem scheinbar zufälligen Impuls, der aus der Szenerie selbst auf den Betrachter trifft: „Diese Bilder haben mir viel über mich erzählt, über meine Kindheit, über Erfahrungen und Gefühle, an die ich mich nicht mehr erinnern wollte. Sie haben mir geholfen bei dem Versuch, meine Sicht auf die Welt zu verstehen und auch mein Leben in der Gegenwart.“ (Zoltán Jokáy)
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© 2003 Deutsche Fotografische Akademie |