Tagungen der Deutschen Fotografischen Akademie e.V.

Programm der Tagung in Augsburg 3./4. Dezember 2016

 

Samstag, 3.12.
10.00 - 10.05 Begrüßung durch Ingo Taubhorn, Präsident der DFA
10.05 - 10.30 Celina Lunsford (Vizepräsidentin der DFA) und Thomas Elsen (Leiter des H2-Zentrum für Gegenwartskunst Augsburg) Einführung zur Ausstellung Not Here Yet
10.30 - 11.15 Esther Hagenmaier shaped photography
11.15 - 12.00 Ralf Cohen Foto-Lösungen
12.00 - 12.45 Rosa Roth The Smart View
12.45 - 13.45 Mittagspause
13.45 - 14.30 Haubitz + Zoche Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India
14.30 - 15.15 Birte Kaufmann New Project
15.15 - 15.45 Kaffeepause
15.45 - 16.30 PD.Dr. Andrea Gnam Textiles Gedächtnis oder Wörterbuch der Armut?
16.30 - 17.15 Meinrad Schade Krieg ohne Krieg
17.15 - 18.00 Lois Hechenblaikner Delirium Alpinum
18.15 - 21.00 10. Portfoliowalk der DFA in den Räumen des H2-Zentrum für Gegenwartskunst Augsburg mit den Fotograf/Innen: Britta Baumann, Ulla Deventer, Anna Ehrenstein, Claudia Fährenkemper, Stefan Hammer, Jana Hartmann, Hengameh Hosseini , Hannes Jung , Irina Kholodna, Martin Lamberty, Sergiy Lebedynskyy, Kristina Lenz , Ingmar Björn Nolting, Annina Oliveri, Rafa Raigon, Fabian Rockenfeller, Jewgeni Roppel, Kirstin Schmitt, Miriam Stanke, Katrin Streicher
Sonntag, 4.12.
10.00 - 10.15 Begrüßung durch Ingo Taubhorn, Präsident der DFA
10.15 - 11.00 Patrik Budenz Nang samaathi / Siphaa naathii
11.00 - 11.45 Daniel Schumann The End of Winter
11.45 - 12.30 Catrine Val Philosopher - the female wisdom
12.30 - 13.30 Mittagspause
13.30 - 14.15 Erasmus Schröter Komparsen
14.15 - 15.00 Ute Behrend Bärenmädchen
15.00 - 15.30 Kaffeepause
15.30 - 16.15 Thomas Brenner Krieg und Frieden
16.15 - 16.30 Jürgen Scriba Bach_10K
16.30 Ende der Tagung

Ausstellung während der Tagung:

Not Here Yet

kuratiert von Celina Lunsford und Thomas Elsen

Ferit Kuyas, City of ambition, archival pigment print, 2008, 100 x 125 cm

 

 

 

Vitus Saloshanaka, o.T., aus dem Buch High Hopes, Sochi 2013

Ausstellung Not Here Yet

Begriff und Thema der Migration sind aktuell in aller Munde. Nicht erst die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit in zahlreichen Krisenherden innerhalb und außerhalb Europas haben unsere Wahrnehmung über Ursachen und mögliche Reaktionen auf Bewegungen von Menschen in ein Nachdenken auch über unseren eigenen Standort überführt. Wer sind wir, woher kommen wir und wohin wollen wir gehen sind Fragen, die nicht nur physische Bewegungen von Menschen betreffen, sondern auch und gerade mentale und innere. 
Die Ausstellung Not Here Yet – noch nicht angekommen – stellt die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit einer Thematik dar, die im Kontext der Kunst nie plakativ politisch, sondern stets übergreifend und grundsätzlich war und ist.

Sie spiegelt sich in der Reflektion persönlicher Biografien genauso wie in der Beobachtung von Natur, von Landschaft und Urbanität wie in derjenigen gesellschaftlicher Konstellationen wieder. 
Zehn internationale künstlerische Positionen beleuchten dies in fotografischen und filmischen Bildern auf ebenso eigene wie eindrucksvolle Weise.  

Die Ausstellung wird kuratiert von Celina Lunsford und Thomas Elsen. Die teilnehmenden Künstler/Innen sind u.a. Andy Heller, Omar Imam, Ferit Kuyas, Vitus Saloshanka, Johanna Diehl, Hamish Fulton, Alberto García Alix, Charlotte Moth, Burkhard Schittny, Susanne Wellm 

Ausstellungsdauer: 18. November 2016 bis 23. April 2017 

Rosa Roth The Smart View

Rosa Roth ist Gründerin von THE SMART VIEW – Deutschlands erstem unabhängigem Magazin für Mobilfotografie. Das Printmagazin, gegründet Ende 2014, konzentriert sich auf die Fotografie mit dem Smartphone und der sozialen Netzwerke. Die jährlich erscheinende Printausgabe veröffentlicht Arbeiten internationaler Künstler und Fotografen aus der Social Network Szene und verknüpft diese mit interessanten Texten und Interviews. Dabei soll das Magazin Fragen stellen; Fragen an die Zukunft der Fotografie. Bereits die erste Ausgabe des Magazins hat weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen, gewann unter anderem einen Design-Award, war nominiert für Launch of the Year 2015 und mehrfach gelistet unter den Top 10 der Indiemagazine weltweit. Im September 2016 ist nun die zweite Ausgabe erschienen zum Thema Kuration in Zeiten von Picture-Sharing-Platforms. Unter dem Titel „ Curator’s Choice“ präsentiert die Ausgabe kuratierte Fotostrecken internationaler Fotografen und Texte zum Thema. 


Rosa Roth, geboren 1987, ist gelernte Grafikdesignerin und hat an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg Fotografie studiert. Seit 2013 konzentriert sie sich auf die Mobilfotografie, zunächst künstlerisch dann auch wissenschaftlich. 2015 schloss sie ihr Studium an der HfbK mit der ersten Ausgabe von THE SMART VIEW ab und widmet sich seitdem der Arbeit an dem Magazin und dem Aufbau eines weltweiten Netzwerkes an Künstlern.

www.thesmartview.de

 

 

Erasmus Schröter Komparsen

Seit mehreren Jahren arbeitet Erasmus Schröter an seiner Serie „Komparsen“. In immer neuen Locations und Inszenierungen bringt er Bildpersonal und Objekte zusammen, kreiert er Atmosphären mit spezieller Beleuchtung, ruft er Erinnerungen wach und verdeutlicht, dass Spurenelemente des Vergangenen immer auch im Heute stecken.

Ihm geht es um den Respekt vor gelebtem Leben und um die Verständigung über die Wesenheit von Zeit. Diese Bilder sprechen für Frauen und Männer, die sich als Kleindarsteller bei Castings bewerben, um Nebenrollen in Filmen, im Fernsehen, in Theater oder Oper zu ergattern in der Hoffnung, dass es gelingen könnte, etwas vom Ruhm abzubekommen in diesem kurzen Leben.  

Für Schröters Projekt kommen die Darsteller in ihrem privaten Outfit. Jeder präsentiert sich so, wie er mag. Der Künstler sucht lediglich die Location aus und richtet das Bild ein. Schröter lässt sein Bildpersonal authentisch sein und schenkt ihm Anerkennung und Aufmerksamkeit. Was wir sehen, könnten Stills aus einem noch nicht gedrehten Film über die wirklichkeitsbewegende Kraft des Gestern im Heute sein und wie man sich dem lärmenden Zeitgeist ruhig und selbstbewusst in den Weg stellt.  

Ute Behrend Bärenmädchen

In ihrer neuen Arbeit hat sich Ute Behrend mit dem „Erwachsen werden“ von Mädchen beschäftigt. Sie verwendet dazu eine fiktive Geschichte als Leitfaden: In dieser Geschichte können die Mädchen eines Indianerstammes, in Nordamerika oder Kanada, geschützt und behütet erwachsen werden. Es gibt keinerlei Erwartungshaltungen an die Mädchen und sie können den Zeitpunkt an dem sie in die Gemeinschaft der Erwachsenen eintreten selbst bestimmen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, unbeeinflusst von der Außenwelt ein für sie stimmendes Frauenbild zu entwickeln.


Um eine poetische und erzählerische Bildsprache zu erreichen arbeitet Ute Behrend seit Jahren mit Bildpaaren. Dabei verwendet sie sowohl szenisch vorgefundenes als auch inszeniertes Fotomaterial.  Die Bezüge zwischen den Bildern verleitet die BetrachterInn zu einer inhaltlichen Verkettung des Gesehenen aus der eigenen Erinnerung und dem kulturellem Gedächtnis heraus. Er/Sie nimmt die zwei Bilder kaum mehr getrennt voneinander wahr und begibt sich auf die Suche nach einer narrativen Ebene.

 

 

Catrine Val PHILOSOPHER the female wisdom

Unsere Zeit wird von einer Welle des Narzissmus und einem Kult der Selbstdarstellung heimgesucht. Mediale Inszenierung bestimmen unseren Alltag. Sie verändern unseren Blick auf die Jugend und das Alter, auf Schönheit und Charakter, auf das Selbst und die Weiblichkeit. Das moderne Leben hat sich von der Echtheit weit entfernt. Hüllen, Leerformen und Maskeraden. Meine Arbeiten sind keineswegs nur eine post-feministische Selbstbespiegelung in eigenem Mikrokosmos, sondern funktionieren ganz nach Jean-Paul Sartres These, der Mensch sei zur Freiheit verurteilt und müsse sein Menschsein täglich neu erfinden. Die Vervielfältigung der Frau und ihr verkrampftes Spiel mit der täglich neuen Selbstinszenierung entlarven das Kräftemessen zwischen Authentizität und Inszenierung.. Sie bewegt sich im Reich der Utopie, aber manchmal greift sie nach den Sternen.

...Philosophers reaktiviert nun die klassischen Positionen der Philosophie und strebt damit eine Neubetrachtung des Verhältnisses von Natur und Mensch an. Unternommen wird eine selbstreflexive Suche, bei der durch zwei Fotoreihen und die Formulierung philosophischer Kernthesen, die in Beziehung zueinander gesetzt werden, kulturhistorische Positionen der Philosophie als Ausgangspunkt und Referenzen integriert, interpretiert und künstlerisch assoziativ zur Disposition gestellt werden, um deren aktuelle Relevanz zu testen.  

PD.Dr. Andrea Gnam Textiles Gedächtnis oder Wörterbuch der Armut?

Betrachtet man in unserem Jahrhundert entstandene Werke von Fotografinnen mit Migrationshintergrund, die ins Land ihrer Eltern reisen, fällt auf, eine wie herausragende Rolle auf Bildern von Wohnräumen und den in ihnen lebenden Menschen – für unser Augen recht üppig – gemusterte Stoffe einnehmen. Muster und Ornamente, abgelegte Kleider und Stoffe bilden einen Speicher der materiellen Geschichte und Erinnerung, können aber auch als Träger politischer Botschaften dienen. Besonders Osteuropa bildet für Fotografinnen ein Archiv des Erkennens und Erkundens.

Foto: Loredana Nemes

 

 

Patrik Budenz Nang samaathi / Siphaa naathii

Buddhistische Mönche und Muay Thai, Thai-Boxen, sind zwei der offensichtlichsten Attraktionen für westliche Thailand-Touristen, verbinden sie doch unbekannte und faszinierende Exotik mit Spektakel und Spiritualität.

Muay Thai ist eine der härtesten Kampfsportarten. Sip haa naathii, thailändisch für „15 Minuten“ – fünf Runden zu je drei Minuten, dies ist die kurze Zeitspanne, die ein Kampf andauert und in der die Kämpfer an ihre körperlichen und mentalen Grenzen kommen.  

Ein vollkommener Gegensatz hierzu ist die friedliche Spiritualität des in Thailand praktizierten Buddhismus, bei dem insbesondere die Meditation – nang samaathi – einen zentralen Stellenwert einnimmt.

Doch so verschieden beide Welten scheinen, so ähnlich sind sie doch: Boxer wie Mönche müssen sich strengen Regeln unterwerfen, was nur durch eine absolute physische und psychische Fokussierung erreicht werden kann.  

Daniel Schumann, The End of Winter

Ein Autounfall, bei dem mein Foto-Equipment zerstört wurde, ist der Auslöser für dieses Projekt. Genauso, wie durch einen Sturm, der Bäume in einem Wald umreißt, ist Raum entstanden für Entwicklung.  

Entsprechend dem Kontrollverlust während des Unfalls gebe ich auch hier Kontrolle ab. Zufall und die Kooperation mit Wissenschaftlern spielen eine wichtige Rolle und werden zu Musen und Quellen der Entdeckung. Es hat für mich etwas sehr befreiendes, das Ziel meiner Arbeit nicht von vornherein festzulegen, sondern offen zu sein, mit jedem Schritt das Projekt in eine neue Richtung weiter zu entwickeln.  

»The End of Winter« ist eine Liebeserklärung an das Medium Fotografie und zugleich ein Selbstporträt. Und genauso, wie ich mich weiterentwickle, wird auch das Projekt offenbleiben und sich weiter verändern.   

 

 

Ralf Cohen Foto-Lösungen

Ausgehend von durch Naturkatastrophen verursachten Veränderungen, strukturiere ich seit 2011 eigene Originale von Natur- und Kulturlandschaften aus den 1990er Jahren um zu neuen Bildern unter dem Titel NEULAND. Wie Stürme und Tsunamis über das Land fegen, traktiere ich in manuellen, langwierigen Bearbeitungsprozessen meine früher entstandenen sw-Barytvergrößerungen. Es entstehen Bilder, die den Wandel in der Zeit sichtbar machen. Der Kultur-Journalist Ralf Hanselle schrieb 2015: „Es ist gerade diese NEULAND-Serie, die sich dem fotografischen Glauben grundlegend verweigert. Zeit, so sagt sie, ist nicht das, was im Motiv eines Bildes wie festgefroren erscheint. Zeit ist ein Prozess, der sich tief in die Fotografie selbst eingeschrieben hat.“ Gegenüberstellend zeige ich Fotoarbeiten, die das Chaotische im Element Wasser zum Thema haben.

Esther Hagenmaier shaped photography

Bei den 'shaped photographies' gleiche ich die Fotografien durch Beschneiden meiner spezifischen Wahrnehmung an. Fotografierte architektonische Details werden so weiter fragmentiert, Unwichtiges wird ausgeblendet. Die Reduktion bringt Klarheit. Durch die individuelle geometrische Umrißform greifen die Fotoarbeiten in den Raum aus. Sie erzeugen durch klare Linien und formale Strenge Ruhe und sind gleichzeitig ein Impuls im Raum. Das fotografische Bild entfernt sich von seiner Abbildfunktion und wird zum Seh- und Wahrnehmungsfeld.

"Seit einigen Jahren widmet sich Esther Hagenmaier Bildobjekten aus polygon beschnittenen Photographien, die durch ihre Montage vor der Wand zu schweben scheinen und das malerische Konzept der shaped canvas gleichermaßen in ein trompe l’oeil wie in die Medienwirklichkeit übertragen." Rolf Sachsse

 
 

 

Jürgen Scriba Bach_10K

 Bach_10K füllt den gewaltigen Resonanzraum des Augsburger Gaskessels mit einer sich ständig verändernden Klanglandschaft. Gesteuert durch das 70 Meter lange Foucault Pendel erklingen die Töne von Bachs C-Dur Präludium in hypnotischer Langsamkeit. Synchron zur Pendelperiode von 17 Sekunden baut sich das Stück Note für Note über eine Zeit von 10.000 Sekunden auf. Daraus leitet sich auch der Name des Projekts ab – 10k als technische Abkürzung von 10.000. Ausgehend vom Grundklang des C-Dur-Akkords entwickelt sich der Klangraum über einen Wechsel von spannungsvollen und reinen Harmonien zum Schlussakkord über dem mächtigen Basston der etwa fünf Meter hohen C-Pfeife. Auch wenn die Veränderung der Pendelebene, hervorgerufen durch die Rotation der Erde, dem Auge verborgen bleibt, macht die sich beständig ändernde Harmonik die Bewegung unseres Planeten sinnlich erfahrbar.

Lois Hechenblaikner Delirium Alpinum

Tirol durch die Augen von Lois Hechenblaikner zu sehen tut weh. Da ist ein Fotograf am Werk, der sich als Pathologe einer ganzen Landschaft sieht, der mit einer Drastik, die kaum zu überbieten ist, Bilder vom Massentourismus in Tirol zeigt. In Serien mit Titeln wie „Hinter den Bergen“, „Aprés Ski“ „Intensivstationen“, „BergWerk“, oder „Volksmusik“ geht er Themen nach, die Untersuchungen gleichkommen über die Krisen der Identität, die Mensch, Architektur und Natur befallen haben.

In seinem Vortrag präsentiert er Gegenüberstellungen von Damals und Heute. Dabei bedient sich der Künstler Fotografien, die zwischen 1936 und 1960 im Auftrag der Landwirtschaftskammer Tirol vom Agraringenieur Armin Kniely angefertigt worden sind. Lois Hechenblaikner konfrontiert diese Bilder formal mit eigenen Ansichten vom heutigen Leben in den Bergen. So entstehen Bildpaare, die den Nutzungswandel der Bergwelt sichtbar werden lassen.

In seiner Werkserie „Intensivstationen“ zeigt er die technisch perfekte Infrastruktur für das gewünschte Delirium des Publikums in Aprés Ski-Bars: Wände voller Schläuche zum Verteilen der Alkoholika. .

Axel Jablonski, *1962. Freier Kurator, Liechtenstein

 

 

Thomas Brenner Krieg und Frieden

 Ein Parkdeck, eine Straße, Kinder, sprießendes Grün: Begriffe, die uns Alltag, Harmlosigkeit oder Harmonie vermitteln. Wir finden die Orte und Situationen in den Bildern des Projekts „Krieg und Frieden“. Und doch stockt der Blick, stellen Brenners Installationen unsere Seh-Erwartungen jäh infrage. Denn der „Mensch“ und seine Aggressivität kommt ins Spiel - und die vorgebliche Harmlosigkeit des Settings löst sich auf. Gasmasken, Helme, Waffen: Attribute des Kriegs - stören das alltägliche oder harmonische Ambiente. So wie die Bilder der weltweiten Kriege, längst beständiges Beiwerk unseres Alltags, stören und ver-stören.

Und so, wie die Bilder der menschlichen Dramen durch die Medien mitten in unsere Leben getragen werden, hängen auch die Bilder von „Krieg und Frieden“ inmitten unseres Alltags, in den Fußgängerzonen und an Bauzäunen: großformatig, unübersehbar, unabwendbar.  

Meinrad Schade Krieg ohne Krieg

Seit über zehn Jahren bewegt sich Meinrad Schade an den Rändern der Konflikte. Ihn beschäftigt die Frage, was ausserhalb der Epizentren der Kriege sichtbar ist. Wann beginnt ein Krieg, wann hört er auf. Was ist neben einem Krieg? Seine Bilder erzählen nicht von der heissen Phase, sie erzählen von einer alltäglichen Realität, die zur Normalität geworden ist. Sie erzählen, wie sich Konflikte in die Landschaft, Architektur, den Menschen und deren Handlungsweisen manifestieren – in Nebenschauplätzen. Es sind all diese Nichtgeschichten und Nebenschauplätze, die in ihrer Gesamtheit ebenso zum Bild der Welt beitragen und seiner Meinung nach zu kurz kommen und in ihrer Bedeutung unterschätzt werden.

2015 erschien parallel zur gleichnamigen Ausstellung in der Fotostiftung in Winterthur das Buch «Krieg ohne Krieg», das Geschichten aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammenfasst. Seit 2013 führt er sein Projekt in Israel und Palästina weiter.

Meinrad Schade wurde 1968 in Kreuzlingen (Schweiz) geboren und hat sich nach einem Studium der Biologie ganz der Fotografie zugewandt.

 

Haubitz + Zoche Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India

In den 1950er bis 1970er Jahren entstanden in Südindien sowohl in den Metropolen als auch in ländlichen Gegenden zahlreiche Kinosäle. Die Gebäude zeigen eine ungewöhnliche Mischung lokaler Baustile und westlicher Einflüsse. Die kulissenhaften, farbigen Fassaden bilden einen Vorgeschmack auf das Kinoerlebnis im Saal, in dem sich extravagante Formen und Verzierungen fortsetzen und den Zuschauer bereits vor der Filmvorführung auf die cineastische Welt einstimmen.

Auf drei Reisen in den Jahren 2010 - 2014 haben Sabine Haubitz und Stefanie Zoche diese Gebäude dokumentiert, deren Architektursprache man als eine Neuinterpretation der Moderne bezeichnen kann. Es sind Zeugnisse einer reichen Kinokultur, die in Europa und Amerika schon verschwunden ist und die auch in Indien bald von Multiplexsälen verdrängt wird.

Stefanie Zoche wird diese Serie und das bei spectobooks erschienene Buch auf der DFA-Tagung vorstellen. Außerdem zeigt sie ihre neueste Fotoserie über moderne Kirchenbauten in Kerala, die eine ähnliche Architektursprache aufweisen.

 

 

 

 

Programm der Jahrestagung 6. - 8. Mai 2016

Freitag, 6.5.
18.00 - 20.00 Mitgliederversammlung (nicht öffentlich) im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg .
Samstag, 7.5.
10.00 - 18.00 Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg
10.00 - 10.15 Begrüßung
10.15 - 11.00 Joachim Schumacher Die bescheidenen Wäldchen - von Birken und Industriebrachen
11.00 - 11.45 Dirk Gebhardt Quer Durch – Deutschland von West nach Ost
11.45 - 12.30 Göran Gnaudschun Mittelland
12.30 - 13.30 Mittagspause mit der Möglichkeit im hauseigenen Restaurant „Fillet of Soul“ zu essen. Tische werden reserviert.
13.30 - 14.15 Jaschi Klein
14.15 - 15.00 Christoph Bangert War Porn, Hello Camel
15.00 - 15.30 Kaffeepause
15.30 - 16.15 Brigitte Woischnik Ist Modefotografie Kunst oder Kommerz?
16.15 - 17.00 Johanna Jackie Baier
17.00 - 18.00 Führung von Ingo Taubhorn durch die Ausstellung "Ken Schles, Jeffrey Silverstone, Miron Zownir" im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg
18.00 - 21.00 9. Portfoliowalk der DFA in den Ausstellungsräumen des Hauses der Photographie, Deichtorhallen Hamburg
Teilnehmer/Innen: Hayley Austin, Jan Düfelsiek, Philip Fröhlich, Robert Funke, Lennart Gruensel, Sonja Hamad, Joachim Hildebrand, Jann Höfer, Sophia Kesting + Dana Lorenz, Karina-Sirkku Kurz, Tom Licht, Werner Mansholt, Ingmar Björn Nolting, Jo Oerter, Oliver Raschka, Christian Reister, Ken Ruesenberg, Claudius Schulze, Max Ernst Stockburger, Nikita Teryoshin, Hannes Wiedemann, Aisha Zeijpveld
Sonntag, 8.5.
10.00 - 17.00 Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg
10.00 - 10.15 Begrüßung
10.15 - 11.00 Matthias Jung Revier
11.00 - 11.45 Linn Schröder Ich denke auch Familienbilder, 2014-
11.45 - 12.30 Robin Hinsch Kowitsch
12.30 - 13.30 Mittagspause
13.30 - 14.15 Hendrik Faure Photogravuren zum Ende der Zeit
14.15 - 15.00 Renate Aller Ocean|Desert
15.00 - 15.30 Kaffeepause
15.30 - 16.15 Dr. Angela Hildebrand Street Photography, Privatsphäre versus Kunstfreiheit – ein unlösbarer Konflikt?
16.15 - 17.00 Peter Gauditz Neue Landschaften

Beiträge zur Tagung:

Ingo Taubhorn Führung durch die Ausstellung "Ken Schles, Jeffrey Silverthorne, Miron Zownir"

 

Jeffrey Silverstone

 

Johanna Jackie Baier

Brigitte Woischnik Modefotografie zwischen Kunst und Kommerz

Göran Gnaudschun Mittelland

Robin Hinsch Kowitsch

Christoph Bangert War Porn und hello camel

Matthias Jung Revier

Peter Gauditz Neue Landschaften

Joachim Schumacher Die bescheidenen Wäldchen - von Birken und Industriebrachen

Jaschi Klein somewhere

Renate Aller Ocean|Desert

Hendrik Faure Photogravuren zum Ende der Zeit

Dirk Gebhardt Quer Durch – Deutschland von West nach Ost

Dr. Angela Hildebrand Street Photography, Privatsphäre versus Kunstfreiheit – ein unlösbarer Konflikt?

Linn Schröder Ich denke auch Familienbilder

 

 

Johanna Jackie Baier

In mehreren Werkreihen portraitiere ich seit 1999 das Leben an den sog. „Rändern“ der Gesellschaft. Hier - bei Transen auf dem Berliner Straßenstrich oder bei Migrantinnen in Kopenhagen – mag man sich im Abseits wähnen, man ist jedoch mitten drin in den zentralen Herausforderungen einer global europäisierten Welt. Ich begann zu fotografieren, um mich den Zumutungen eines formierten Sehens zu entziehen, denen ich mich als TV-Regisseurin zunehmend ausgesetzt sah. Durch meine Transsexualität eines zuvor vermeintlich gesicherten ‚Point of View’ beraubt, habe ich außerdem Gründe, meinen eigenen Augen nicht zu trauen, denn als Produkte der Kulturgeschichte, die meine Wahrnehmungsfähigkeit der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht unterwirft, sind meine Augen eben genau nicht mehr meine Augen. Im Rekurs auf die Fotografie suche ich mittels der technischen Apparatur Orientierung und Perspektive. Mit der Art der Wahrnehmung ändert sich zunehmend auch ihr Gegenstand.

Brigitte Woischnik Modefotografie zwischen Kunst und Kommerz

Ist Modefotografie Kunst? Unter dieser Fragestellung nähert sich Brigitte Woischnik anhand von Beispielen berühmter Fotografen des 20. Jh., in deren frühem Œvre die Modefotografie eine wesentliche Rolle spielte. Welchen Einfluss hat die Modefotografie auf die Weiterentwicklung der jeweiligen Fotografen genommen? Schon früh wurde mit der Modefotografie als künstlerische Form experimentiert, wie man es u.a. am Beispiel der Arbeiten der amerikanischen Fotografin Lillian Bassman beobachten kann. Ihr folgten eine Reihe von zeitgenössischen Fotografinnen wie z.B. Cindy Sherman, Sarah Moon, Ines van Lamsweerde bis Vivian Sassen.


Auch viele Fotografen wie Horst P. Horst, Saul Leiter, Irving Penn, Richard Avedon, Hiro, William Klein, Helmut Newton, Guy Bourdin, Albert Watson, um nur einige zu nennen, haben mit ihrer Vision und visuellen Umsetzung von Mode die Modefotografie zur Kunstform erhoben und eine Synergie zwischen Kunst und Mode geschaffen. Doch ohne die berühmten Glanzmagazine Vogue und Harper’s Bazaar mit ihren berühmten Art Directoren Rolf Liebermann und Alexey Brodowitch, hätte die Modefotografie nie die Anerkennung erfahren, wie wir sie heute in der Kunstszene erleben können.

Brigitte Woischnik, die an der Meisterschule für Mode in Hamburg studierte, hat in den letzten acht Jahren gemeinsam mit Ingo Taubhorn bei der Erarbeitung großer Retrospektiven kuratorisch mitgewirkt: Lillian Bassman und Paul Himmel, Saul Leiter, Ute Mahler und Werner Mahler, sowie Sarah Moon.

 

Cindy Sherman für Balanciaga / 2008

 

 

Ingo Taubhorn Führung durch die Ausstellung "Ken Schles, Jeffrey Silverthorne, Miron Zownir"

Die Großstadt als Thema mit ihren Subkulturen, Verheißungen und Gefahren eint die drei fotografischen Positionen von Ken Schles, Jeffrey Silverthorne, Miron Zownir. Über einen Zeitraum von 10 Jahren beobachtete Ken Schles (geb. 1960) das vorbeirauschende Leben in seiner Nachbarschaft der Lower East Side in New York der 1980er Jahre. Das fotografische Werk Jeffrey Silverthornes (geb. 1946) besticht durch pointierte Darstellung existenzieller Lebensfragen: Identität, Liebe, Gewalt, Sexualität und Tod. Miron Zownir (geb. 1953) setzt sich in seinem fotografischen Werk konsequent mit gesellschaftskritischen und tabu-brechenden Themen auseinander, er beschreibt die Parallelwelten von Außenseitern in einer scheinbar zeitlosen Schattenwelt.

Die Ausstellung "Ken Schles, Jeffrey Silverthorne, Miron Zownir" ist im Haus der Photographie/Deichtorhallen Hamburg vom 5. Mai bis zum 7. August 2016 zu sehen.

Göran Gnaudschun Mittelland

Die neue Portraitserie „Mittelland“ ist im letzten Jahr in Hannover entstanden. Göran Gnaudschun wollte Normalität fotografieren – er fand sie in Hannover, der gefühlten Mitte des westlichen Europas. 
Auf der Suche nach dem Inneren der Gesellschaft ist er bei den einzelnen Menschen gelandet. Alle für sich eigen, sehr verschieden mit ihrer Prägung, ihrer Haltung zum Leben, ihren Wünschen und Erwartungen. Frauen und Männer aller Altersstufen, Kinder und Jugendliche schenkten dem Fotografen ihr Vertrauen und standen ihm Porträt in ihrem privaten Umfeld, auf Straßen und Plätzen.


Göran Gnaudschun möchte nicht die jeweiligen Menschen charakterisieren und auf narrativer Ebene ihre Eigenheiten erkennbar machen. Vielmehr geht es ihm darum, etwas Tieferliegendes, allgemein Menschliches freizulegen. Der lange, intensive Portraitprozess verändert die Menschen und lässt sie etwas offenbaren, das sich nur in Gnaudschuns Bildern wiederfindet. Es wird eine seltene Nähe, ein Gleichklang zwischen ihnen spürbar – als ginge es in jedem Bild ums Ganze, um die Gegenwart und das Dasein.

 

 

Robin Hinsch Kowitsch

Die Arbeit entstand zwischen 2010 und 2015 in der Ukraine. Ausgelöst durch die Wahl von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch 2010 unternahm ich erste Reisen in die Ukraine. Reisen in ein Land zwischen Diktatur und Demokratie. Die Ukraine, von 2010-2013 noch ein Land der leisen Konflikte, stellte sich, aber schon damals als gesellschaftlich und politisch in sich zerrissen dar. Allerorts begegnete man Korruption, spürte den repressiven Staatsapparat und innergesellschaftliche Konflikte dominierten den Alltag. Wirtschaftliche Perspektivlosigkeit war oft die Folge. Aus dieser scheinbar ausweglosen Ödnis formte sich letztlich ein Aufbegehren der Bürger gegen die ukrainische Regierung. Welches in der „Euromaidan-Revolution“ ihren bisherigen Höhepunkt erfahren sollte. Die blutigen Auseinandersetzungen im Frühjahr 2014 zwischen ukrainischen Polizeieinheiten und tausenden Protestierenden führten zu der Absetzung des damaligen Präsidenten Janukowitsch. Diese „Revolution“ löste allerdings nicht in allen Teilen des Landes pure Jubelstürme aus und so kam es, nach der Annexion der Krim durch die russische Föderation, zu neuen Aufständen im Osten der Republik, gegen die neue Regierung des Landes. Die sich im laufe des Jahres immer mehr zu einem Bürgerkrieg verschärften. Versuchte sich die Ukraine zu beginn des 21. Jahrhunderts noch immer vom Erbe der Soviet Union zu erholen, so steht sie nun vor einem noch viel größeren Scherbenhaufen. Ein ungelöster Konflikt, der die absolute Sinnlosigkeit des Krieges verdeutlicht, hat die Karten der weltpolitischen Situation maßgeblich neu gemischt, beeinflusst Sie bis heute und zwingt uns zur täglichen Reflektion unserer eigenen Lebensumstände.

 
 

Christoph Bangert hello camel

Christoph Bangert War Porn

Christoph Bangert War Porn, hello camel

Meiner Erfahrung nach sind die beiden wesentlichsten Merkmale des Krieges Horror und Absurdität.

In meinem Buch "War Porn" beschäftige ich mich mit eben diesem Horror und damit wie unsere Gesellschaft mit schrecklichen Bildern umgeht. Das Experiment besteht darin, die Selbstzensur einmal völlig auszuschalten: In "War Porn" zeige ich Fotografien aus Afghanistan, Irak, Libanon und Gaza, die nicht veröffentlich wurden, weil sie zu schrecklich waren. Das Ergebnis ist ein intensives und vielleicht schockierendes aber – wie ich hoffe – auch ehrliches Buch über den Krieg.

In "hello camel" setze ich mich mit der Absurdität des Krieges auseinander. Unserer klischeehaften Vorstellung des modernen Krieges als rasantes, dramatisches und heroisches Ereignis stelle ich die eigenartigen und fremden Momente der Kriege in Afghanistan und dem Irak gegenüber. Gleichzeitig ist "hello camel" eine Dokumentation des menschlichen Bestrebens im Angesicht von Gewalt und Chaos so etwas wie Normalität zu schaffen.

Matthias Jung REVIER

Matthias Jung | REVIER Das Rheinische Braunkohlerevier, zwischen Köln, Mönchengladbach und Aachen gelegen, ist mit drei Tagebauen das größte Abbaugebiet von Braunkohle in Europa. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird hier industriell Braunkohle gefördert. Heute in drei riesigen Löchern von bis zu 400 Metern Tiefe. Dutzende Ortschaften, Dörfer und Kleinstädte sind seitdem verschwunden oder verschwinden noch. Rund 45.000 Menschen sind seit den 60er Jahren umgesiedelt worden und eine nicht bekannte Anzahl ist vor einer Umsiedlung geflohen. Erst 2045 soll das Ende der Kohleförderung kommen. Ob der Betreiber der Tagebaue und Kraftwerke so lange durchhält ist bisher ebenso ungewiss wie die Nutzung der Restlöcher.

REVIER ist eine Langzeitbetrachtung des Gebiets zwischen den beiden größten Tagebauen "Hambach" und "Garzweiler". Die Bilder dokumentieren die Veränderung von Dörfern und Landschaften bis zu deren endgültigem verschwinden.

 

 

Peter Gauditz Neue Landschaften

Peter Gauditz fotografiert seit einigen Jahren für dieses Projekt und zeigt wie die Landschaften Durch die Windräder ein neue Gesicht bekommen. Es stellt keine neutrale Dokumentation dar und es sit weder eine pro noch kontra Einstellung zu den Windrädern beabsichtigt.

Joachim Schumacher Die bescheidenen Wäldchen - von Birken und Industriebrachen

Mein Fotoessay über die Birkenwäldchen auf den Industriebrachen des Ruhrgebiets ist als Hommage gedacht an diese kaum beachteten Bäume, die manch einer auch als „Unkraut“ betrachtet und behandelt. Oft scheinen diese Wäldchen ganz plötzlich entstanden zu sein, da man diese schwarzen, öden Flächen bisher kaum beachtete. Die Anspruchslosigkeit der Birke ist schon fast sprichwörtlich. Sie braucht selbst kaum Erde und leistet eine grandiose Pionierarbeit, indem sie den Boden für einen artenreichen Wald bereitet. Ist diese Arbeit erbracht, zieht sie sich oft vollständig zurück. Da diese Wäldchen kaum genutzt und benutzt werden, sich weitgehend selbst überlassen bleiben, entwickeln sie sich zu kleinen, lichten „Urwäldern“ mit dichtem Unterholz. Tendenziell müssen mehr und mehr dieser Wäldchen Gewerbegebieten und Parkanlagen weichen, in die man sie meist nicht integrieren kann, da die schwer belasteten Böden erst einmal saniert werden müssen.  Die Bilder entstanden auf den Brachen stillgelegter Zechen, Stahlwerke und Güterbahnhöfe in den Städten Gelsenkirchen, Essen, Bochum, Bottrop und Dortmund. 

 

 
 

Jaschi Klein Drei Schatten

Jaschi Klein somewhere

Jaschi Klein

Ich zeige einen Ausschnitt aus frühen Projekten mit Inszenierungen bis zu Installationen der Gegenwart. Der gemeinsame Nenner aller Projekte ist der gegenseitige Einfluss von außen und innen und der sich daraus ergebende Ausdruck durch entsprechende Regie. Die Arbeitsweise bewegt sich auf schmalem Grat zwischen Planung und Zufall. In der Bildsprache der Inszenierungen entstehen teilweise Metaphern. Die Ojekte der Wind- Installationen sind Katalysatoren für Wind und Licht und gehen eine Verbindung mit der sie umgebenden Landschaft ein. Im Projekt "3 sec im Wind" transformieren sich konstruierte Objekte aus Plexiglas durch Licht und Geschwindigkeit zu neuen abstrakten Formen. Die Skulpturen des Projekts "somewhere" behaupten sich im Zusammenhang mit der Umgebung und spiegeln diese wider.

 
 

Somewhere

Mit Natur- und Kulturmaterialien wie Industrieabfällen, Metallen und Kunststoffen entstehen Installationen und Skulpturen, die den nomadischen Aspekt des Vorübergehenden thematisieren. Die Natur dient nicht als Kulisse, sie korrespondiert mit den Aufbauten. Die Skulpturen wirken fremd und gleichzeitig vertraut durch archaische Anmutung. Es werden Erinnerungen an Ursprüngliches wach, was Hinweise an vergessene Lebensformen anklingen lässt. Die reduzierte Form der Aufbauten in der Andeutung des Möglichen schließt die Auflösung ein.

Ausgehend vom Bewusstsein, dass Materie nicht manifest ist, sondern aus Schwingung besteht, ist dieser Aspekt gedanklich in die Bildsprache integriert. Durch die Loslösung der Materialien aus gewohnten Zusammenhängen, entstehen andere Bedeutungsebenen. Die Objekte sind keinem Zweck unterworfen. Sie verweisen auf ihre eigene Ästhetik und die der Umgebung. Die Installationen erscheinen für kurze Zeit und verschwinden wieder. Zurück bleibt für den Betrachter die Erinnerung, als wäre es eine Illusion gewesen. Die Fotografie von eigenem Charakter transportiert das Ereignis.

Renate Aller Ocean|Desert

“Ocean | Desert” (Radius Books, 2014) ist eine Erweiterung und parallele Entwicklung zu dem fortlaufendem fotografischen Projekt “Oceanscapes – one view – 1999 to present” (Radius Books mit Kehrer Verlag 2010) und “dicotyledon” (Radius Books 2012). Diese Projekte unterstuetzen Allers Investigation der Beziehung zwischen der Romantik, Erinnerung und Landschaft im Kontext unseres gegenwaertigen sozialpolitischen Bewusstseins.

Für “Ocean|Desert” hat sie die Bilder vom Atlantic und zweier Wüsten deren Bindung nicht auf physischer Nähe basiert, sondern durch ihre gemeinsame Vergangenheit.  Sie sind durch ihre Getrenntheit verbunden. Renate Aller arbeitet und lebt in New York. Arbeiten von dieser Serie und anderen Projekten sind in der Sammlung von Firmen, privaten Sammlern und Museen wie Lannan Foundation, Corcoran Gallery of Art, Yale University Art Gallery, George Eastman House, New Britain Museum of American Art, Chazen Museum of Art, und der Hamburger Kunsthalle. http://renatealler.com

 

 

Hendrik Faure Photogravuren zum Ende der Zeit

Stilleben fotografiere ich seit mehr als 20 Jahren auf dem Tisch meines Gewächshauses und manchmal an den Orten ihrer spontanen Entstehung. Nature morte hat dabei mehrfache Bedeutung, es geht um die Aesthetik des Verfalls ebenso wie um die Zerstörung der Natur und um die Trauer über den Verlust von Individualität und Komplexität. Die Bilder bedeuten sich selbst in den Vorstellungen ihrer Betrachter. Wenn sie gelingen, zeigen sie fiktive Träume, hypothetische Emotionen und Illusionen der Erinnerung. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Vorgängen, Gedanken oder Träumen ist dabei rein zufälliger Natur.

Technisch gesehen handelt es sich um Kupfertiefdruck- Photogravuren im Grenzbereich von Photographie und Druckgraphik, gefertigt nach der Methode von Talbot und Klic.  Der Lichtbildervortrag erfolgt mit Unterstützung des Cellisten Ulrich Maiß.  

Dirk Gebhardt Quer Durch – Deutschland von West nach Ost

Was ist eigentlich Deutsch und wie leben die Deutschen? Ein Jahr lang sind Jörg-Christian Schillmöller und Dirk Gebhardt durch die Bundesrepublik gewandert. In Etappen, vom westlichsten zum östlichsten Punkt. Sie wollten wissen wie leben Menschen in Deutschland, gefragt haben sie Ärzte, Förster, Rocker und Flüchtlinge. Sie feierten Dorffeste, misteten Ziegenställe aus und schliefen wo es gerade ging. Theaterumkleide, Jaghütte, Jugendclub und Stadtmission. Angetroffen haben Sie Menschen, die auf vielfältige Art und Weise darum ringen das Leben lebenswert zu gestalten. Entstanden ist eine vielschichtige, multimediale Reportagensammlung die unter www.einjahrdeutschland.de abgerufen werden kann.

Dirk Gebhardt stellt auf der Tagung der DFA einen Auszug der Arbeit vor, welche im Sommer 2016 als Buch erscheinen wird.  

 

 

Dr. Angela Hildebrand Street Photography, Privatsphäre versus Kunstfreiheit – ein unlösbarer Konflikt?

Künstlerische Street Photography erzählt über das Leben auf der Straße, auf Plätzen bzw. im öffentlichen Raum. Dabei stehen meist Menschen im Zentrum der Darstellung. Allerdings sieht es nicht jeder gerne, wenn sein Konterfei für alle sichtbar wird. So kommt es durchaus vor, dass die abgebildeten Personen der Verbreitung ihres Bildnisses mit der Begründung widersprechen, die Aufnahme verletze ihr Persönlichkeitsrecht. Teilweise werden sogar Schadensersatzansprüche geltend gemacht, so im Falle des Ostkreuz-Fotografen Espen Eichhöfer, der wegen einer bei C/O Berlin ausgestellten Straßenfotografie von der Abgebildeten verklagt wurde. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass diese Verbreitung der Fotografie unzulässig war. Hiergegen hat der Fotograf Verfassungsbeschwerde eingelegt.

Was ist der rechtliche Rahmen des Konflikts von Privatsphäre und Kunstfreiheit? Aufgrund des Rechts am eigenen Bild besteht grundsätzlich ein Einwilligungserfordernis des Abgebildeten hinsichtlich der Verbreitung seines Bildnisses. Eine Ausnahme gilt allerdings, wenn die Verbreitung „einem höheren Interesse der Kunst dient“. Doch soll diese Ausnahme wiederum keine Anwendung finden, wenn das Bildnis ein „berechtigtes Interesse“ der abgebildeten Person verletzt. Eine unscharfe Regelung, ein unlösbarer Konflikt?

Linn Schröder Ich denke auch Familienbilder, 2014-

Familienbilder sind Erinnerungsbilder. Ein Familienbild kann gleichzeitig aber auch ein Bild sein, das wir uns von Familie machen. Als solches ist es geistige Vorstellung, ein visuell gedachtes Stimmungsnetz, das einer bestimmten Idee von familiärem Zusammensein Ausdruck verleiht. In Linn Schröders Werkserie sind Bildsprache und Bildauswahl derart, dass eine zeitliche Einordnung der Fotografien fast unmöglich scheint. Die Natur als Ort größter Zeitlosigkeit unterstreicht diesen Eindruck, wie auch Ausschnitte der privaten Wohnung hier nicht der Möglichkeit dienen, sich zeitlich zu vergewissern. Und so entwickelt die Serie einen Gedanken der Allgemeingültigkeit zwischenmenschlicher, familiärer Beziehungen und Momente, die auch das eigene Muttersein der Künstlerin in die fotografische Beobachtung mit einschließt: Sie ist wertvolle Zuwendung hin zu dem, was ist, was gewesen ist und was sein wird.  (Text Heide Häusler)

 

 

 

Programm der Tagung im Grassi Museum Leipzig, 5.-6. Dezember 2015

 

Samstag, 5.12.
10.00 - 10.15 Begrüßung, Ingo Taubhorn (Präsident der DFA)
10.15 - 11.00 Isaak Broder Reisen - in jeglichem Sinne
11.00 - 11.45 Daniel Schumann Die Koordinaten des Menschlichen
11.45 - 12.30 Gerhard Vormwald zu Trans-Form
12.30 - 13.30 Mittagspause
13.30 - 14.15 Claus Bach Weimar. Blick zurück 1976 -1999
14.15 - 15.00 Erasmus Schröter Die Echtfotopostkarten der DDR zwischen Zensur und Dokument
15.00 - 15.45 PD.Dr.Andrea Gnam Die feinen Unterschiede. Der differenzierte Blick auf die Architektur der Ostmoderne im Fokus der Fotografie
15.45 - 16.15 Kaffeepause
16.15 - 17.00 Rudi Meisel Landsleute 1977-1987  - Two Germanys
17.00 - 17.45 Wolfgang Bellwinkel The Beach
18.00 - 19.00 Dr. Thomas Rudi, Axel Menz Führungen durch die Dauerausstellung des Grassi Museums

 

Sonntag, 6.12.
10.00 - 10.30 Ingo Taubhorn und Celina Lunsford Pläne für das 100-jährige Jubiläum der GDL/DFA im Jahr 2019
10.30 - 11.30 Prof. Joachim Brohm HGB Leipzig - Klasse für Fotografie und Medien - Vorstellung seiner Student/Innen Dana Lorenz, Sophia Kesting und Daniel Poller
11.30 - 12.15 Delphine Bedel (Meta/Books) Self-Publishing – The New Economy of the Book
12.15 - 13.00 Wolfram Janzer Werkgruppen aus 30 Jahren DFA-Mitgliedschaft
13.00 - 14.00 Mittagspause
14.00 - 14.45 Eberhard Patzig, Leiter der Bibliothek und Grafischen Sammlung im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig Frühe Fotografie in Leipzig - Fragile Schätze zwischen Bedrohung und Bewahrung
14.45 - 15.30 Birte Kaufmann The Travellers 2011-15
15.30 - 15.45 Kaffeepause
15.45- 16.30 David Grabiniok love (fucking) love
16.30- 17.15 Calin Kruse Von Zine zu Fotomagazin zu Fotobuch
17.15- 18.00 Betram Kober Transmission

Birte Kaufmann/INSTITUTE, The Travellers

 

Beiträge zur Tagung von:

Claus Bach

Erasmus Schröter

PD.Dr.Andrea Gnam

Rudi Meisel

Daniel Schumann

Birte Kaufmann

Prof. Joachim Brohm mit seinen Student/Innen Dana Lorenz, Sophia Kesting und Daniel Poller

Calin Kruse

Gerhard Vormwald

David Grabiniok

Isaak Broder

Wolfgang Bellwinkel

Delphine Bedel

Betram Kober

Wolfram Janzer

 

Claus Bach/1982, 60. Geburtstag

Claus Bach/1989, Wir bleiben hier

Claus Bach Weimar. Blick zurück 1976 -1999

Seit November 2011 veröffentlichte die „Thüringische Landeszeitung“ Aufnahmen Bach’s aus dem Weimar Ostdeutschlands. Bis heute wird unter dem Titel „Blick zurück“ wöchentlich ein fünfspaltiges schwarzweiss - Foto in jener Lokalzeitung abgedruckt. Über die Jahre entstand eine Bilderchronik, welche das Leben der Stadt bis in die verschiedensten Winkel der Gesellschaft zeigt. Von sogenannten offiziellen Anlässen über Alltagsmomente bis in die Subkulturen. Viele dieser Bilder werden von den Menschen vor Ort und in den sozialen Netzwerken diskutiert.  

So war es folgerichtig, dass im Herbst 2015 die Buchpublikation „Blick zurück. Weimar 1976 - 1999“ entstand. Anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. Erstmals wurde ein Fotobuch veröffentlicht, das die jüngste Vergangenheit Weimars ausserordentlich facettenreich präsentiert. Dabei erzeugen die Bilder mitunter auch eine symbolhafte Wirkung über den Ort hinaus oder vermitteln unfreiwillig komische Momente. Auf 115 Fotografien wird der Blick in die jüngste Vergangenheit der Stadt gelenkt, ohne ihn mit dem Zeitpunkt der Wiedervereinigung abzubrechen.

Auch und gerade die 1990 iger Jahre werden mit allen Aufbrüchen und Widersprüchen vorgestellt. Diese Nachwendezeit nimmt einen wichtigen Teil des Fotobands ein. Nicht zuletzt wird damit die Entwicklung des östlichen Teils Deutschlands spürbar. Und genau das ist das Besondere. Ein Novum in der deutschen Verlagslandschaft. Denn bisher schlossen die meisten Fotobände dieser Art mit dem historischen Ende der DDR ab.  

Erasmus Schröter Die Echtfotopostkarten der DDR zwischen Zensur und Dokument

Der Leipziger Erasmus Schröter wuchs in der DDR auf und erhielt während seines Studiums an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst von 1977 bis 1982 seine Ausbildung zum Fotografen. Seitdem ist er in der internationalen Fotokunstszene aktiv. Mit den Augen eines Fotografen sammelte er in den letzten Jahrzehnten intensiv auf Flohmärkten die Echt Foto Postkarten der DDR. .

Der Schwerpunkt seiner Postkartensammlung, die inzwischen auf mehrere Tausend Karten angewachsen ist, liegt auf allen kulturellen Äußerungen der DDR-Moderne. So gibt es Karten von sozialistischer Neubauarchitektur, staatlichen Ferienheimen, Pionierlagern für die Jugend und von sozialistischen Denkmälern in den Zentren der Städte. Andere Postkarten vermitteln interessante Einblicke in das Innere dieser Gebäude. Sie zeigen uns die Inneneinrichtung, das Möbel -und Lampendesign sowie die Bildkunstwerke der sozialistischen Ära..

Die Mehrzahl der Relikte sozialistischen Bauens und politischer Denkmäler ist inzwischen bereits abgerissen und verschwunden. Allein die Postkarte zeigt uns noch die vergeblichen Fortschritts- und Siegesillusionen des Sozialismus der DDR. Damit erfüllen diese kleinen Fotopostkarten in unserer Zeit eine wichtige Funktion als fotografisches Dokument.

Der Vortrag führt auf unterhaltsame Weise in die damals offiziell erwünschte Bildwelt der DDR. Er beleuchtet an Hand vieler Beispiele, wie die Fotopostkarte im Spannungsfeld von Zensur und fotografischem Dokument ihre spezifische, heute oft seltsam fern anmutende Ästhetik entwickelte.

PD.Dr.Andrea Gnam Die feinen Unterschiede. Der differenzierte Blick auf die Architektur der Ostmoderne im Fokus der Fotografie

Die Architektur der Ostmoderne galt in ihrem ästhetischen Anspruch über Jahrzehnte hinweg (vor allem aus der Perspektive des Westens) als eintönig und trist. Wohnanlagen, aber auch Sonderbauten wurden nach der Wende als nicht erhaltenswert betrachtet und dem Abriss preisgegeben. Im 21. Jahrhundert setzt ein allmähliches Umdenken und eine späte Wertschätzung ein: Fotografische Arbeiten haben sehr viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die „feinen Unterschiede“ zu lenken, sie zu erkunden, zu archivieren und sichtbar werden zu lassen. Auch das industrialisierte und modularisierte Bauen bietet differenziertere Lösungen, als lange angenommen, gerade auch auf dem Feld der lange unbeachtet gebliebenen Alltagsarchitektur: Sie liegen im Detail, den Varianten, dem städtebaulichen Kontext. Aber auch eine weitere Frage stellt sich: Inwiefern trägt das Bild unseres gewohnten städtebaulichen Umfeldes retrospektiv zu unserer Identität bei?

Abbildung: Taschkent Wohngebäudes der Serie 1T-SP - Foto © Philipp Meuser - Aus dem neu veröffentlichten Buch von Philipp Meuser „Die Ästhetik der Platte | Wohnungsbau in der Sowjetunion zwischen Stalin und Glasnost.“ DOM publishers. Berlin 2015

 

 

Schuhmachergässchen, Riquethaus, Leipzig, DDR, 1980 - © Rudi Meisel, Berlin

Rudi Meisel Landsleute 1977-1987  - Two Germanys

An den Fernstraßen in der Ukraine entstehen in den Sommermonaten Märkte, die zumeist aus Deutschland Ende der 1970er Jahre. Die Nachkriegszeit ist überwunden, das Wirtschaftswunder vollbracht und die Teilung in West und Ost endgültig vollzogen. Kaptialismus und Sozialismus prägen tief den Alltag der Deutschen, die Unterschie­de zwischen den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen wachsen stetig. Divergente Gewohnheiten, Mentalitäten und Ideologien in beiden deutschen Staaten scheinen sich fest zu zementieren. Und doch ähneln sich BRD und DDR trotz Mauer und Stacheldraht in ihrer Kleinbürgerlichkeit, Uniformität, Architektur und ihrem Habitus ungemein. Biedere Behaglichkeit, unwirtliche Wohn­siedlungen, nachbarlicher Schwatz, bierselige Stammtische, jugendliche Rebellion, kurzweilige Volksfeste, baufällige Straßenzüge – der westdeutsche Fotograf Rudi Meisel hat über einen Zeitraum von elf Jahren das alltägliche Leben der kleinen Leute hüben wie drüben eingefangen. Seine bildjournalistischen Dokumente fügen sich zu einem einzigartigen, zeitgeschichtlichen Archiv zusammen und irritieren und erstaunen ob der Similarität der Sujets. Was ist eigentlich spezifisch West, was Ost? Oft geben erst die Bildtitel eine verlässliche Sicherheit bei der Zuordnung.

Als einer der wenigen westdeutschen Fotografen bereiste Rudi Meisel mehrmals im Jahr die DDR. Im Auftrag zahlreicher Medien konnte er dort den Alltag dokumentieren – eine Besonderheit zu jener Zeit. In der Tradition der Street Photography interessiert ihn das Geschehen jenseits staatlich gelenkter Propaganda und Inszenierung. Sein Blick auf den sozialistischen Staat ist offen, neugierig und frei von jeglicher Polemik, Häme oder Herablassung. Rudi Meisels Reportagen wirken unverstellt, auch wenn die Ergebnisse von der Zensur kontrolliert wurden – ihm wurde stets ein Aufpasser des Internationalen Pressezentrums an die Seite gestellt. An sich schon wertvolle, visuelle Primärquellen und authentisches Anschauungsmaterial, erhalten diese Bilder in der Gegenüberstellung mit seinen Fotografien aus Westdeutschland eine zusätzliche Bedeutungsebene. Denn sie geben in ihrem Zusammenspiel und Vergleich Aufschluss über die Frage nach Prägungen, die so etwas wie „Das Deutsche“ oder Eigenheiten des „deutschen Volkes“ ausmachen....

© Mirko Nowak, Aus dem Pressetext für die Ausstellung von Rudi Meisel bei C/O Berlin

Daniel Schumann Die Koordinaten des Menschlichen

Die Koordinaten des Menschlichen sind seit meinem Zivildienst in einem Hospiz zum zentralen Thema meiner fotografischen Arbeit geworden. Sie verbinden meine Buchprojekte, in denen ich mich mit Liebe und Familie, mit Leben und Vergänglichkeit auseinandersetze.

In meiner Arbeit »Purpur Braun Grau Weiß Schwarz« ist der sterbende Mensch und sein Umgang mit Krankheit und Tod Thema meiner Fotografie. Ein Jahr lang habe ich Menschen fotografisch begleitet, die in einem Hospiz gelebt haben und dort gestorben sind. Während diese Menschen zumeist auf ein langes Leben zurückblicken konnten, porträtiere ich für mein Langzeitprojekt »Prinzessinnen und Fußballhelden« Familien, die ein Kind mit einer lebensbedrohenden Krankheit haben. In meinen Fotografien zeige ich, wie Familien der Krankheit ihres Kindes und der Endlichkeit des Lebens begegnen, genauso, wie sich die Lebenskonzepte und die Familienstrukturen über die Jahre verändern.  Für mein Fotoprojekt »International Orange« habe ich als Fulbright-Stipendiat gleichgeschlechtliche Familien und Paare in San Francisco fotografiert, um das Thema Familie von einem neuen Blickwinkel aus zu betrachten. Gleichzeitig ist diese Arbeit auch eine Liebeserklärung an diese wunderbare Stadt und ihre faszinierende Freiheit.

Meine Fotoprojekte sind bislang in Europa, Asien und Amerika ausgestellt, mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet und als Fotobücher veröffentlicht worden.

 

 

 

Birte Kaufmann/INSTITUTE, The Travellers

Birte Kaufmann The Travellers 2011-15

Meine Arbeit The Travellers gibt einen Einblick in den Alltag der größten Minderheitsgruppierung Irlands. Sie haben einen nomadischen Ursprung und kommen aus der Tradition der Wanderarbeiter. Da diese Funktion aufgehoben wurde, sind sie auf der Suche nach einer neuen Identität in der westeuropäischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Durch ihre Traditionen und ihre sozialen Verhaltensweisen, finden Sie wenig Akzeptanz in der übrigen irischen Gesellschaft. So führen sie ein Leben in einer Parallelwelt mit eigenen strengen Regeln, in die Außenstehende keinen Zugang haben. Auch heute noch leben Travellerfamilien illegal am Strassenrand, weitgehend ohne Strom, fließendes Wasser und sanitäre Anlagen, obwohl die Regierung eigens für sie Plätze, auf denen sie mit ihren Wohnwagen stehen können (Haltingsites), eingerichtet hat. 

Für meine Arbeit fuhr ich im Sommer 2011 zum ersten mal mit einem VW-Bus nach Irland. Mit meiner Fotografie will ich die Lebensweise und Wertvorstellungen der Traveller dem Betrachter nahe bringen. Über die Jahre hielt ich regelmäßigen Kontakt mit einem Clan aufrecht und mit der Zeit erlangte ich ihr Vertrauen. So konnte ich eng mit einer Großfamilie der Traveller am Straßenrand, oder auf einem Haltingsite zusammenleben. Meine Kamera und ich wurden mit der Zeit zum Teil des Alltags. 

Prof. Joachim Brohm HGB Leipzig - Klasse für Fotografie und Medien - Vorstellung seiner Student/Innen Dana Lorenz, Sophia Kesting und Daniel Poller

"Auf der Grundlage der wirklichkeitsbeschreibenden Fotografie bietet die Klasse für Fotografie und Medien Möglichkeiten einer zeitgenössischen Orientierung im fotografisch-medialen Bereich. Der Begriff des Dokumentarischen und seine Überprüfung im Kontext aktueller Inhalte spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Diskussion hierüber wird anhand der Arbeiten der Studierenden intensiv geführt, in Einzel- und Gruppengesprächen sowie in Präsentationen im Rahmen der Klasse. Von ebensolcher Bedeutung ist die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Arbeiten in Form von Ausstellungen, Publikationen und Gastvorträgen. Eine konsequente Offenheit gibt es bezüglich der zu wählenden Arbeitsmittel: Die Fotografie lässt sich nicht mehr definieren, ohne digitale und hybride Technologien selbstverständlich und gleichwertig zu den klassischen, analogen Verfahren einzusetzen. Die Studierenden wählen ihre Arbeitsvorhaben und Themen frei, erarbeiten in Absprache und mit Beratung der Lehrenden individuelle Konzepte und Vorgehensweisen, um schließlich eine eigene, künstlerische Sprache zu entwickeln.".

Abbildung oben: "field notes of fences", Daniel Poller

Abbildungen unten: "There is no Colour but some Ideas how Things might be" Sophia Kesting und Dana Lorenz, 2013

 

 
 

 
 

Calin Kruse Von Zine zu Fotomagazin zu Fotobuch

Calin Kruse studierte Kommunikationsdesign in Mannheim und Trier; er gibt seit 2007 das Magazin im Alleingang dienacht heraus, ein zeitloses Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur. Außerdem gründete er 2012 dienacht Publishing, einen Verlag für Fotobücher mit Sammelwert, in kleineren oder größeren Auflagen.

Calin kuratiert Fotografieausstellungen, ist Portfolio-Reviewer (u.a. auf dem F/Stop-Festival in Leipzig, PhotoIreland in Dublin und Vienna Photo Book Festival), hält Gastvorträge an Hochschulen und macht Workshops für Fotobuchgestaltung.

Die Bücher bei dienacht Publishing erhielten bisher einige Auszeichnungen: NOCTURNES wurde von TIME Magazine und photo-eye, Dead Traffic von photo-eye zum Fotobuch des Jahres ausgewählt, Nowhere hat den Deutschen Fotobuchpreis 2014 erhalten und eines der neusten Bücher, ANNA KONDA, steht zur Zeit auf der Shortlist der Paris Photo – Aperture Photo Book Award..

Calin Kruse wird über die Anfänge und seine Herangehensweise und Arbeit als Magazin- und Buchmacher, -gestalter und -kurator sprechen und die Vor- und Nachteile seines Ein-Mann-Unternehmen beleuchten.

Gerhard Vormwald zu Trans-Form

Im Zuge von Experimenten mit unterschiedlichen bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten, beschäftigt sich Gerhard Vormwald seit einiger Zeit unter anderem mit Neuinterpretationen von Fotografien die er aus dem Fundus eines in permanenter Entstehung begriffenen Komplexes von Natur - und Landschaftsdarstellungen auswählt..

Diese, sowohl in ihrem formalen Aufbau als auch im dekonstruktiven Duktus expressiv in Erscheinung tretenden Natur- und Landschaftsparaphrasen, welche idealerweise als grossformatige Ölmalerei - minutiös reproduziert - gezeigt werden sollten, leiten hier angesichts zeitgleich stattfindender, intensiver Beschäftigungen mit malerischen und zeichnerischen Ausdrucksformen, vielleicht auch einen Abgesang Vormwald´s auf rein fotografische Darstellungsverhältnisse ein.

Im Verlaufe des Gestaltungsprozederes am Rechner bilden sich unter eingeschränkten Kontroll - und Steuerungsmöglichkeiten der Werkzeuge und im Wechselspiel zwischen Kalkül und Zufall, schrittweise Bildtransformationen heraus die in den Kontext eines neuen Stilbereichs überleiten.

„Die digitale Neuinterpretation der Fotografien entstanden in einem dem Mal- und Zeichenprozess durchaus vergleichbaren Vorgang. Es bedurfte einer gewissen Zeit bis ich in mehreren Versuchen jene technischen Möglichkeiten herausgefunden hatte die meinen Vorstellungen gemäss für die Gestaltungsarbeit in Frage kamen.

Nach mehrmaligen Korrekturen waren die Darstellungen in eine für mich zufriedenstellende Form gebracht. Der neue Look war anfänglich gewöhnungsbedürftig. In den Arbeitsperioden pendelte ich phasenweise zwischen dem Grafiktablett an meinem Rechners und dem Zeichentisch im Atelier hin und her.Somit ist es nicht sehr erstaunlich, dass trotz der unterschiedlichen Medien sich bei diesen weitgehend simultan entstandenen Bildserien vergleichbare Entsprechungen aufzeigen lassen.“

 

 
 

David Grabiniok love (fucking) love

Thema dieser ersten Reihe des neuen Werkkomplexes sind ikonenhafte Negationen (Transformationen) von Fotografien durch Form, Farbe und Kombination. Es entstehen Bildkompositionen mittels dieser – an sich trivialen – Bilder, die durch das Hinzufügen von zeitlich und emotional miteinander in Verbindung stehenden Elementen, eine Verbindung zwischen dem Dargestellten und dem Betrachter schaffen sollen, um somit in ihrer Bedeutung aufgewertet zu werden.

In Negationen äußert sich eine Auflösung, die zu einem angemesseneren Bild gelangen soll. Eine Art sichtbare Überdeckung, Erinnerung und Reinigung. Die durch die Negation entstandene Leere generiert visuelle Dichte. Die Leere wird gegenstandslos, aber energieerfüllt (vgl. Gottfried Boehm: Wie Bilder Sinn erzeugen).

Bei diesen für die Werkreihe ausgewählten Bildkompositionen handelt es sich um die vorläufige Essenz aus einer Fülle unterschiedlicher Varianten, welche die Grenzen von künstlerischer Fotografie in Verbindung mit grafischer Gestaltung auszuloten versuchen. Die Darstellungen nehmen Bezug auf einen bestimmten Lebensabschnitt – und zu Lebenswelten des Künstlers.

Isaak Broder Reisen - in jeglichem Sinne

In meinen fotografischen Arbeiten beschäftige ich mich hauptsächlich mit Definitionen von Räumen – Erinnerungsräumen, die oft im engen Bezug zu meiner Kindheit stehen. Mein Arbeitsansatz ist nicht konzeptionell, sondern basiert auf Neugierde, Instinkt und schließlich strengen Entscheidungsprozessen. Trotz teils sehr unterschiedlicher Themen und Neuerkundungen innerhalb meiner Fotografie, zum Beispiel auch in Farbe, komme ich immer wieder auf ähnliche Themen zurück, so auch auf mein Hauptthema mit dem Arbeitstitel “Waldbilder“.

Ich denke mehr in Einzelbildern, Bilder-Kosmen oder Büchern als in Serien. Meine Arbeitsweise ist stark von meinen Erfahrungen in der analogen Dunkelkammer geprägt, da ich vorwiegend analog arbeite, und dies in schwarzweiß. Mein Hang zum erzählerischen Motiv bedingt sich durch die ständige Suche nach Orten, die für mich ein Geheimnis bergen, was mich fesselt. Wenn die Bilder später auch beim Betrachter dieses Geheimnisvolle bewahren und ihn berühren, war ich erfolgreich.

Viele meiner Motive haben etwas mit Architektur, z.B. Puestos Projekt oder Räumlichkeit in der Natur, z.B. Waldbilder, zu tun. Bei der Präsentation einiger meiner Arbeiten lege ich ein besonderes Augenmerk auf Leuchtkastensysteme, die mit dem Außenlicht des Ausstellungsraumes arbeiten.

 

 

Wolfgang Bellwinkel The Beach

Im Frühjahr 2009 endete ein 28-jähriger Bürgerkrieg im Nordosten von Sri Lanka, mit einer vernichtenden Niederlage der separatistischen Tamilen. Das letzte von den Rebellen gehaltenen Territorium bestand aus einem schmalen Küstenstreifen - begrenzt vom Meer im Osten und einer Lagune im Westen - auf dem zuletzt etwa 300 000 Tamilen, zusammengepfercht auf ca. 25 qkm, dem Dauerfeuer der ceylonesischen Armee ausgesetzt waren. Laut Schätzungen der UN starben innerhalb von wenigen Monaten 40 000 Menschen - überwiegend Zivilisten. ’The Beach' versucht an dieses, von der Welt kaum beachtete Massaker zu erinnern. Die Arbeit besteht aus 2 grossen Tableaus, 4 Einzelbildern und Texten.

Delphine Bedel (Meta/Books) Self-Publishing – The New Economy of the Book

More photographs were produced in 2014 then in the whole history of photography. Photobooks, Instagram, metadata, everyone is a publisher. How does this affects photographic practices and art institutions? Working at the intersection of photography, publishing and theory, Delphine Bedel will speak about the drastic economic and technological changes occurring in the publishing industry and in photography. Her talk will address the shift from print to software culture. New modes of production, distribution and publishing strategies will be presented, together with her recent works and Meta/books, her new research and publishing platform.

Delphine Bedel is an artist, publisher, curator and PhD researcher at University of Creative Arts/ Farnham Campus (UK), Thesis ‘Meta/Books – Publishing as Artistic Practice. She is founder & director of Amsterdam Art/Book Fair and Meta/Books.

Meta/Books operates as an experimental research and publishing platform, working closely with artists, photographers, media critics, designers and programers to develop cutting-edge projects, from print to digital. This long term-project aims to document current publishing practices by artists that are at the confluence of these questions, and the possible historiography and archiving of these practices as they emerge.

delphinebedel.com

 

 

Bertam Kober Transmission

Auf zahlreichen Fotoreisen nimmt Bertram Kober die Sendemasten und Empfängeranlagen auf, die er in seinem Projekt »Transmission« vorstellt. Er zeigt in den Bildern aus den italienischen Bergen oder deutschen Ebenen aber nicht nur die monumentale Anmutung solcher Anlagen oder die skulpturale Ästhetik der mit scheinbar zahllosen Satellitenschüsseln und Stabantennen bestückten Turmaufbauten. Der Künstler verweist mit den Anlagen, die er sich zum Beispiel in 2500 Metern Höhe erwanderte, auf die Allgegenwärtigkeit der »Transmission«. Ein nahtloses Netz zieht sich unsichtbar über die gesamte Landschaft. Wellen, mit deren Hilfe alles gesendet und empfangen, belauscht und weitergeleitet werden kann, überlagern jeden Ort der Erde. Informationen sind erreichbar, überall und wir damit auch. Die Unsichtbarkeit des Netzes lässt das aber vergessen. Die Idylle einer Landschaft kommt unberührt daher. Nur die Andockstellen der Übertragungen und der Verstärkung sind erkennbar. Bertram Kober setzt sie eindrucksvoll in Szene.

 

Wolfram Janzer

Wolfram Janzer zeigt verschiedene Werkgruppen aus 30 Jahren DFA-Mitgliedschaft.

Abbildung: Le Corbusier: Kloster La Tourette, 2015

 

 

 

Programm der außerordentlichen Tagung während der Triennale der Photographie in Hamburg am 28. Juni 2015

 

10.00 - 17.00 Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern der DFA im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstraße 1-2
10.00 Einlass in das Auditorium Haus der Photographie
10.15 Begrüßung durch Ingo Taubhorn (Präsident der DFA) und Celina Lunsford (Vizepräsidentin)
10.30 Jürgen Scriba Die Kamera ist mein Messgerät
11.15 Dörte Eißfeldt Klasse.Buch. 64 Positionen aus der Klasse Eißfeldt
12.00 Silke Helmerdig Fotografie im Futur Konjunktiv
13.00 Mittagspause
14.30 Eva Schmeckenbecher ABILICHANGEITÉ - Die Veränderlichkeit eines jeden Teils
15.15 Dr. Gottfried Jäger Begriffe der Fotografie
16.00 Celina Lunsford RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain
17.00 Ende der Tagung

 

Paternoster, © Jürgen Scriba

 

 

Airport, © Jürgen Scriba

Jürgen Scriba Die Kamera ist mein Messgerät

J. Scriba zeigt Projekte, die öffentliche Räume wie Flughäfen, Bahnhöfen oder Bürogebäude portraitieren - jedoch weniger konkrete Örtlichkeiten, sondern vielmehr Situationen und Befindlichkeiten einfangen: ein Zusammentreffen von Menschen, die durch gemeinsame Ziele und Interessen verbunden sind und ihr Bemühen, mit einander und ihrer Umgebung zu kommunizieren.

Er verlässt die Arbeitsweisen, die das Medium in der Kunstwelt definieren: Statt die Kamera einzusetzen, um ein Bild aus einem mit Bedacht gewählten Ausschnitt der Realität zu erschaffen, ein Motiv in dem berüchtigten „entscheidenden Moment“ einzufangen, benutzt er eine Form der maschinellen Bilderfassung. Üblicherweise baut er die Kamera wie ein wissenschaftliches Experiment auf, um technisch optimales Ausgangsmaterial aufzuzeichnen. Der Verschluss wird automatisch ausgelöst, wenn geeignete Objekte ins Blickfeld geraten. Diese Fotos, von denen typischerweise tausende während eines Projekts anfallen, bilden die Basis für eine andere Art von Bildschöpfung.

Der Künstler behandelt diese Fotos als Strom von mehr oder weniger austauschbarem Rohmaterial, mit dem er die Realität neu interpretiert, indem er die seriellen Fotos in eine zweidimensionale Anordnung bringt. Die Bilder reduzieren den ursprünglichen Ort auf wenige, oft abstrakte, Merkmale, um die menschliche Dimension umso deutlicher hervortreten zu lassen: Menschen, die scheinbar rätselhafte Riten ausüben – Rolltreppen oder Aufzüge benutzen, mysteriöse Treppenlandschaften erklimmen, unergründliche Räume durchmessen.

Dörte Eißfeldt Klasse.Buch. 64 Positionen aus der Klasse Eißfeldt

Dörte Eißfeldt lehrt seit mehr als 20 Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie. In dieser langjährigen Tätigkeit hat sie zahlreiche Studenten ausgebildet, die inzwischen als Künstler national und international Anerkennung erlangt haben. Für die meisten Absolventen der Klasse bildet Fotografie zwar den Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeiten, doch gerade durch die Vielfalt der Zugangsweisen und Medien – Film, Malerei, Video, Skulptur und Text – bieten sich unterschiedlichste Möglichkeiten, das Feld des Fotografischen zu erforschen und zu erarbeiten. Jeder arbeitet an einer künstlerischen Position, die sich aus der Zeitgenossenschaft und dem eigenen Erfahrungs- und Erinnerungsraum speist. Hier bietet sich die Fotografie als ein geeignetes Medium an, das zu allen anderen Künsten in einem sehr engen Wechselverhältnis steht.

 

 

Silke Helmerdig Fotografie im Futur Konjunktiv

Sehen wir in einem Foto tatsächlich nur das Abbild eines vergangenen Augenblicks? Was wäre, wenn Fotos im Futur Konjunktiv verstanden würden? Aus dem Foto als Zeugnis des Vergangenen würde dann ein Bote eines zukünftig Möglichen.

Celina Lunsford RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain

In einer einmaligen Zusammenarbeit feiert die Region Rhein-Main in diesem Sommer das Medium der Fotografie: Von Juni bis September 2015 präsentiert RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain in der zweiten Ausgabe erneut herausragende Positionen der zeitgenössischen Fotografie an insgesamt 12 Standorten in Frankfurt und der Region. In einer zentralen Ausstellung und acht Partnerprojekten widmen sich über 12 Institutionen sowie 35 Künstlerinnen und Künstler aus 15 Nationen Bildfindungen zu subjektiven und inszenierten Wirklichkeiten. In der Ausstellung IMAGINE REALITY nehmen 28 Künstlerinnen und Künstler Fragmente der Wirklichkeit zum Ausgangspunkt, um imaginäre und visionäre Bildwelten zu erschaffen. Dabei bewegen sie sich zwischen dokumentarischer, angewandter und künstlerischer Fotografie. Die Ausstellung wird gemeinsam vom Fotografie Forum Frankfurt, Museum Angewandte Kunst und MMK Museum für Moderne Kunst gezeigt.

Durch die heutigen unbegrenzten Möglichkeiten der Erzeugung, Bearbeitung und Verbreitung von Bildern eröffnet sich ein facettenreiches Spektrum, um Übergangsszenarien zwischen Fakt und Illusion zu erfassen und zu interpretieren. Es entstehen neue Bildwelten, die sowohl von unserer Gegenwart zeugen als auch in die Zukunft weisen.

Die verwendeten fotografischen Mittel sind dabei so vielfältig wie die Geschichte der Fotografie und spiegeln die Transformation des Mediums wider: Traditionelle fotografische Verfahren sowie neue, durch technologische Entwicklung entstandene Möglichkeiten werden gleichermaßen in der aktuellen künstlerischen Fotografie genutzt. Bei allen unterschiedlichen Verfahren und Möglichkeiten des fotografischen Mediums zeigt die Ausstellung, was den Künstlern gemeinsam ist: Ihre Bilder führen durch Verwandlung der Umgebung in eine Welt, in der Realität und Fiktion, Fakten und Illusion untrennbar miteinander verwoben sind.

Neben der Ausstellung IMAGINE REALITY, unterstützt RAY 2015 insgesamt 12 künstlerische Neuproduktionen und 9 Partnerprojekte in Frankfurt und der Region.

Künstlerinnen und Künstler: Sonja Braas, Barbara Breitenfellner, Sophie Calle, David Claerbout, Jonas Dahlberg, Hans Op de Beeck, Cristina De Middel, Klaus Elle, Jan Paul Evers, Lucas Foglia, Joan Fontcuberta, João Maria Gusmão & Pedro Paiva, Beate Gütschow, Barbara Kasten, Annette Kelm, Cinthia Marcelle, Maix Mayer, Sanaz Mazinani, Abelardo Morell, Yamini Nayar, Miguel Rio Branco, Viviane Sassen, Kathrin Sonntag, Simon Starling, Anoek Steketee, John Stezaker, Jan Tichy, Wolfgang Zurborn.

 

 

Eva Schmeckenbecher ABILICHANGEITÉ - Die Veränderlichkeit eines jeden Teils

Unter diesem Titel präsentierte die Galerie La Chaufferie der HEAR, Haute école des arts du Rhin, Straßburg, im März 2015 Arbeiten von Eva Schmeckenbecher als Abschluss ihrer Residenz in Frankreich. Die Ausstellung wird vorgestellt als eine mögliche Phase von vielen aus den Arbeitsprozessen mit Bildern, Videoaufnahmen, Pilzen, Dialogen, Kameras, Papieren, geschwärzten Zeitungen, Oberflächen, Modulen, Zwischenräumen, Klebeband, Beziehungen, Assoziationen, Planeten, Schokolade, Objekten, Orten,… - d.h.: den räumlichen, zeitlichen, materiellen, medialen, technischen, kommunikativen, körperlichen, psychischen, sozialen, künstlerischen (…) Möglichkeiten, die wechselseitig aufeinander einwirken können.

Durch die heutigen unbegrenzten Möglichkeiten der Erzeugung, Bearbeitung und Verbreitung von Bildern eröffnet sich ein facettenreiches Spektrum, um Übergangsszenarien zwischen Fakt und Illusion zu erfassen und zu interpretieren. Es entstehen neue Bildwelten, die sowohl von unserer Gegenwart zeugen als auch in die Zukunft weisen.

Dr. Gottfried Jäger Begriffe der Fotografie

Ich spreche bewusst vom fotogenen Bild – im Anklang an die Photogenic Drawings, die fotogenischen Zeichnungen von Henry Fox Talbot (1800–1877). Ihre Genese erschien ihm wie ein Wunder: „Ich kenne wenig Dinge im Bereich der Wissenschaft, welche mehr in Erstaunen setzen als das allmähliche Erscheinen des Bildes auf dem weißen Blatte.“

Vielleicht, so die aktuelle Überlegung, können wir seinen Ausdruck heute (wieder) gut gebrauchen – nämlich um den generativen, schöpferischen, also bilderzeugenden Charakter des Fotos mit einem besonderen Wort zu kennzeichnen. Das Fotogenische wäre dann ein Pendant zum Fotografischen. Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch beider Begriffe. Beide werden gebraucht, weil beide Realitäten existieren und weil das ambivalente Verfahren aufgrund seiner digitalen Entwicklungen im traditionellen Fotobegriff kaum mehr angemessen aufgehoben scheint: „Fotografien werden als Sinn erzeugende, nicht allein wiedergebende Konzentrationen verstanden, die mehr generieren, als sie zeigen, als ihre Sichtbarkeit zu erkennen gibt.“2 Was Coburn seinerzeit bewirkte, findet erneut und unter anderen Vorzeichen statt. Wir haben es mit anderen Fotos zu tun. Was wir da sehen, ist fotobasiert, fotogeneriert, fotocomputiert. Und es wäre hilfreich, sie künftig entsprechend zu bezeichnen – zumindest das fotogene Bild terminologisch in das zeitgenössische Begriffsrepertoire mit aufzunehmen.

Fotologie

Eine entsprechende Überlegung betrifft auch das Bildsystem Fotografie als Ganzes. Die Fotografie, so die Feststellung, kann es nicht länger geben. Zu weit gespannt ist das Spektrum ihrer Erscheinungen. Begriffe wie das dubitative, indezisive, ambiguide, undisziplinierte Bild – um nur diese zu nennen – sind Ausdruck eines Dilemmas, das punktum nicht zu lösen ist: „Man könnte meinen, die Fotografie sei nicht klassifizierbar.“ Die zahlreichen Versuche, das Foto auf einen Begriff zu bringen, mussten scheitern, weil jedes Foto zugleich ikonisch, symbolisch, indexikalisch und als selbstreferenzielles Zeichen (Indiz, Symptom) gelesen und bedeutet werden kann – je nachdem, mit welchen Vokabeln es verbunden wird, in welchem Kontext es in seine Erscheinung tritt. Jedes Foto verfügt über entsprechende Potenziale und es kommt auf den Gesichtspunkt an, unter dem es betrachtet und gebraucht wird. Der Kontext bestimmt seine Bedeutung, die Sprache seinen Rang, das Wort seinen Sinn.

Daher wäre es an der Zeit, dem Begriff des Fotografischen den des Fotologischen zur Seite zu stellen – als ein Fach der Bildwissenschaften, das sich entsprechenden Fragen widmet. Fotologie wäre dann die Wissenschaft der Fotografie. Andere Wissensfelder, wie Ikonografie/Ikonologie, Geografie/Geologie, geben ein Beispiel. So gäbe es neben der Fotografie als einer der fotografischen Praxis (Bildherstellung) verpflichteten Disziplin, die Fotologie als eine der fotografischen Theorie (Bildreflexion) verpflichtete Disziplin, ein Fach fotografischer Geistes- und Begriffsgeschichte. Damit zeichnete sich ein Forschungsfeld ab, das, so als akademischer Lehrstuhl, bisherige Erkenntnisse zusammenträgt und kanonisiert. Der Begriff Fotologie wurde meines Wissens erstmals 1991 vorgeschlagen, inzwischen in wissenschaftlichen Zusammenhängen angewendet und interpretiert.

 

 

 

Programm der Jahrestagung 24.-26. April 2015

Freitag, 24.4.
16.00 - 18.00 Mitgliederversammlung (nicht öffentlich) in der Zehntscheuer, Maiergasse 8, LE-Echterdingen.
Samstag, 25.4.
10.00 - 16.45 Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen Zehntscheuer, Maiergasse 8, Echterdingen
10.00 - 10.15 Begrüßung
10.15 - 11.00 Dirk Gebhardt Playlife
11.00 - 11.45 Kirill Golovchenko Bitter Honeydew
11.45 - 12.30 Oliver Hartung The Arabian Monument und Syria Al-Assad
12.30 - 13.30 Mittagspause
13.30 - 14.15 Richard Reisen, Verlag Kettler
14.15 - 15.00 Sandra Stein Keine Ahnung
15.00 - 15.15 Kaffeepause
15.15 - 16.00 Olaf Unverzart Noch im Rahmen
16.00 - 16.30 Wolfgang Gscheidle Meine Gruppenfotos - inszenierte Erinnerungen
18.00 - 19.30 Preisverleihung und Vernissage - David-Octavius-Hill-Medaille und Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen 2015 an Viviane Sassen

Begrüßung: Alexander Ludwig, Kulturbürgermeister der Stadt Leinfelden-Echterdingen und Ingo Taubhorn, Präsident der Deutschen Fotografischen Akademie

Laudatio: Celina Lunsford, Präsidium der Deutschen Fotografischen Akademie

Musik: Bakary Koné + Okas Sylla

Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen, Schönaicher Sträßle 4
19.30 Viviane Sassen, Vernissage Teil 2

Galerie Altes Rathaus Musberg, Filderstraße 44, LE-Musberg

Sonntag, 26.4.
10.00 - 15.30 Bildpräsentationen und Vorträge von Mitgliedern und Gästen Zehntscheuer, Maiergasse 8, Echterdingen
10.00 - 10.15 Begrüßung
10.15 - 11.15 Katharina Mayer The Best 4 Vorstellung ihrer Student/Innen Christine Eckhardt, Jule Companie, Tobias Vorwerk und Daniel Wagner
11.15 - 12.00 Maria Bayer Danube Revisited: The Inge Morath Truck Project
12.00 - 13.00 Mittagspause
13.00 - 13.45 Anastasia Khoroshilova Die Übrigen
13.45 - 14.30 Camille Bonnefoi The Photographic Thickness
14.30 - 14.45 Kaffeepause
14.45 - 15.30 Petra Böttcher Das dritte Auge – oder weiß der Teufel, was da oben alles rumfliegt

Ausstellung zur Tagung:

Viviane Sassen Pikin Slee

 

 

Beiträge zur Tagung:

 

Sandra Stein Keine Ahnung

Kirill Golovchenko Bitter Honeydew

Dirk Gebhardt Playlife

Oliver Hartung The Arabian Monument und Syria Al-Assad

Olaf Unverzart Noch im Rahmen

Wolfgang Gscheidle Meine Gruppenfotos - inszenierte Erinnerungen

Maria Bayer Danube Revisited: The Inge Morath Truck Project

Anastasia Khoroshilova Die Übrigen

Camille Bonnefoi The Photographic Thickness

Petra Böttcher Das dritte Auge – oder weiß der Teufel, was da oben alles rumfliegt

Katharina Mayer The Best 4

 

Viviane Sassen Pikin Slee

Viviane Sassen (Amsterdam) erhält die David-Octavius-Hill-Medaille der Deutschen Fotografischen Akademie, verbunden mit dem Kunstpreis 2015 der Stadt Leinfelden-Echterdingen. Die Niederländische Fotografin Viviane Sassen ist eine der meist beachteten Fotokünstlerinnen der letzten Jahre. Nach etlichen preisgekrönten Buch-Publikationen und Ausstellungen von internationalem Rang wird sie am 25. April 2015 die renommierte David-Octavius-Hill-Medaille der DFA sowie den Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen entgegennehmen. Parallel dazu wird eine Ausstellung ihres aktuellen Projektes „Pikin Slee“ in der Galerie Altes Rathaus Musberg sowie im Stadtarchiv zu sehen sein.

Viviane Sassen studierte Modedesign, Kunst und Fotografie in Arnhem und Utrecht. Seit 1992 arbeitet sie als Fotografin mit den Schwerpunkten Mode-­ und künstlerische Fotografie – wobei ein besonderer Reiz ihres Werkes darin besteht, solche Genregrenzen mühelos zu überschreiten. Mit oft sehr einfachen Mitteln wie Spiegeln, Farbfolien und Bilddrehungen schafft Viviane Sassen eindringliche Verfremdungen und prägnante Kompositionen. Ihre Arbeiten werden in führenden Magazinen gedruckt und weltweit in Museen wie dem Rijksmuseum Amsterdam, der Kunsthalle Wien, der Staatsgalerie Stuttgart und dem Museum of Modern Art in New York gezeigt.

Ausstellungsdauer: 26. April bis 17. Mai 2015

Vernissage und Preisverleihung: Samstag, 25. April 2015, 18 Uhr, Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen, Schönaicher Sträßle 4

Vernissage II: Samstag, 25. April 2015, 19:30 Uhr — Galerie Altes Rathaus Musberg Filderstr. 44 in Leinfelden-Echterdingen

Öffnungszeiten: Samstag 16-18 Uhr, So 11-13 Uhr

Sandra Stein Keine Ahnung

Die Zeit des Erwachsenwerdens ist eine Zeit der Grenzerfahrung und des Spiels mit Identitäten. Durch die eigene Positionierung im Spannungsfeld mit unserer Umgebung entwickeln wir so ein Gefühl für unser Selbst, für unseren eigenen Standpunkt. Dieser Prozess ist beunruhigend, aufregend, manchmal überwältigend und immer zutiefst beeindruckend: Was wir in dieser Zeit erleben, prägt unser Leben als Erwachsener.

Das Projekt “Keine Ahnung” der Fotografin Sandra Stein umfasst bereits mehr als 10 Jahre. In dieser Zeit hat Stein Mädchen auf ihrem Weg der Erwachsenwerdung begleitet, mit ihren Portraits immer wieder Stationen der Transformation dieser Mädchen während ihrer Entwicklung von Kindern zu jungen Erwachsenen dokumentiert und festgehalten.

Indem sie eine klärende Distanz wahrt, gelingt Stein eine ehrliche und unverstellte Repräsentation der Mädchen, die unbehindert von der Wahrnehmung sozialer Unterschiede stattdessen die Gemeinsamkeiten der emotionalen Erfahrungen der Mädchen betont, während sie gleichzeitig auf poetische Weise die Einzigartigkeit jedes Mädchens einfängt.

Irgendwo zwischen Stolz und Verlegenheit eröffnet sich eine gemeinsame Ebene, die den Betrachter mit den Mädchen verbindet, indem ihr direkter Blick in die Kamera zum Fenster zu unserer eigenen emotionalen Vergangenheit wird.

Das vorliegende Buch „Keine Ahnung“ präsentiert einen Auszug aus diesem Projekt.

 

 

Kirill Golovchenko Bitter Honeydew

An den Fernstraßen in der Ukraine entstehen in den Sommermonaten Märkte, die zumeist aus vereinzelt platzierten, einfachen Ständen bestehen, an denen Gemüse und Obst verkauft wird. Die Verkäufer bleiben dort mitunter die ganze Nacht, viele haben sich dafür in Zelten und kleinen Bretterhütten häusliche eingerichtet, oder sie leben mit ihren Familien in Wohnanhängern. Ihre Nachtarbeit ist das Thema des Fotografen Kirill Golovchenko.

Nicht nur Einheimische bauen ihre Stände am Straßenrand auf. Während der warmen Jahreszeit zieht es die Menschen aus anderen Ländern wie: Weißrussland, Moldawien, Aserbaidschan, Georgien und Armenien, hier her. Sie alle bringen verschiedene Bräuche und Traditionen mit und so entsteht ein Mikrokosmos, in dem die unterschiedlichsten Menschen eines eint: Sie wollen Geld verdienen, um einen besseren Lebensstandard zu erreichen, oder um einfach dem Hunger zu entkommen. In emphatischen Porträts dokumentiert Bitter Honeydew, 2013 mit dem Abisag-Tüllmann-Preis ausgezeichnet, den harten Überlebenskampf der Straßenhändler.

Dirk Gebhardt Playlife

Partisanen, Blockfreie, Kriegsgegner, Flüchtlinge, Beitrittskandidaten sind nur einige Begriffe mit denen die Menschen des westlichen Balkans seit dem 2. Weltkrieg bezeichnet wurden. In den letzten zwanzig Jahren, seit dem Zusammenbruch des Vielvölkerstaates Jugoslawien wurden die Bewohner in neue gesellschaftliche, soziale und ökonomische Zusammenhänge gezwungen. Der sozialistische Einheitsstaat Jugoslawien zerfiel in 7 Staaten. Identitäten gingen verloren, Nationen wurden neu geschaffen und gleich wieder in Frage gestellt, um durch eine europäische Vision ersetzt zu werden. Nationale, kulturelle Identitäten definieren sich zum einen über die Muttersprache zum anderen über die Eigenheiten der städtischen Architektur und der regionalen Traditionen. Die Menschen in der Region changieren zwischen der traditionellen, nationalen Kulturund einem globalisierten, europäischen Wertesystem. Der fotografische Essay „PlayLife“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen dieser schnellen, wechselhaften Veränderungen in allen menschlichen Lebensbereichen.

 

 
 

Oliver Hartung The Arabian Monument und Syria Al-Assad

Oliver Hartung hat Kunst in Stuttgart, Glasgow und London studiert, als Freelancer für die New York Times gearbeitet und bis 2013 künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig unterrichtet. 2014 gewann er die Portfolio Review in Düsseldorf, aktuell ist er Stipendiat der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Seit acht Jahren arbeitet er an einem Langzeitprojekt über den Mittleren Osten, die ersten zwei Bücher dazu, “The Arabian Monument” und “Syria Al-Assad” erschienen 2012 und 2014. Seit 2011 konzentriert er sich in seiner Arbeit auf den Iran. www.oliverhartung.com

 
 

Olaf Unverzart Noch im Rahmen

In "Noch im Rahmen" zeigt der Münchner Fotokünstler Bilder aus seinem fotografischen Schaffen. In seinem Werk spielt das Medium Fotobuch eine wichtige Rolle. Der Titel deutet an, dass auch er sich in Rubriken und Schubladen befindet, die man möglichst schnell wieder verlassen sollte. Die alte fotografische Weisheit "in Bewegung bleiben" gilt im besten Fall nicht nur für den Körper.

Olaf Unverzart, geboren 1972 in Bayern, ist Fotograf und Künstler. Gerade erschien sein sechstes Buch ALP bei Prestel, welches eine 12jährige fotografische Auseinandersetzung mit den Alpen zeigt. Unverzart veröffentlichte in den renomierten deutschen Magazinen und ist Mitarbeiter der Zeitschrift Rouleur. 2009 war er Bildkolumnist im ZeitMagazin.

Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seit 1998 Ausstellungen im In- und Ausland. Lehraufträge an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und am Mozarteum Salzburg. 2014 erhielt er das Villa Massimo/ Casa Baldi Stipendium in Rom. Unverzart lebt und arbeitet in München.

 

 

Anastasia Khoroshilova Die Übrigen

Anastasia Khoroshilova hinterfragt mit ihrer Arbeit die Mechanismen der Erinnerungen und der realen Ereignisse, den medialen Umgang mit diesen und deren Vergänglichkeit. Ein grundlegender Element der Arbeit ist die visuelle Analyse sozialer Topografie der Gesellschaft, deren unterschiedliche Vertreter zu den Protagonisten der Projekte werden. Die Künstlerin arbeitet in den Medien Fotografie und Installation.

Anastasia Khoroshilova studierte Fotografie and der Universität Duisburg-Essen. Sie ist die Trägerin des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste, Berlin (2010). Khoroshilovas Arbeiten wurden in den Einzelausstellungen im Russischen Museum / Stiftung Ludwig, St. Petersburg (2006), in dem Parallelprogramm der Biennale von Venedig (2011) und in dem Maison Européenne de la Photographie in Paris (2014) gezeigt. Ihr letztes Projekt „Die Übrigen“ (in Kooperation mit der Autorin Annabel von Gemmingen) ist als Buch 2015 bei Hatje Cantz erschienen.

Neben der eigenen künstlerischen Tätigkeit lehrt die Fotografin an der Rodchenko Moscow School of Photography and Multimedia.

Anastasia Khoroshilova stellt Projekte aus den letzten vier Jahren vor.

Maria Bayer Danube Revisited: The Inge Morath Truck Project

„Danube Revisited: The Inge Morath Truck Project“ war eine Wanderausstellung in einem 7,5-Tonner an der Donau entlang. Im Truck wurde die Arbeit von Inge Morath ausgestellt. Die Magnum-Fotografin hatte vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs das Leben an der Donau dokumentiert. Auf dem Weg sind neue fotografische Arbeiten von den Preisträgerinnen des Inge-Morath-Awards entstanden. Das sind unter anderem Olivia Arthur, Lurdes R. Basolí, Claire Martin und Emily Schiffer.

Die Reise begann an der Quelle der Donau und endete sechs Wochen später am schwarzen Meer. Auf dem Weg machte das Team Station in 17 Städten. Vor Ort wurde mit Galerien kooperiert. Das waren zum Beispiel in Regensburg das Kunstforum Ostdeutsche Galerie, in Wien die Westlicht Galerie und in Budapest das Robert-Capa-Center. Das Team bestand aus 8 Fotografinnen, die zeitweise von ihren Familien begleitet wurden, einem Filmteam, einem Journalisten, einer Babysitterin, einer LKW-Fahrerin, 5 Stipendiatinnen, einer Content Managerin und mir.

Ich habe das Team während der Reise koordiniert und habe das Projekt ein Jahr im voraus organisiert, habe die Kontakte zu den Galerien hergestellt, mir die Route überlegt, mich während der Reise um die Finanzen und um die Presse gekümmert. Ich bin selbst Fotografin und habe diesen Job über Olivia Arthur bekommen, für die ich während meines Studiums als Assistentin gearbeitet hatte.

 

 
 

Petra Böttcher Das dritte Auge –
oder weiß der Teufel, was da oben alles rumfliegt

Ein Selbstgespräch (Auszug)

Petra Böttcher fragt: „Sie führen Selbstgespräche? Das hätte ich nicht gedacht.”

pb antwortet: „Ja, das klingt merkwürdig, aber ich kann dadurch spontan und persönlich erzählen und das ist wichtig, damit Gedachtes und Erlebtes nicht verloren gehen.

pb fragt: „Was wollen Sie vorstellen?”

pb antwortet: „Z.B. Fotos aus der Serie: „Das dritte Auge oder weiß der Teufel, was da oben alles rumfliegt”. Diese Serie ist etwas bizarr. Das dritte Auge existiert in unterschiedlichen Religionen und in der Esoterik als eine zusätzliche Wahrnehmungsfähigkeit. Ursprünglichen Wirbeltieren dient es zur Wahrnehmung von Helligkeit. Helligkeit wahrnehmen... gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit... Die Idee gefällt mir.“

pb sagt: „Fotos von Wolken sind doch kitschig!”

pb antwortet: „Ich mag die ungewöhnliche Sicht über den Wolken. Wolken lassen träumen und albträumen.”

Camille Bonnefoi The Photographic Thickness

Since the origins of photography, the question of its ontology and perhaps more than its ontology, its duty, is a central argument inside the photographic theory. The question of its purpose, its limits and its process is often the real subject of the image because photography resists to be defined.

In my personal work, I develop the question of the photographic thickness through two principal themes: the link between the image and its medium and the duration of the photographic time. It is the moment to revisit the origins of photography because a lot of the plastic capacity of this medium has perhaps been forgotten.

Photography is not as flat as we can hear about it: it has a special materiality and ancient techniques
 permit to rediscover something that has been practice during the 19th century. Through different movements
 like pictorialism, subjectiv Fotografie or photo pauvera we can see how hard the link is between the
 techniques and the image and how the photography can show its proper thickness.

 

 

Wolfgang Gscheidle Meine Gruppenfotos - inszenierte Erinnerungen

Als Stillifefotograf reizt mich die Inszenierung der Dinge aber auch die Inszenierung von Gruppenfotos. Mit diesem Vortrag möchte ich die DFA-Mitglieder dafür begeistern, bei meinen DFA-Gruppenfotos mitzumachen.

Katharina Mayer The Best 4

Katharina Mayer stellt ihre besten 4 Studierenden im Hauptfach Fotografie an der BTK Iserlohn vor. Sie sind unterwegs auf den Gebieten Modefotografie, soziale Reportage und freie Dokumentation.

Christine Eckhardt

Jule Companie

Tobias Vorwerk

Daniel Wagner

The best 4, weil sie im dritten und fünften Semester verstanden haben, dass sie im Studium nur bekommen können, was sie selbst schon in sich tragen. Diese Entdeckung kennen wir alle, die wir kreativ arbeiten. Wir freuen uns auf konstruktive Kritik und Anregungen für die Zukunft.

Abbildung: Daniel Wagner, Copsaint