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   Fotografische Akademie    
     
 

Ausstellung zur Tagung
Tagungsprogramm

 
 
   

Programm der Jahrestagung
in Leinfelden-Echterdingen, 25. - 27. April 2008

 

Freitag, 25.4.2008

16.30 Uhr

 

Mitgliederversammlung (nicht öffentlich)
in der Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 


 

Samstag, 26.4.2008

10.00 - 16.30 Uhr

 

 

Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

10.00 Uhr

 

 

Begrüßung: Prof. Manfred Schmalriede

10.30 Uhr

 

 

Vortrag von Dr. Marlene Schnelle-Schneyder: "Wie wahr sind die Bilder, wie falsch ist die Wirklichkeit?"


11.30 - 13.00 Uhr

 

Bildpräsentationen von Lukas Roth und David Klammer

14.00 - 15.30 Uhr

 

Bildpräsentationen von Frank Rothe und Uta Rauser

 

15.45 Uhr

 

Bildpräsentation von Eva Mahn

 

17.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung "Das Schauspiel des Authentischen" von Katharina Bosse, Wiebke Leister und Silke Helmerdig
Galerie Altes Rathaus Musberg, Filderstr. 44, LE-Musberg

 

19.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung "Portraits aus dem Archiv der DFA" in der
Burg galerie coiffeur, Friedrichstr. 4, LE-Musberg

 


 

Sonntag, 27.4.2008

10.00 - 16.00 Uhr

 

Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

10.00 Uhr

 

 

Bildpräsentation von Tania Reinicke

11.00 Uhr

 

 

Vortrag von PD Dr. Andrea Gnam: "Dimensionen des Imaginären in der zeitgenössischen Fotografie"

 

13.00 Uhr

 

Bildpräsentationen von Peter Jacobi und Thomas Brenner

15.00 Uhr

 

Bildpräsentation von Gertrud Schrenk

 

   

 


Bildpräsentationen von:

Thomas Brenner, Peter Jacobi, David Klammer, Eva Mahn, Uta Rauser, Tania Reinicke, Lukas Roth, Frank Rothe, Gertrud Schrenk

 


 

 

Am Tag, als ich die Arbeiten von
Frank Rothe
sah, war ich sofort wieder das kleine Mädchen, das mit anderen Mädchen zusammen kichert, in uns die Unbeschwertheit des Sommers. Für einen Augenblick war ich wieder Kind in einem Pionierlager. In diesen Sommercamps war jede Stunde geplant... Ich war nur Teil eines Ganzen, des Kollektivs. Wollte ich spielen, sollte ich vielleicht gerade schwimmen oder schlafen gehen...
In so einem Camp wird man für wenige Wochen aus seinem sozialen Umfeld und der familiären Geborgenheit herausgerissen. Man muss sich neu behaupten.
In Rothes Fotografien finden sich diese Momente, in denen Menschen zusammen sind, die sich im Alltag nie begegnen würden. Hier leben sie in einem Zimmer und müssen miteinander zurecht kommen. Melancholie, Sehnsucht, Liebe und Einsamkeit spielen daher eine große Rolle.
Rothes Fotografien beinhalten verschiedene Ebenen, die er mit Schärfe und Unschärfe hervorhebt, im Vordergrund Ruhe und im Hintergrund Aktion oder vice versa. Die Fotos ziehen in Geschichten hinein, die nie ganz entschlüsselt werden, da uns oft nur kleine Ausschnitte gezeigt werden und der Betrachter die Lücken selbst ergänzen muss. Das macht Running Through The Wind so geheimnisvoll. Jeder kann seine eigene Geschichte in den Bildern suchen...
...In den Bildern spürt man große Gefühle, begegnet einem Licht und einer Farbigkeit, die oft an Gemälde heranreicht. Sie sind unverstellt, naiv und echt. So etwas sieht man viel zu selten.             
Steffi Schulze , Camera Work Berlin

 


 

Tania Reinicke    Die Art, wie wir die Welt fotografisch wahrnehmen und darstellen, verändert die Welt, wie wir sie verstehen. Bei meiner Arbeit geht es nicht darum Vorhandenes oder Sichtbares abzubilden, vielmehr erzählen die Bilder Geschichten, die Anreiz bieten für eine Entdeckungsreise mit ganz persönlichen Ausblicken und Einsichten. Dabei geht es um die Erkundung einer durchaus bestimmbaren Wirklichkeit, die in einer Gegenwart postmoderner Entwicklungen von der Inszenierung und Illusionierung der Wirklichkeit und einer fortschreitenden Mythologisierung der eigenen Persönlichkeit im Begriff ist, einer virtuellen Welt zu weichen. Das simulatorisch Wirkliche verwandelt sich in sich in das authentisch Unwirkliche. In meiner Arbeit erscheint der mich umgebende Raum nicht als klar beschreibbarer und genau definierter Zustand, in dem es um eine äußere Ansichtigkeit und Differenzierung dinglicher Verhalte geht, sondern um eine innere Wirklichkeit, in der der Betrachter sie antrifft.
Eine Idee, ein Gefühl, Erinnerungen, Wünsche, - Sehnsüchte und Projektionen unserer selbst, bestimmt von den unterschiedlichsten Assoziationen, die sich im Kopf des jeweiligen Betrachters einstellen.
In meiner Arbeit Lost Spaces, die 2002 in den Hutongs bzw. Shikumen der chinesisschen Städte Beijing und Shangai, entstanden ist verwandeln sich in der Andeutung von Verborgenen, im Labyrinth von Lichtern, Treppen und Fassaden, Nähe und Distanz scheinbar ereignislose Schauplätze zur Bühne unvorhergesehener virtueller Geschehnisse.
Der Preis der Freiheit, Vietnam 2006, wurde als Projektstipendium vom Kulturwerk der VG Bild-Kunst GmbH, Bonn gefördert. Die Arbeit zeigt ein Gesicht Vietnams, das geprägt ist durch die Spätfolgen des Vietnamkrieges. Erst auf den zweiten Blick entfaltet sich die unglaubliche Dimension der Kriegsfolgen. Den Vietnamkrieg hat die Menschheit nach über 30 Jahren noch immer nicht bewältigt.

 

 

Präziser als Lukas Roth arbeitet
derzeit kaum ein anderer Fotograf an der Schnittstelle von Realität und Fiktion, Objektivität und Subjektivität. Dafür wurde ihm 2004 der Otto-Steinert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie vergeben.
Die hyperrealistisch und oft sezierend kühl wirkenden Fotografien, Landschaftsaufnahmen ebenso wie Architekturbilder, Baustellen oder Stadtansichten, sind Ergebnis eines langen und aufwändigen Arbeitsprozesses mit dem Ziel, die Diskrepanz zwischen der Erinnerung des Künstlers und dem, was die Kamera erfassen kann, zu minimieren. Das geschieht durch Verfremdungen, Montage und digitale Bildbearbeitung. Roths Absicht ist also nicht dokumentarisch, sondern entspringt dem Wunsch nach Wiedergabe eines persönlichen Eindrucks. Eliminiert wird, was in den Augen des Künstlers nichts auf dem Bild zu suchen hat, aber es wird auch hinzugefügt, was in den Augen des Künstlers fehlt. Das macht sie zu vertrackten Vexierspielen für ihre Betrachter, denn Roth beherrscht das Spiel mit perspektivischen Verschiebungen, und seine imaginären Räume wirken auch auf den zweiten Blick wirklicher als die Wirklichkeit.      
Kerstin Stremmel

 


 

Thomas Brenner, couvent
Die Serie „couvent“ entstand im Sommer 2006 in einem ehemaligem Kloster, ca 100 km südwestlich von Brüssel. Die 16 Inszenierungen beschäftigen sich mit dem Themenkomplex Religionen, Glaube und spielen mit imaginären Wünschen und Ängsten. Die Mönche stehen hierbei als anonyme Protagonisten, um die Aussage der Bilder für jeden Betrachter möglichst offen zu halten.

 






 

Gertrud Schrenk
Symbole und Symbiose

Ornament und Verbrechen, Sex and Rhyme, Rhythm and Blues, das Schwarze
Herz, King Kong und die Blondine, Übermacht und Verlorenheit, Hingabe
und Eruption. Naturwissenschaft und Archetypen, elementar und erotisch, puppenhaft in Szene gesetzt. Eine Zweite Postmoderne?
Die Moderne Kunst ist einmal angetreten, sich herrschenden Mustern zu
verweigern. Wo aber Verweigerung zum herrschenden Muster geworden ist,
bleibt nur noch ein: „Sag ja zum Ja”.

 

 

Eva Mahn, Männer
Erfolgreiche Männer,
Männer um die 60,
Männer und ihr Imperium,
Männer, die mir entgangen sind,
aber auch, die mir erspart geblieben sind,
Zugereiste und Hallenser.

Abb.: Prof. Hermann Weber, Maler und Grafiker, geboren 1959 in Biberach (Riß)
Seit 1996 Professor für Kunsterziehung / Kunstpädagogik an der Burg
Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle
Bad Lauchstädt, 27. Januar 2004

 


Peter Jacobi, Siebenbürgische Wehrkirchen
und Bauernkirchen, Fotografien von 2004 und 2005

 

In Siebenbürgen befinden sich noch ca. 300 Kirchen und Wehrkirchen. Diese wurden von den Siebenbürger Sachsen in der Zeit von ca. 1250 bis ca. 1900 errichtet. Durch ihre außerordentliche Geschichte und Gestalt, sind diese Ensembles (Kirche, Pfarrhaus, Predigerhaus, Schule, Lehrerwohnung, Kindergarten, Gemeindesaal), einmalig in der Welt.
Durch den Exodus nach 1990, der Mehrzahl der Siebenbürger Sachsen (Einwanderer von Rhein, Mosel, Elsas, Maas), ist ein Grossteil dieser Ensembles verwaist, und ohne Fürsorge. Ein Teil dieser Bauten ist bereits eingestürzt, oder in sehr schlechtem Zustand. Ich habe einen „Bericht“ über ca. 200 Ensembles erstellt. Diese Arbeit besteht aus jeweils einigen dokumentarischen Fotografien und schriftlichen Notizen zum Zustand dieser Bauten.
Eine Internet Seite ist für die kommende Zeit geplant. Es soll um neue Nutzer, Patenschaften, Helfer für die Restaurierung, oder auch Käufer, weltweit geworben werden.



 

 

Wie man sich bettet...
Fotografien von: Uta Rauser und Bernadette Grimmenstein

Wir haben das Bett der Emscher an verschiedenen Stellen fotografiert. Und wir haben verschiedene Betten von Menschen im Ruhrgebiet fotografiert.
So entstanden Bildpaare, die sich unter Gesichtspunkten wie Licht, Farbe, Struktur oder sozialer/geografischer Ort betrachten lassen.

 


 

David Klammer Öffentliche Anbetung
Die Welt der Selbst-Inszenierung und -Darstellung im öffentlichen Raum ist seit drei Jahren ein freies Thema für den Fotografen David Klammer aus Köln. Einkaufspassagen, Feste und Megaevents wie die Fussball WM 2006 sind für den Fotografen eine Bühne von ritualisiertem Verhalten und Eitelkeit, das dem Zuschauer vor allem eins beweisen soll: individuell zu sein in einer trendlosen Gesellschaft. Die extreme Blitztechnik der Fotos, die durch starke Unterbelichtung verschwundene Räumlichkeit der Orte gibt den Fotos eine Bühnenaura, die mal an eine antike Tragödie und mal an einen Mailänder Laufsteg erinnert. Für seine Fotos während der Public Viewings der WM 06 erhielt Klammer 2007 bei den World Press Photo Awards den dritten Preis in der Kategorie Sport Feature Series.

 

 

 

 

 

Programm der Tagung
im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg

Samstag, 1.12.2007, 10.00 - 20.00 Uhr
Sonntag, 2.12.2007, 10.00 - 17.00 Uhr

 

 

Samstag

  9:30 Uhr  Ankunft und Einlass in das Auditorium.
                 Bitte beachten: Separater Eingang auf der Rückseite des Hauses

10.00 Uhr Begrüßungen: Ingo Taubhorn (Kurator des HdP)
                 Manfred Schmalriede (Präsident der DFA)

10.15 Uhr Präsentationen: Oliver Sieber und Katja Stuke,
                 Ralf Cohen, Annette Frick

12.30 Uhr Mittagspause mit der Möglichkeit im hauseigenen Restaurant „Fillet                  of Soul“ zu essen. Tische werden reserviert.

13.30 Uhr Vortrag: Manfred Schmalriede Über das Künstlerische in der                   Fotografie

14.30 Uhr Präsentation: Gosbert Adler

15.15 Uhr Kaffee-Pause

15.30 Uhr Präsentationen: Jaschi Klein, Dörte Eißfeldt

17.00 Uhr Kuratorenführung durch die Ausstellung American Beauties

18.15 Uhr Portfolio Walk mit Arbeiten von Tine Casper, Anja Engelke,                  Cosima Hanebeck, Karin Jobst, Paul Kalkbrenner, Ferial Kasmai,
                 Joanna Kosowska, Jan Lemitz, Frederic Lezmi, Shushi Li,
                 Daia Morariu, Klaus Münzer, Patrick Presch, Tania Reinicke,
                 Florian Schwarz, Dieter Seitz, Verena Thomas, Rivkah Young,
                 Benja Weller

20.00 Uhr Ende

 

 

Sonntag

10.00 Uhr Präsentationen: Ralf Meyer, Laurenz Theinert, Amin El Dib

12.15 Uhr Mittagspause

13.15 Uhr Präsentationen: Irina Ruppert, Silke Helmerdig

14.45 Uhr Kaffee-Pause

15.00 Uhr Präsentationen: Christoph Balzar, Wolfgang Zurborn, Marc Räder

17.00 Uhr Ende der Tagung

 

 

Haus der Photographie Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1 - 2
D-20095 Hamburg
Tel. +49-(0)40-32 10 30
Fax +49-(0)40-32 10 3-230
info@deichtorhallen.de

 


Bildpräsentationen:

Gosbert Adler, Christoph Balzar, Ralf Cohen, Dörte Eißfeldt,
Amin El Dib, Annette Frick, Silke Helmerdig, Jaschi Klein,
Ralf Meyer, Marc Räder, Irina Ruppert, Oliver Sieber, Katja Stuke,
Laurenz Theinert,
Wolfgang Zurborn


 

 

Die Böhm ist ein seit 1999 vierteljährlich, in limitierter Auflage erscheinendes Künstler-Heft, konzipiert und herausgegeben von Katja Stuke (*1968) und Oliver Sieber (*1966). Veröffentlichung finden darin vorwiegend von ihnen selbst aufgenommene Photographien, die sie verschiedenen Themen folgend und nur gelegentlich durch Bildtitel kommentiert zu Sequenzen fügen. Gegensätzliche wie fast identische Blickwinkel treten hervor, die einerseits mit der individuellen künstlerischen Position vertraut machen, andererseits gänzlich freie Assoziationen und Interpretationen ermöglichen. Die Motivwelt des Künstlerpaars, angesiedelt zwischen den Sujets Portrait, Stadt und Landschaft, erschließt sich vor dem Hintergrund ihres Lebensumfelds im Großraum Düsseldorf-Köln sowie ihrer vielen Reisen, u. a. in die USA, Kanada und Japan. Ihr besonderes Interesse richtet sich auf alltäglich anzutreffende Begebenheiten oder auf Personenkreise, die sich vielfach als Projektionsflächen eigener Reflexion mit dem Außergewöhnlichen und Atmosphärischen verschränken. Wahrnehmungsmechanismen werden hinterfragt und im weitesten Sinn auch Lebensräume, die sich über gesellschaftliche oder kulturelle Wertevorstellungen definieren. Von großer Bedeutung ist in ihren Bildern auch die Frage nach dem Einfluss der Film- und Medienwelt, nicht zuletzt auch angeregt und verstärkt durch die Aktivitäten der Kunst- und Photographieszene. Dass das Bild im Kopf ebenso wichtig ist, wie das, welches wir de facto zu sehen glauben, machen Katja Stuke und Oliver Sieber auf vielfältige und anregende Weise deutlich. (Gaby Conrath-Scholl, anlässlich der Ausstellung "Das Böhm Projekt" in der SK-Stiftung/photographischen Sammlung, Köln, Sept. 2006)

 

Neben dem gemeinsamen Projekt – das mittlerweile auch einen Internet-Ausstellungsraum beinhaltet – stellen die fotografischen Arbeiten der beiden jeweils eigenständige künstlerische Positionen dar. Ein Schwerpunkt der Arbeit von Oliver Sieber ist die Beschäftigung mit Identität, Individualität und Gruppenzugehörigkeit und verschiedenen Jugendkulturen.
Katja Stukes fotografische Arbeiten thematisieren die Beobachtung der Menschen im öffentlichen Raum, die Beurteilung von Bildern und Realität auf Grund unterschiedlichster bildnerischer Sozialisation und die Veränderung der Wahrnehmung von Bildern durch unterschiedliche mediale Kontexte.
http://www.os66.de
http://www.ks68.de
http://www.frau-boehm.de

 

 

 

Die Architektonische Nachhut von
Ralf Meyer ist eine Annäherung an die architektonischen Hinterlassenschaften des "Dritten Reiches" in Deutschland. Das Ziel war es, zu beobachten, auf welche Weise wir heute mit der Architektur einer Phase unserer jüngeren Geschichte umgehen. Wie sieht das Leben in und um diese Bauten herum aus, die zwischen 1933 und 1945 im Nationalsozialismus entstanden sind?
Zwischen 2001 und 2006 entstand an 32 Orten in Deutschland eine Sammlung von 130 Fotografien.
Viele repräsentative Bauten folgten einem ideologischen Programm. Es gab kaum privates, ungelenktes Bauen. Bis heute existieren Wohnsiedlungen, ehemalige Parteigebäude, Kulturbauten, Ministerien und militärische Anlagen. Aber auch Flughäfen, Fabriken, Brücken und Bunker wurden im Sinne ihres spezifischen Auftrages baulich geprägt. Ist diese implizierte Botschaft der Architektur auch heute noch spürbar?
Wir begegnen diesen Gebäuden im Stadtbild, wohnen und arbeiten in ihnen und kaufen dort ein. Welche Wechselwirkungen entstehen durch die tägliche Konfrontation mit diesen Relikten?
Im Vordergrund der Fotografien steht nicht die reine Abbildung von Fassaden, sondern vielmehr die Fragestellung, auf welche Weise sich das Leben im 21. Jahrhundert mit den Ausprägungen des deutschen Faschismus der 1930er und 40er Jahre verträgt.
Der Bildband Architektonische Nachhut erschien 2007 im Kerber Verlag.

 


 

Irina Ruppert Wurzeln 2
In meiner Arbeit “Wurzeln 2“ geht es um Jugendliche, die in zwei Kulturkreisen aufwachsen; um Heranwachsende, die damit konfrontiert sind, mit einem anderen kulturellen und sprachlichen Hintergrund in Deutschland zu leben. Mich hat interessiert, wie Pubertierende, die ohnehin auf der Suche nach der eigenen Identität sind, sich zu Fragen positionieren wie: Wo ist meine Heimat? Wo gehöre ich hin? Wo liegt meine Zukunft?
Für die Aufnahmen habe ich rund 100 Jugendliche, die ich in Schulen, Jugendzentren oder auf der Straße kennen gelernt habe, zu einer Art Gegenüberstellung gebeten: Aus mehreren traditionellen Stoffen sollten sie jeweils denjenigen auswählen, der in ihren Augen ihr Herkunftsland symbolisiert und vor dem sie dann fotografiert werden wollten. Dieser stoffliche Hintergrund steht für die erste Wurzel der Porträtierten. Die zweite Wurzel, ihre Lebenswirklichkeit hier und jetzt, wird durch Kleidung und Haltung repräsentiert.

 

 

 

Laurenz Theinert stellt zwei neue fotografische Projekte vor.

Raumverdichtung: Ein Objekt von verschiedenen Standpunkten fotografiert. Diese unterschiedlichen Ansichten werden transparent vergrößert und in einem Plexiglasblock mit geringem Abstand geschichtet. Der abgeschrittene Raum wird somit im Block verdichtet - die unterschiedlichen Sichtweisen zu einer kombiniert.

Zeitfenster
: Zwei Aufnahmen vom gleichen Standpunkt mit einem Abstand einer halben Sekunde. Aufnahme 1 und das Negativ von Aufnahme 2 werden am PC übereinandergelegt. Alle Bildteile, die sich während der halben Sekunde nicht verändert haben löschen sich gegenseitig aus. Die Teile, die sich verändert haben sind positiv und negativ sichtbar. Es entsteht sozusagen ein Zeitfenster. Wie die zwei unterschiedlichen Standpunkte der Augen räumliches Sehen ermöglichen so wird durch die Überlagerung zweier Zeitpunkte ein Zeitraum sichtbar, der so sonst nicht zu sehen ist.




 

Jaschi Klein   Wind-Installationen
In der Installation treffen Kultur und Natur aufeinander. Der Mensch schematisiert, schafft ideelle Formen: Dreieck, Quadrat und Kreis - uralte Symbole für Himmel und Erde. Sie sind Paradigmen für Realität, die in Natur und Kultur enthalten sind.
Die Natur greift ein: Wind lässt Vielfalt entstehen und variiert Formen, die starre Körper von sich aus nicht zulassen. Die entstandenen Strukturen entsprechen dem Prinzip der Kombinatorik per Mutation.
Der Installationsaufbau aus beweglichen Elementen, aufgehängt an 5 m hohen Stelen, bewirkt im Schattenspiel, in Überschneidungen und Verdrehungen immer wieder neue Kompositionen. Die Anordnung wird durch die Umgebung diktiert, die Interaktion mit ihr lenkt den Prozess des Aufbaus.
Die Aufbauten tauchen auf an Orten mit verschiedenen Windverhältnissen und Naturerscheinungen. Kennzeichnet sich ein Kompositionsfeld durch verschiedene Abstände der einzelnen Stelen, so werden unterschiedliche Bewegungsmuster des Windes deutlich – wie Verwirbelungen und andere Strömungsverhältnisse.
Die Installationen haben bewusst temporären Charakter. Sie sind ausgerichtet auf das Endresultat Bild, aber gleichzeitig als Aktion von Bedeutung. Für kurze Zeit haben die Objekte das Umfeld zum Schweben gebracht. Der Blick soll sich nicht gewöhnen an Permanentes. Von der Aktion bleibt ein geschärfter Blick für die Landschaftsform.

 

 

 

Amin El Dib Men at Work
Bei meinen neuen Arbeiten handelt es sich um manipulierte Reproduktionen aus Pornomagazinen. Ich habe in den letzten Jahren etliche fotografische Arbeiten zum Thema Pornographie beobachtet. Den Blick auf die Männer habe ich dabei vermißt. Das war das Vorzeichen unter dem ich an das Thema heran gegangen bin. Eine so intensive Hinwendung zum rein sexuellen, zu bestimmten Körperfunktionen, verstehe ich als Verdrängung des Todes und als Selbstvergewisserung: noch lebe ich, der Körper funktioniert. Gefunden habe ich die vorliegenden Bilder. (4 Bildgruppen mit insgesamt 30 Motiven). Ich denke, daß das Motiv der Vanitas anklingt.




 

Annette Frick   Die Masken der Identität Identität ist das Stichwort, das meine unterschiedlichen Arbeiten verbindet. Sowohl für meine fotografischen Selbstportraits, in denen es um weibliches Selbstverständnis, und die Suche nach einer weiblichen Identität jenseits der vorgegebenen Rollen Klischees geht, als auch für das Projekt Tabuzonen, in dem ich mich mit dem Holocaust und der deutschen Vergangenheit auseinander setzte.
Ein Teil der Arbeit ist eine subjektive Dokumentation, der Protagonisten der nicht offiziellen Kultur Berlins, die einen der Hauptanziehungspunkte der Metropole ausmachen, aber in der Hoch-Kultur und den Medien nur ein Schattendasein führen.
Seit Jahren mache ich hier Portraits von den Sternschnuppen, Künstlerinnen, Tunten, Lesben, Dragkingz, Transvestiten, Nachtschwärmern und ihren Begleitern. Individuen, die eine andere Vorstellung von Identität haben und spielerisch damit umgehen. Sie setzen ihren eigenen Entwurf dem herrschenden Mainstream, der grauen Anzüge und Kleider entgegen.
Dabei interessieren mich sowohl die Individuen in fast minimalistisch reduzierten, wie auch in höchst aufwendigen Aufmachungen. Ausschlaggebend bei meiner Auswahl war nur, dass ein Teil ihrer Persönlichkeit durch diese Inszenierung besser zur Geltung zu kommen schien und eine Vorstellung Realität wurde.
Dem gegenüber stelle ich Nachtaufnahmen von der Stadt und, ehemals repräsentativer, zur Zeit verhüllter Gebäude, wie z.B.: der alten Nationalgalerie, der Karl-Marx Allee, dem ehemaligen Propaganda Ministerium, dem Kino Babylon, dem ehemaligen Luftfahrt Ministerium. Die Gebäude befinden sich in einem Zwischen- Zustand und obwohl die Bauplanen ihr Volumen und ihre Massivität noch zu unterstreichen scheinen, haben sie gleichzeitig etwas Zeitloses und provisorisches. Etwas dass uns an die Zelte der Nomaden oder die Urform des Hauses erinnert. Es ist eine Anknüpfung und gleichzeitig Infragestellung der Fundamente der Vergangenheit und ihrer Hypothek. Auf diesen Nacht-Aufnahmen sind der Mond und die Wechsel der Jahreszeiten die einzigen ungeschminkten Konstanten.
Das Projekt verweist auch auf das Berlin der 20 und 30 er Jahre, das eine außergewöhnlich vitale Parallelkultur und eine ganz andere Tradition im Umgang mit Identität und Geschlechterrollen hatte, als die meisten andern deutschen Städte.

 

 

 

Dörte Eißfeldt  Was ist ein Bild.
Eine frühe Beschäftigung mit Malerei und ein Studienschwerpunkt Film beeinflussen meine gesamte fotografische Arbeit, die erst nach dem Studium begann, ebenso, wie umgekehrt die fotografische Arbeit die Arbeit mit bewegten Bildern beeinflußt. Ein meist experimenteller Umgang mit dem fotografischen Bild zeichnet die Arbeiten aus.
Was ist ein Bild? Dies ist in meiner Arbeit immer wieder Antrieb und Frage. Wie wird etwas Bild? Schon die Betätigung des Auslösers, ein winziger Schnitt in die Zeit, bedeutet einen großen Sprung hin zum Bild....
Die Aufnahmen entstehen meist in meinem unmittelbaren Umfeld
Sie sind für mich Kristallisationspunkte - wie das Staubkorn für den Regentropfen - und bilden die Grundlage meiner Arbeiten. Mal wird ein Film daraus, mal entsteht eher Malerei, mal zeichne ich - mit der Schere. In meinen neueren Arbeiten geht es mir darum, ob und wie ich die Schwerkraft der Bilder verändern kann um sie leicht, offen und dynamisch zu lassen. Und dann gerät die ganze Welt ins Bild, ganz nebenbei.
Wir bewegen uns auf einer hauchdünnen Membran zwischen der imaginären unendlichen inneren Welt und der sichtbaren und faßbaren Wirklichkeit unseres Alltags, unserer kleinen Welt. So eine Membran sind auch Bilder; ich versuche, die Qualitäten beider Welten miteinander in Schwingung zu versetzen, die Schnittstellen zum Klingen zu bringen.

 

 

 

Silke Helmerdig bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zeitgeschichtlicher Relevanz und scheinbarer Alltäglichkeit. Ihre Arbeitsweise ist vielfältig. Sie bedient sich verschiedener Kameras, Formate und Materialien und verknüpft Fotografien, meist in schwarzweiß, miteinander, mit Texten oder mit Ton zu Erzählsträngen in linearen und nichtlinearen Präsentationsformen. Ihre Themen sind biografisch geprägt, schaffen in ihrer Umsetzung aber Assoziationsräume für den Betrachter. Sie nutzt Sehgewohnheiten und kulturelle Standards zur Vermittlung ihrer Geschichten, denn ohne die Kenntnis des Betrachters bleibt das einzelne Bild eine leere Bedeutungshülle. Ihre künstlerischen Arbeiten sind bestimmt von den assoziativen Sprüngen, die sich im Kopf des Betrachters einstellen.

 

 

 

Ralf Cohen  In meiner Bildpräsentation werde ich eine aktuelle Arbeit aus diesem Jahr vorstellen. Ihr Titel ist ohne Namen. Sie zeigt Heere von Wesen, die aufgezogen sind, eine Schlacht zu schlagen. Ständig wird das Denken des Betrachters zwischen dem äußeren tatsächlichen Bild und den Gedanken zu Geschichte und Erinnerung schwanken. Ein für mich meditativ unheimlicher Ort, den ich immer wieder aufsuche.
Des weiteren werde ich zwei Serien aus dem Jahr 1997 präsentieren.
Die Bilder der Serie Vernissage zeigen meine innere Haltung zu derartigen Veranstaltungen; hin- und hergerissen zwischen Kunst und Menschen. Ich bin nicht nur auf die Kunst konzentriert, sondern unterhalte mich mit mehreren Besuchern gleichzeitig. Die Bilder aus der Serie Altrhein sind Darstellungen des ständigen Kommen und Gehen in der Natur; um dies zu transformieren wandte ich eine nichtfotografische Technik an.
Gemeinsam ist meinen Arbeiten stets, daß sie von mir gelebt sind und meine ganz persönliche innere Sicht zeigen. Mit meinen Eingriffen in der analogen Fotografie führe ich die Bilder zu dieser von mir bestimmten Wahrheit.

 


 

Christoph Balzar EUROPA LADRONA
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Migration von Afrika über die Kanarischen Inseln nach Europa entstand Christoph Balzars Serie EUROPA LADRONA I – XIV. Innerhalb dieses Kunstprojekts erkundet er die Umgebung der Inseln nach Möglichkeiten zum Überleben. Während sich seine Visualisierungen in eine fremde Lage hineinversetzen, liegt das Augenmerk auf den Orten, die seine fiktiven Gegenüber aufgesucht haben könnten. Die Wahl seiner Motive zerstört das vertraute Bild der Urlaubsinseln und zeigt, welche Form die Landschaft durch das Politikum der illegalen Migration und der Abschottung seitens Europas annehmen kann. Der Ausspruch „Europa, Du Diebin!“ wie „Europa Ladrona“ in der Übersetzung heißt, weist darauf hin, dass die Kanaren, bevor sie von Europa gestohlen und annektiert wurden, afrikanisch waren. In Form eines Graffitis an der Betonwand eines desolaten Hafens ist der Spruch auf einer von Balzars Fotografien wieder zu finden und verdeutlicht, dass zwischen der politischen und der geografischen Wahrheit sprichwörtlich Welten liegen. […] Balzars Fotografien enthüllen nicht immer real existierende Orte, sondern auch Projektionen möglicher Wunschvorstellungen. Digitale Mikroinstallationen wirken in EUROPA LADRONA als narrative Strategien der unfreiwilligen Reisenden. Sie versuchen jene Orte durch die Augen des anderen zu betrachten und verdichten Teils Raum und Zeit, um bestimmte Ereignisse in das Bildgeschehen zu integrieren, die sonst unbemerkt bleiben würden. […] Wirklichkeit wird nicht dokumentiert, sondern in ihrer Komplexität ähnlich den additiven Techniken der Malerei organisiert. […] Balzar will keine Wahrheit aufdecken, sondern lädt dazu ein, seinem andeutungsreichen Spiel zu folgen. Text: Julia Gwendolyn Schneider

 

 

 

Buchvorstellung: Wolfgang Zurborn Drift, Kehrer Verlag, Heidelberg
Für Wolfgang Zurborn ist die Gewinnung jedes fotografischen Bildes, nicht nur einer Bewegungs- und Ereignisaufnahme, sondern auch eines Raum- oder Objektbildes, mit dem Faktor Zeit und der ihm innewohnenden Dynamik bei der einmaligen und einzigartigen Motivsuche verbunden. In der Tradition des entscheidenden Augenblicks von Henri Cartier-Bresson begreift Zurborn seine fotografischen Bildwelten als Kompositionen, die auf den wichtigen unwiederholbaren Moment abzielen. Der Fotograf surft auf der Welle der raumzeitlichen Wahrnehmungen, bis er vor jenem Moment zu stehen scheint, an dem das Bild in seiner vollen Komplexion zusammenschießen könnte. Während aber bei Cartier-Bresson der fruchtbare Moment des Bildes im einzelnen virtuosen Bildmotiv-Objekt aufgeht, setzt bei Zurborn die fotografische Produktion einen anderen, entscheidenden Augenblick in der gesamten Situation selbst voraus, den Moment, worin vorhandene Perspektiven, unterschiedliche Blickwinkel, Fragmente und Komponenten, Vorder-, Mittel- und Hintergrund in die noch offene Konstellation eines einmaligen, aber jederzeit revidierbaren „Entwurfs“ (Sartre) eintreten und dem so gewinnbaren Bild eine unverwechselbare und doch historisch veränderbare Signatur verleihen.
(aus dem Buchtext: Drift – eine neue Kunst fotografischer Navigation von Peter V. Brinkemper)

 

 


 

 

 

 

 

Programm der Jahrestagung
in Leinfelden-Echterdingen, 19. - 22. Juli 2007

 

 

Donnerstag, 19.7.2007

19.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung „...und grüßen Sie mir die Welt“ / fotografierte Heimaten
von Peter Bialobrzeski, Jörn Vanhöfen und Andreas Weinand
Flughafen Stuttgart, Terminal 3, Ebene 5

   

 

 

Freitag, 20.7.2007

16.00 Uhr

 

Mitgliederversammlung (nicht öffentlich)
in der Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

20.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung „Ansichten aus Leinfelden-Echterdingen“,
mit "Heimat - LE" von "die arge lola"
(Andreas Langen und Kai Loges)
und dem Fotoclub Leinfelden-Echterdingen
Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen
Hauptstr.79, LE-Echterdingen

 

   

 

Samstag, 21.7.2007

10.00 Uhr

 

 

Eröffnung der Ausstellung „secret gardens“, von Sophie Schmalriede
vhs Leinfelden-Echterdingen, Neuer Markt 1

 

11.00 - 13.00 Uhr

 

 

Bildpräsentationen von Thomas Bachler,
Karen Weinert und Anja Bohnhof,
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

14.00 Uhr

 

Vortrag von Dr. Christiane Stahl „Inventur, Verlust und Erfindung. »Heimat-Bilder« in der zeitgenössischen deutschen Fotografie“
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

15.00 - 17.00 Uhr

 

Bildpräsentationen von Birgit Wingrat,
Ille Oelhaf und Bertram Kober,
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

17.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung „Sehnsucht und Vertrautheit" von Wolfgang Bellwinkel, Wiebke Loeper und Andreas Mader
Galerie Altes Rathaus Musberg, Filderstr. 44, LE-Musberg

 

18.00 Uhr

 

Eröffnung der Ausstellung „heimat.de",
von Emanuel Raab
Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen, Schönaicher Sträßle 4, LE-Musberg

 

19.00 Uhr

 

Besuch der Ausstellung „Deutsch Land“
von Andreas Herzau
Burg galerie coiffeur, Friedrichstr. 4, LE-Musberg

 


 

Sonntag, 22.7.2007

10.00 - 11.00 Uhr

 

Bildpräsentation von Florian Beckers,
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

11.00 Uhr

 

Vortrag von Bernd Rodrian “Schwarzer Himmel – Kleid aus Licht, über das Leben und Werk Heinrich Heidersbergers”
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8


13.00 - 14.30 Uhr

 

Bildpräsentationen von Katharina Mouratidi
und Andreas Mader,
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

 

15.00 - 16.30 Uhr

 

Bildpräsentationen von Petra Warrass
und Henning Maier-Jantzen,
Zehntscheuer, Echterdingen, Maiergasse 8

   

 


Bildpräsentationen von:

Thomas Bachler, Florian Beckers, Henning Maier-Jantzen,
Bertram Kober, Andreas Mader, Katharina Mouratidi,
Ille Oelhaf, Petra Warrass, Birgit Wingrat,
Karen Weinert und Anja Bohnhof


 

 

Ille Oelhaf   Der Mythos des Fremden, der Ferne - die Sehnsucht danach hat ihre Verführungskraft noch nicht verloren. Die In-Besitznahme dieser Mythen durch Fotografien scheint immer noch und immer leichter möglich. Doch für die meisten Betrachter handelt es sich dabei um bildgewordene Projektionen, die eine Virtualisierung ihrer Welterfahrung nach sich ziehen, d.h. die Wandlung eines subjektiven Weltbilds zu austauschbaren Bildwelten. Dem eigenen, bewussten Weltbild zu folgen beinhaltet dagegen, sich in eine bestimmte Beziehung zur Welt setzen. Im Idealfall bedeutet es für die Fotografen, 'das Unsichtbare im Sichtbaren' (Lyotard) hervorzuheben. Dieses 'Unsichtbare im Sichtbaren' zu zeigen und wirkkräftig zu machen - darum geht es heute in der künstlerischen Fotografie.
In vier Foto-Essays werden Aspekte des Lebens in Kaliningrad Oblast als subjektive Interpretation und Erfahrung thematisiert. Welche Erzählungen reflektieren unser Leben, stiften Sinn und organisieren schließlich die Welt? Die Straßen und Wohnblocks, der Überfluss und der Mangel dieser gewollt gesichtslosen Stadt und die maroden Dörfer sind der zutiefst prägende Lebenshintergrund der Menschen. Die Kaliningrader Porträts zeigen Menschen, an denen wir Ähnlichkeiten und Unterschiede festzustellen beginnen. Körpersprache, Kleidung und viele andere Details sind vertraut und unterscheiden sich dennoch. So stellen diese Fotografien die Frage nach einer Identität, die für die Entwicklung dieser russischen Exklave – seit 2004 eingeschlossen von der EU - von entscheidender Bedeutung ist.

 


 

Katharina Mouratidi - Die andere Globalisierung
"Warum tust du das, was du tust?"
Drei Jahre lang porträtierte Katharina Mouratidi GlobalisierungskritikerInnen aus 43 Ländern: Indios und Arbeiter, Studentinnen, Rentierzüchter, Bäuerinnen, Wissenschaftlerinnen, Christen, Atheisten, Bürgerinnen und Revolutionäre. Allen, darunter auch vielen international bekannten Persönlichkeiten - wie der Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú und dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz -, stellte sie die Frage: "Warum tust du das, was du tust?"Die Interviewten berichteten so von ihrer eigenen Geschichte und den ganz persönlichen Beweggründen ihres Engagements. Die Antworten, die Mouratidi auf ihre Frage erhalten hat, sind so ungewöhnlich wie vielfältig. Sie sind spektakulär und alltäglich, kämpferisch, liebevoll, sehnsüchtig, voller Idealismus und Hoffnung, aber auch berührend, warnend und aufrüttelnd. Gemeinsam haben sie nur eines: die Gewissheit, dass zum Überleben der Menschheit und unseres Planeten ein Bewusstseinswandel unumgänglich ist - hin zu einer anderen Globalisierung, von der alle Menschen und die Umwelt profitieren.
Die Arbeit tourt seit September 2005 im In- und Ausland. Das Buch zur Arbeit ist 2006 unter dem Titel "¡Venceremos! Die andere Globalisierung" bei Edition Braus, Heidelberg, erschienen.

 

 

 

Petra Warrass - Wo es ist
Mit ihren Inszenierungen greift Petra Warrass auf Handlungen zurück, in denen sie sich scheibar auf Situationen des täglichen Lebens bezieht. Die Losgelöstheit ihrer exzentrischen Darstellungen von einer nachvollziehbaren klaren Handlung führen den Betrachter zu einer Irritation, die neugierig macht. Der festgehaltene Moment wirkt wie das herausgeschnittene Einzelbild aus einer filmischen Handlung, in der man nach dem Vorher und Nachher sucht. In ihren Bildern ruft Petra Warrass Gefühle wach und reißt Geschcihten an, die gedankliche Prozesse auslösen. Beim Betrachten ihrer Bilder bin ich immer gerne bereit, den Faden aufzunehmen und im eigenen Kopf weiter zu spinnen.
Prof. Heiner Schmitz, aus dem Katalog zur Ausstellung "Tandem" im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post, 2006.

 



 

Birgit Wingrat - Landkante
Es ist mit Einschränkung ein romantischer Blick, den die Fotografin auf ihre Sujets wirft. Nicht die dokumentarische Bestandtsaufnahme ist das Thema, sondern Birgit Wingrat generiert bühnenhafte Räume aus dem un- und umgestalteten Brach- und Neuland. Immer wieder beschäftigen sie Grenzsituationen - die Kante. James Gibson definiert in seiner bahnbrechenden Erforschung der „Wahrnehmung der visuellen Welt« 1950 das Kantenphänomen als den »fundamentalen Raumeindruck«.
Genau »die elementaren Eindrücke einer visuellen Welt sind die von Oberfläche und Kante», für die Reize ausfindig gemacht werden müssen.
Der strenge Aufbau, der Blick für formale Bezüge in den Bildelementen zeigen, dass die Autorin sich nicht mit einer intuitiven schnellen Bildaneignung zufrieden gibt, sondern dass sie über ein bewusstes, erarbeitetes Sehen zu ihrer Bildsprache gefunden hat.
Dem widerspricht vielleicht der Begriff »romantischer Blick«, wenn man ihn im üblichen Sinn als Verklärung oder Überhöhung sieht. Es ist vielleicht etwas hochgegriffen, auf Casper David Friedrich zu kommen - aber die Auseinandersetzung mit diesem Jahrhundertgenie zeigt, dass hinter der vordergründig romantischen Fassade ein unglaublich strenges, fast mathematisches Gerüst von Bild - sprich Kompositionskoordinaten - liegt.
Aus der Rede von Prof. Fritz Haase im Hafenmuseum Speicher XI, Bremen

 

 

 

Andreas Mader - Die Tage Das Leben
...Diese große Erzählung des Lebens zeigen die Aufnahmen Andreas Maders - unprätentiöse und unsentimentale aber gleichzeitig intime Porträts des Freundeskreises über einen langen Zeitraum hinweg fotografiert. Ihnen liegt die innere Überzeugung zu Grunde, dass sich im Alltäglichen eine tiefere Wahrheit über uns selbst offenbart. Andreas Mader bedient sich der Fotografie, um das unmerkliche Verrinnen der Zeit, visualisiert durch körperliche und modische Veränderungsprozesse, zu dokumentieren. Persönliche Teilhabe und taktvolle Distanz befinden sich dabei in einem feinen Gleichgewicht... Rainer Danne

 


 

Florian Beckers - Das Verschwinden der Bilder Florian Beckers fotografische Arbeiten sind im wörtlichen Verständnis "Licht-Bilder", d.h., Licht ist Thema der Bilder, Ursache und Gegenstand zugleich.
Auf den ersten Blick mag dies widersprüchlich erscheinen, da in seinen Fotografien die Dunkelheit dominiert. Man könnte also eher davon sprechen, dass sie aus der Dunkelheit heraus entstehen und teilweise wieder in ihr verschwinden.
Die Dunkelheit aber wird nur durch das Licht erfahrbar.
Im Wechselspiel bzw. Spannungsfeld von Dunkelheit und Licht erscheinen Wirklichkeitsfragmente, Versatzstücke des Realen, in der Form, dass das Angedeutete im Betrachter Assoziationen weckt. Dabei steht nicht nur jedes Bild für sich alleine, sondern es gibt Korrespondenzen, die einen Zusammenhang nahe legen. Aber, herausgerissen aus einer räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Kontinuität kann sich eine Lesbarkeit in chronologischer Reihenfolge nicht ergeben. Vielmehr entstehen Brüche, die Fragen aufwerfen und eine Reaktion des Betrachters fordern.
Das noch Sichtbare ist dabei lediglich Auslöser für das, was außerhalb der Abbildung liegt, aber das Wesentliche darstellt. Das Bild erschliesst sich also nur in der Wahrnehmung des Betrachters selber, muss durch seine Vorstellungskraft vollendet werden.

 

 

 

Thomas Bachler Bild aus der Serie
Pixel Trees, Camera obscura
Fotografie, 2006, 60 x 80 cm, Barytabzug.
Thomas Bachler präsentiert vier neue Fotoserien aus den letzten Jahren: Übers
Lesen, Fovea centralis, Pixel Trees und Deutsche Autos. Allen Arbeiten ist gemeinsam, daß sie, einem strengen Konzept folgend, unsere bzw. die apperative Wahrnehmung thematisieren und hinterfragen.

 

 

 

 

Anja Bohnhof & Karen Weinert
Die Serie Abwesenheitsnotizen zeigt Ansichten von musealen Gedächtnis-stätten historisch bedeutender Persönlichkeiten, in denen die Fotografinnen über eine inszenierte Leere den Blick des Betrachters auf die "Unbestimmtheitsstellen" lenken.
[...] Bohnhof und Weinert zeigen leer stehende Innenräume, die Persönlichkeiten fehlen. Die Spuren in den Gebäuden, an den Fußböden, den Tapeten, lassen Rückschlüsse, wenn auch begrenzt, auf die ehemaligen Bewohner zu. Die Räume zeigen Spuren menschlichen Lebens in menschenleeren Bildern. Das Visuelle dehnt sich in den narrativen Bildern weit über das hinaus, was auf ihnen zu sehen ist und der kühle Blick in diese Räume wirkt wie ein präziser Schnitt durch das eigene Gedächtnis. Fenster, Türen, Böden sind erkennbar und vielleicht auch zeitlich einzuordnen. Sie sind Eingänge in ein Labyrinth der Umrisse und Farben. Die Distanz dieser Räume schafft eine paradoxe Nähe zu den Menschen, die hier gewirkt haben sollen. Man sucht nach Spuren einer Geschichte und verdächtigt die eigenartigen Streifen der Tapeten. [...]
aus der Rede von Dr. Sandra Mühlenbehrend im Neuen Sächsischen Kunstverein, Dresden
Abbildung: Arbeitszimmer Annette von Droste-Hülshoff, Rüschhaus, Stadtmuseum Münster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertram Kober, aus der Serie Carrara

 

 

 

 

 

 

 

 

Programm der Tagung
im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg

Samstag, 9.12.2006, 10.00 - 19.00 Uhr
Sonntag, 10.12.2006, 10.00 - 18.00 Uhr


Samstag

  9:30 Uhr  Ankunft und Einlass in das Auditorium.
                 Bitte beachten: Separater Eingang auf der Rückseite des Hauses

10.00 Uhr Begrüßungen: F.C. Gundlach und Ingo Taubhorn (HdP)
                 Manfred Schmalriede (Präsident der DFA)

10.15 Uhr Präsentation: Emanuel Raab

11.00 Uhr Vortrag: Prof. Dr. Dagmar Burkhart: Der Tod und das Model -                  Nekrophile Tendenzen in der Modefotografie


12.00 Uhr Mittagspause mit der Möglichkeit im hauseigenen Restaurant „Fillet                  of Soul“ zu essen. Tische werden reserviert.


13.00 Uhr Präsentationen: Marc Beckmann, Andrea Diefenbach

14.00 Uhr Vortrag: Dr. Peter V. Brinkemper: Heartbeat or Heartattack?
                 Sinn und Sünde in der Modefotografie"


15.00 Uhr Präsentationen: Bernd Arnold, Andreas Weinand


16.00 Uhr Kaffee-Pause


16.30 Uhr Präsentationen: Haubitz+Zoche, Claus Bach,
                 Klaus Elle, Lukas Einsele

19.00 Uhr Ende

 

 

Sonntag

10.00 Uhr Ausstellung „The Heartbeat of Fashion“ ist geöffnet

11.00 Uhr Führung durch die Ausstellung von F.C. Gundlach

12.00 Uhr Mittagspause


13.00 Uhr Präsentationen: Achim Mohné, Tilman Lothspeich, Knut Maron

15.00 Uhr Präsentation: Gabriele Leidloff
                 Vorträge: Jörg Bader, Direktor des Centre da la Photographie Genf,
                 Prof. Dr. Bernd Hüppauf, New York University


16.15 Uhr Kaffee-Pause


16.45 Uhr Präsentationen: Andreas Herzau, Horst-Dieter Zinn


18:00 Uhr Ende der Tagung

 

 

Haus der Photographie Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1 - 2
D-20095 Hamburg
Tel. +49-(0)40-32 10 30
Fax +49-(0)40-32 10 3-230
info@deichtorhallen.de

 


Bildpräsentationen:

Bernd Arnold, Claus Bach, Marc Beckmann, Andrea Diefenbach,
Lukas Einsele, Klaus Elle, Haubitz+Zoche, Andreas Herzau,
Gabriele Leidloff, Tilman Lothspeich, Knut Maron, Achim Mohné,
Emanuel Raab, Andreas Weinand, Horst-Dieter Zinn


 

 

Claus Bach Heinos Kabinett: Annäherung an ein Spontankunstwerk. Seit 1985 sammelt der gelernte Tischler Heino Kirbst im thüringischen Dorf Sieglitz Alltags- und Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, ohne sich dabei auf Zeitepochen oder bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Seine einzig erklärte Absicht besteht - wie so oft - im Bewahren von Vergessenem. So füllt sich bis heute das Gebäude der ehemaligen Schule des Ortes, ein zweigeschossiger DDR- Plattenbau, mit all diesen Dingen, selbst klinische und elektronische Apparaturen sowie diverse Materialien des Schulunterrichts fehlen nicht. Und die Angelegenheit hat Folgen: Seine Obsession fand in der Gestaltung einzelner Themenkabinette ihren bisherigen Höhepunkt, welcher über die Jahre zu einem bizarren Spontankunstwerk heranreifte. Zeitgenössische Installationskünstler sollten unbedingt eine Weiterbildungsreise nach Sieglitz in Erwägung ziehen. Aber auch die reine fotografische Reise durch "Heinos Raritätenkabinett", wie er es selbst nennt, läßt die eine oder andere inszenierte Fotoarbeit fast überflüssig erscheinen. Hier hat Realität Fiktion überholt.

 


 

Achim Mohné The Lemay Island Remote Location project.
Eine Lichtinstallation für LED-Spot Strahler, Windgenerator, Solarmodule.
Die Lemay Island Remote Location wurde 1969 von Robert Smithson und Nancy Holt erworben. Das 40 Hektar messende Landstück liegt 70 Kilometer entfernt von urbaner Infrastruktur. Im Juni 2005 wurde die energieautarke, permanente „Land-Media-Sculpture“ auf Lemay Island errichtet. Die Lichtinstallation illuminiert die umliegende Landschaft 24 Stunden täglich mit einem „Lichtkorridor“. Die Solarmodule dienen der Stromerzeugung und gleichzeitig als „fotografische Tafelbilder“, die das umliegende „Newfoundland Evaporation Basin (Great Salt Lake) reflektieren.

 

 

 

 

Andreas Herzau
Deutsch Land – Eine Reise zu den Deutschen

Dieses Projekt ist eine Bilderreise, eine subjektive Bestandsaufnahme über Deutschland 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und gut 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Andreas Herzaus Plan war es, keinen Plan zu haben, keiner „Story“, keinem Plot zu folgen. Bei dieser Arbeit ging es ihm darum, Bilder und Geschichten zu finden, statt diese zu suchen und sich die Freiheit zu nehmen, kleine Dinge zu entdecken, die durchaus die Kraft haben, vom großen Ganzen zu erzählen. Es werden die flüchtigen Dinge und Eindrücke festgehalten, die viel über die Stimmung in Deutschland erzählen können und vor denen letztlich die Sprache versagt. Seine Arbeitsweise ist ein Vagabundieren und Flanieren im Visuellen: subjektive Skizzen und Notizen, kleine Ausschnitte des Deutschen Alltags und der Deutschen Kultur. Anknüpfend an seine früheren Arbeiten über New York (2000 – 2002) oder die Durchquerung des indischen Subkontinents (2004) schneidet er diese fotografischen Eindrücke assoziativ an- und gegeneinander. So entstehen einzelne Kurzgeschichten und gefühlvolle Einblicke in die heutige deutsche Normalität.
Diese Arbeit entstand mit Hilfe eines Stipendiums der VG BildKunst.

 

 

 

 

Seit Jahren beschäftigt sich Bernd Arnold mit Macht und den Ritualen gesellschaftlicher Inszenierungen. Themen waren die katholischen Rituale in Köln, die Inszenierungen des demokratischen Wahlkampfes zur Findung des Kanzlers, das Nachtleben, die zauberhafte Welt des Eros mit Zuhältern und Prostituierten, die Gipfel der Weltwirtschaft und das Innenleben der Fernsehwelt mit der Frage »Ist die Erde eine Mattscheibe?«. Gemeinsam ist den Geschichten ihre Verbundenheit zur metaphysischen Ebene der Macht: dem Glauben. Hierarchien und Zusammenhalt innerhalb bestehender gesellschaftsrelevanten Gruppierungen werden durch das existentielle Bedürfnis nach »Glauben« immer wieder gefestigt und neu bestimmt.
Macht und Ritual‹, 1986-2004 Zu sagen, die klassische, die analoge Fotografie registriere die Oberfläche einer sichtbaren Welt mit staunenswerter Präzision, ist physikalisch sicher richtig. Markiert aber wohl kaum die Grenzen einer Kamerakunst, deren Anspruch darin besteht, sozusagen ›hinter die Kulissen‹ zu blicken. Genau dies ist das Anliegen des Kölner Fotografen Bernd Arnold, der sich besonders jener Bereiche annimmt, wo das bewusste Schauspiel, das dezidierte Auffahren einer Maske gewissermaßen zur ›Conditio sine qua non‹ gehört. Galt sein anfängliches Interesse den Riten und Ritualen der katholischen Kirche, so hat Arnold seinen Radius zügig auf die Bereiche Politik und Medien erweitert und – in Gestalt einer ebenso intelligenten wie atmosphärisch dichten Schwarzweißfotografie – gezeigt, wie kritischer Dokumentarismus heute aussehen könnte. 
Von Michael Koetzle (im Rahmen seiner kuratierten Ausstellung „24x36“) 



 

 

Klaus Elle wird zwei aktuelle fotografische Arbeiten vorstellen. Die Serie Übergangslandschaften zeigt eine speziell gewachsene Natur, die sich in der Nähe unserer Großstädte entwickelt hat. Ein neuronales Geflecht von Ästen und Blattwerk, kleine Biotope, vergessene Grünflächen, wo die Evolution still vor sich hinspielt. Dazu gibt es bunt geordnete Konsumlandschaften und künstliche Gärten unserer Überproduktion.
Ich war Sigi (ein Totenmonolog) ist ein Bild Buch Projekt. Basierend auf den Tagebüchern eines Verstorbenen hat Klaus Elle Stilleben in dessen Haus fotografiert und einen Text parallel zu den Tagebüchern verfasst.

 



 

Horst-Dieter Zinn, Off - Line
...Wenn der Motor im Stillstand läuft besteht die Möglichkeit der Erkenntnis, welche Bilder in mir verbleiben, welche Bilder ich vergesse, welche Bilder meine Wirklichkeit offensichtlich berühren. Der Stillstand, das „Offline“ gehen der Bilderwelten entblättert das Paradox in der Fotografie: Dass Bilder im Tiefsten das verbergen, was sie vorgeben zu zeigen. Also bin ich angewiesen auf die Interpretation des Dargestellten und begebe mich so zwangsläufig in den Bereich der Selbsterfahrung. Die kann allerdings ihre Grenzen (also ihr verhaftet sein im Ego) nur dann überschreiten, wenn ich das Bild erlebe. ....

 

 

 

 

Künstlerduo Haubitz + Zoche, Skidubai, Dubai, 2006. Seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahre 1998 reflektieren die Künstlerinnen Raum und Architektur (als umbauten, gebauten Raum) sowohl in ihren installativen wie fotografichen Arbeiten nicht im Sinne seiner faktischen Gegebenheit, sondern als wahrnehmungsabhängige Konstruktion. (...) 
Eine mit theatralischem Illusionismus spielende Bühnenhaftigkeit rückt seit 2002 in das Zentrum der fotografischen Untersuchungen von Haubitz+Zoche. Sportstätten, Baustellen, Musterfassaden, Festzelte und Museumsräume erscheinen stets als menschenleere Orte an denen sich die Melancholie des Nichtereignisses mit der unbestimmten Erwartung auf eine möglicherweise bald stattfindende Aktion mischt." (Stephan Berg)
Neben Aufnahmen aus dieser offen angelegten Serie zeigen Haubitz + Zoche erste Skizzen zu einem neuen Projekt über Baustellenplakate in Dubai.

 

 

 

 

Holz vor der Hütte, Tilman Lothspeichs neueste Arbeit enstand im Winter 2005/2006 im äußersten Osten der Republik, in Görlitz. Diese Stadt hat die DDR unbeschadet überstanden, weil sie der dortigen Regierung so unwichtig war. Gammel und Improvisation gibt es in dieser Stadt kaum noch und vernagelte Fenster gehören dort bald der Vergangenheit an. – Alles wird fein sein.
Tilman Lothspeichs Intention ist nicht der „gelangweilte“ dokumentarische Blick, sondern ein Interesse am „Dahinter“. – Der verbaute, eingeschränkte Blick, die Strukturen, der „Lob der Oberflächlichkeit“.
Hier, wie auch in seinen früheren Arbeiten, ist sein Umgang mit den technischen Bildmitteln ein experimenteller. Fotografie ist nicht immer das Ausgangs-, aber meist das Endprodukt. In seiner Werkgruppe „Einschlafrituale“ observierte er seine eigene Einschlafphase (lange bevor die deutsche Fernsehnation Einblick in die Schlafzimmer ihrer Big-Brother-Kandidaten bekam). Von der Infrarot-Videokamera gingen die Bilder den Weg über den Computer um schließlich als stille Bildsequenz auf Fotomaterial präsentiert zu werden …

 

 

 

Andrea Diefenbach,  SPID – Aids in Odessa  Als Perle am Schwarzen Meer wird Odessa bezeichnet, die Hafenstadt im Süden der Ukraine – eins der Länder, die der Zusammenbruch der Sowjetunion mit am schwersten getroffen hat. Eins der vielen Symptome des Zusammenbruchs ist die Aids-Epidemie. Seit kurzem hält die Ukraine den traurigen Europarekord an Neuinfektionen und gehört auch weltweit zu den Staaten, in denen sich Aids am schnellsten ausbreitet.
Odessa, durch dessen Hafen der HIV-Virus damals vermutlich in die Staaten der Sowjetunion gelangte, ist heute eine der am schwersten betroffenen Städte, nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in der Einmillionenstadt etwa 160.000 Infizierte. Meine Arbeit erzählt persönliche Geschichten verschiedener HIV-positiver hinter dieser großen Zahl.

 



 

Marc Beckmann, VIVA LA COCA – Bolivien und die Coca Viva la Coca ist die Geschichte der Coca-Pflanze in Bolivien - es ist die Geschichte vom bolivianischen Hochland und dem ideologischen Einfluss auf die sozialen Bewegungen, den Minenarbeitern, die als Urväter der Coca-Bauern-Bewegung und der jetzt regierenden MAS Partei gelten. Es ist die Geschichte von der legalen und auch der illegalen Coca, von den Menschen, die vom Anbau der Coca-Pflanze leben und denen, die gegen sie kämpfen. Und es ist die Geschichte jenes Coca-Bauern, der aus einem kleinen Dorf im Chapare stammt und zum Präsidenten gewählt wurde. Viva la Coca ist der Versuch, Bolivien und die derzeitige Situation zu begreifen und zu erklären.

 

 

 

Andreas Weinand, Seeing and Believing Seit 20 Jahren entwickle ich meine künstlerisch dokumentarische Photographie im Spannungsfeld von Auftragsarbeiten und freien Produktionen im Medien- und Kunstkontext.
Schwerpunktmäßig befasse ich mich mit der Darstellung der Menschen in ihren Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt. Meine Intention ist die visuelle Übertragung individueller Lebensimpulse. Insbesondere die Suche des Menschen nach Identität und deren Ausdruck ist immanenter Bestandteil meines Werkes.

 



 

Emanuel Raab, Ansichten über Innen und Außen Räume regeln das Leben – wo die Eingänge sind, welche Form die Räume haben, wie die Objekte aussehen, das regelt das Leben.Lucius Bernhard
Herausgelöst aus erkennbaren zeitlichen, geographischen oder architektonischen Zusammenhängen erforscht Ansichten jene Transformationen, die an sich bedeutungslose Orte durch den künstlerischen Zugriff mittels einer subjektiven Kamera erfahren. In der konzentrierten Betrachtung präzise gewählter Bildausschnitte nisten Offenlegung und Verborgenheit zugleich. Die fotografische Erfassung eines bestimmten Augenblicks, einer bestimmten Perspektive, eines bestimmten Lichts überführen die Orte in Projektionsflächen des Unbestimmbaren. Innen und Außen verdichten sich zu magisch aufgeladenen, metaphorischen Räumen, die über die bildnerische Wirklichkeit hinaus Eingang suchen in das Wesenhafte, das sich gegen jede konkrete – sprachliche wie bildliche – Erfassung sperrt. Aus der intendierten Sichtbarmachung des Innenliegenden resultiert eine ästhetische Wirklichkeitskonstruktion, die sich nicht aus der Hinzufügung, sondern aus Reduktion, nicht aus Bewegung, sondern aus Innehalten nährt. Schauend im Sinn von erspürend wandelt sich das Dargestellte in mögliche Übergänge in das Unerwartete, das Undarstellbare, das sich einer tieferen Wahrheit zu nähern sucht.